ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Herzschrittmacher-Therapie: Leitlinie (DGK/DGTHG)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eingriffe an Rhythmusimplantaten erfordern spezifische personelle, raeumliche und hygienische Voraussetzungen.
  • Fuer komplexe Eingriffe und Risikopatienten wird ein Eingriffsraum der Raumluftklasse Ib empfohlen.
  • Eine praeoperative Antibiotikaprophylaxe (z.B. Cefazolin 2 g i.v.) sollte innerhalb einer Stunde vor Schnittbeginn erfolgen.
  • Die telemetrische Nachsorge (Remote Monitoring) wird als essenzieller Bestandteil der Therapie empfohlen.
  • Fuer die Implantation und Nachsorge sind spezifische Zusatzqualifikationen der Fachgesellschaften erforderlich.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Implantation von Herzschrittmachern (HSM), implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) und Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) erfordert standardisierte infrastrukturelle, personelle und hygienische Rahmenbedingungen. Das Konsensuspapier der DGK und DGTHG definiert diese Voraussetzungen, um eine hohe Prozess- und Ergebnisqualitaet sowie Patientensicherheit zu gewaehrleisten.

Qualifikation der Operateure

Fuer die Durchfuehrung von Device-Eingriffen wird der Erwerb spezifischer Zusatzqualifikationen (DGK: "Aktive Herzrhythmusimplantate", DGTHG: Modul-Zertifikate) empfohlen.

QualifikationVoraussetzungGeforderte ImplantationenGeforderte Kontrollen
DGK-ZertifikatFacharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie)75 HSM, 25 ICD, 10 CRT250 HSM, 50 ICD, 30 CRT
DGTHG Modul 1Facharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie)75 HSM (davon 40 Zweikammer)250 HSM
DGTHG Modul 2Facharzt (Innere/Kardiologie/Herzchirurgie)35 ICD100 (ICD/CRT)

Hygienische und raeumliche Voraussetzungen

Die Vermeidung postoperativer Wundinfektionen (SSI) hat oberste Prioritaet. Die Einteilung in "Eingriffsraum" und "Operationssaal" wurde zugunsten einer risikoadaptierten Raumlufttechnik (RLT) verlassen.

Raumklasse (DIN 1946-4)LuftfuehrungIndikation fuer Device-Eingriffe
Klasse IaTurbulenzarme VerdraengungsstroemungHochrisiko-Eingriffe, komplexe Revisionen
Klasse IbMisch- oder VerdraengungsstroemungEmpfohlener Standard fuer Herzkatheterlabore, komplexe Eingriffe, Risikopatienten
Klasse IISonstige Raeume (Fensterlueftung moeglich)Nur fuer unkomplizierte Primaerimplantationen ohne erhoehtes Infektionsrisiko

Perioperative Hygienemassnahmen:

  • Haarentfernung: Ausschliesslich durch Kuerzen/Clippen, keine Rasur.
  • Hautdesinfektion: Remanent wirkendes Antiseptikum (bevorzugt Chlorhexidin/Octenidin in alkoholischer Loesung).
  • Antibiotikaprophylaxe: Gabe innerhalb 1 Stunde vor Schnittbeginn (in Deutschland bevorzugt Cefazolin 2 g i.v.). Eine erneute Gabe nach Hautverschluss wird nicht empfohlen.

Personelle Ausstattung

Fuer eine sichere Operationsdurchfuehrung muss folgendes Mindestpersonal anwesend sein:

  • 1 Operateur (mit entsprechender Qualifikation)
  • 1 instrumentierende Pflegekraft (verantwortlich fuer Hygiene/Sterilitaet)
  • 1 unsterile Hilfsperson (fuer Basisueberwachung, Materialanreichung, PSA-Messungen)

Bei komplexen Eingriffen oder Hochrisikopatienten (ASA 3) ist zusaetzlich ein in der Notfall-/Intensivmedizin erfahrener Arzt (z.B. Anaesthesist) erforderlich.

Strahlenschutz

Es gilt das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Da bisher keine nationalen Dosisreferenzwerte (DRW) des Bundesamtes fuer Strahlenschutz existieren, dienen die IQTIG-Werte als Orientierung:

Art des EingriffsDosis-Flaechen-Produkt (cGy*cm2)
Einkammer- / VDD-System1000
Zweikammersystem1500
CRT-System4100

Komplikationsmanagement

Ein strukturiertes Notfallmanagement mit schriftlichen SOPs ist obligat. Typische perioperative Komplikationen umfassen:

KomplikationInzidenz (%)
Perikarderguss10,2
Taschenhaematom0,2 - 16,0
Infektion0,6 - 3,4
Sondendislokation1,2 - 3,3
Pneumothorax0,4 - 2,8

Telemonitoring und MRT-Tauglichkeit

  • Telemonitoring: Die telemetrische Funktionskontrolle (Remote Follow-up) und das kontinuierliche Remote Monitoring (RM) senken Mortalitaet und Hospitalisierungsraten und werden als essenzieller Bestandteil der Nachsorge empfohlen.
  • MRT: Vor und nach MRT-Untersuchungen ist eine spezifische Umprogrammierung erforderlich. Bei schrittmacherabhaengigen Patienten muss waehrend des MRTs geschultes Personal anwesend sein.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei der praeoperativen Haarentfernung ausschliesslich Clipper statt Rasierer und verabreichen Sie die Antibiotikaprophylaxe strikt innerhalb von 60 Minuten vor dem Hautschnitt.

Häufig gestellte Fragen

Fuer komplexe Eingriffe und Risikopatienten wird Klasse Ib empfohlen. Klasse II ist nur bei unkomplizierten Primaerimplantationen vertretbar.
Bevorzugt Cefazolin 2 g i.v. innerhalb einer Stunde vor Schnittbeginn. Eine erneute Gabe nach Hautverschluss wird nicht empfohlen.
Ein Arzt mit Facharztstandard und mindestens 6-monatiger Intensivmedizinerfahrung, unterstuetzt durch geschultes Pflegepersonal.
Nach mindestens 2 Stunden postoperativer Ueberwachung durch geschultes Personal und erfolgtem Ausschluss von Komplikationen wie Perikarderguss oder Pneumothorax.

Verwandte Leitlinien