Herzschrittmacher-Therapie: Leitlinie (DGK/DGTHG)
📋Auf einen Blick
- •Eingriffe an Rhythmusimplantaten erfordern spezifische personelle, raeumliche und hygienische Voraussetzungen.
- •Fuer komplexe Eingriffe und Risikopatienten wird ein Eingriffsraum der Raumluftklasse Ib empfohlen.
- •Eine praeoperative Antibiotikaprophylaxe (z.B. Cefazolin 2 g i.v.) sollte innerhalb einer Stunde vor Schnittbeginn erfolgen.
- •Die telemetrische Nachsorge (Remote Monitoring) wird als essenzieller Bestandteil der Therapie empfohlen.
- •Fuer die Implantation und Nachsorge sind spezifische Zusatzqualifikationen der Fachgesellschaften erforderlich.
Hintergrund
Die Implantation von Herzschrittmachern (HSM), implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) erfordert standardisierte infrastrukturelle, personelle und hygienische Rahmenbedingungen. Das Konsensuspapier der DGK und DGTHG definiert diese Voraussetzungen, um eine hohe Prozess- und Ergebnisqualitaet sowie Patientensicherheit zu gewaehrleisten.
Qualifikation der Operateure
Fuer die Durchfuehrung von Device-Eingriffen wird der Erwerb spezifischer Zusatzqualifikationen (DGK: "Aktive Herzrhythmusimplantate", DGTHG: Modul-Zertifikate) empfohlen.
| Qualifikation | Voraussetzung | Geforderte Implantationen | Geforderte Kontrollen |
|---|---|---|---|
| DGK-Zertifikat | Facharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie) | 75 HSM, 25 ICD, 10 CRT | 250 HSM, 50 ICD, 30 CRT |
| DGTHG Modul 1 | Facharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie) | 75 HSM (davon 40 Zweikammer) | 250 HSM |
| DGTHG Modul 2 | Facharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie) | 35 ICD | 100 (ICD/CRT) |
Hygienische und raeumliche Voraussetzungen
Die Vermeidung postoperativer Wundinfektionen (SSI) hat oberste Prioritaet. Die Einteilung in "Eingriffsraum" und "Operationssaal" wurde zugunsten einer risikoadaptierten Raumlufttechnik (RLT) verlassen.
| Raumklasse (DIN 1946-4) | Luftfuehrung | Indikation fuer Device-Eingriffe |
|---|---|---|
| Klasse Ia | Turbulenzarme Verdraengungsstroemung | Hochrisiko-Eingriffe, komplexe Revisionen |
| Klasse Ib | Misch- oder Verdraengungsstroemung | Empfohlener Standard fuer Herzkatheterlabore, komplexe Eingriffe, Risikopatienten |
| Klasse II | Sonstige Raeume (Fensterlueftung moeglich) | Nur fuer unkomplizierte Primaerimplantationen ohne erhoehtes Infektionsrisiko |
Perioperative Hygienemassnahmen:
- Haarentfernung: Ausschliesslich durch Kuerzen/Clippen, keine Rasur.
- Hautdesinfektion: Remanent wirkendes Antiseptikum (bevorzugt Chlorhexidin/Octenidin in alkoholischer Loesung).
- Antibiotikaprophylaxe: Gabe innerhalb 1 Stunde vor Schnittbeginn (in Deutschland bevorzugt Cefazolin 2 g i.v.). Eine erneute Gabe nach Hautverschluss wird nicht empfohlen.
Personelle Ausstattung
Fuer eine sichere Operationsdurchfuehrung muss folgendes Mindestpersonal anwesend sein:
- 1 Operateur (mit entsprechender Qualifikation)
- 1 instrumentierende Pflegekraft (verantwortlich fuer Hygiene/Sterilitaet)
- 1 unsterile Hilfsperson (fuer Basisueberwachung, Materialanreichung, PSA-Messungen)
Bei komplexen Eingriffen oder Hochrisikopatienten (ASA 3) ist zusaetzlich ein in der Notfall-/Intensivmedizin erfahrener Arzt (z.B. Anaesthesist) erforderlich.
Strahlenschutz
Es gilt das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Da bisher keine nationalen Dosisreferenzwerte (DRW) des Bundesamtes fuer Strahlenschutz existieren, dienen die IQTIG-Werte als Orientierung:
| Art des Eingriffs | Dosis-Flaechen-Produkt (cGy*cm2) |
|---|---|
| Einkammer- / VDD-System | 1000 |
| Zweikammersystem | 1500 |
| CRT-System | 4100 |
Komplikationsmanagement
Ein strukturiertes Notfallmanagement mit schriftlichen SOPs ist obligat. Typische perioperative Komplikationen umfassen:
| Komplikation | Inzidenz (%) |
|---|---|
| Perikarderguss | 10,2 |
| Taschenhaematom | 0,2 - 16,0 |
| Infektion | 0,6 - 3,4 |
| Sondendislokation | 1,2 - 3,3 |
| Pneumothorax | 0,4 - 2,8 |
Telemonitoring und MRT-Tauglichkeit
- Telemonitoring: Die telemetrische Funktionskontrolle (Remote Follow-up) und das kontinuierliche Remote Monitoring (RM) senken Mortalitaet und Hospitalisierungsraten und werden als essenzieller Bestandteil der Nachsorge empfohlen.
- MRT: Vor und nach MRT-Untersuchungen ist eine spezifische Umprogrammierung erforderlich. Bei schrittmacherabhaengigen Patienten muss waehrend des MRTs geschultes Personal anwesend sein.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der praeoperativen Haarentfernung ausschliesslich Clipper statt Rasierer und verabreichen Sie die Antibiotikaprophylaxe strikt innerhalb von 60 Minuten vor dem Hautschnitt.