MRT bei Herzschrittmacher & ICD: Leitlinie (DGK/DRG)
📋Auf einen Blick
- •Konventionelle Schrittmacher und ICDs gelten nicht mehr als absolute, sondern als relative Kontraindikation für MRT-Untersuchungen.
- •Bedingt MR-sichere ("MR conditional") Systeme sind unter strikter Einhaltung spezifischer Nutzungsbedingungen für MRTs zugelassen.
- •ICD-Patienten tragen ein deutlich höheres Risiko als Schrittmacher-Patienten; die Indikation zur MRT muss hier strenger gestellt werden.
- •Eine Umprogrammierung des Devices (z. B. Deaktivierung der ICD-Therapie, asynchroner Modus bei SM-Abhängigkeit) vor und nach der MRT ist obligat.
- •Ein kontinuierliches Monitoring, mindestens mittels MR-kompatibler Pulsoxymetrie, ist während der gesamten Untersuchung zwingend erforderlich.
Hintergrund
Lange Zeit galten implantierte Herzschrittmacher (SM) und Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) als absolute Kontraindikation für eine Magnetresonanztomographie (MRT). Durch technische Weiterentwicklungen und neue Studiendaten werden sie heute als relative Kontraindikation eingestuft.
Die elektromagnetischen Felder des MRT (statisches Magnetfeld, Gradientenfelder, Hochfrequenzfelder) können mit den Implantaten interagieren. Mögliche Folgen sind die Erwärmung der Elektrodenspitzen (Gefahr von Myokardschäden und Reizschwellenanstieg), die Induktion von Arrhythmien, die Inhibierung der Stimulation oder ein elektrischer Neustart ("electrical reset") des Aggregats.
Risikostratifizierung
Die Entscheidung zur MRT erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Bestimmte elektrophysiologische Parameter erhöhen das Risiko signifikant:
| Risikofaktor | Gefährdungspotenzial |
|---|---|
| Schrittmacherabhängigkeit | Insuffiziente Stimulation bei HF-Erwärmung; Inhibition durch Gradientenfelder |
| Vulnerables Myokard / ICD | Erhöhtes Risiko für Kammerflimmern/Tachykardien durch Spannungsinduktion |
| Gekappte/stillgelegte Elektroden | Stark erhöhtes Risiko für HF-induzierte Gewebserwärmung ("Antenneneffekt") |
| Niedrige Batteriespannung | Erhöhtes Risiko für Umschaltung in den Notfallmodus (VVI) |
Zudem spielt die Untersuchungsregion eine Rolle: Thorax, BWS, Mamma und Schulter bergen ein höheres Risiko (Elektrode komplett in der HF-Sendespule), während Untersuchungen von Hirn, Becken oder Knie ein niedrigeres Risiko aufweisen.
Umprogrammierung: Konventionelle Schrittmacher
Bei konventionellen Systemen handelt es sich um einen "off-label use". Die Umprogrammierung richtet sich nach der Schrittmacherabhängigkeit des Patienten:
| Patientenstatus | MRT-Modus | Umprogrammierung prä MRT | Reprogrammierung post MRT |
|---|---|---|---|
| Absolut SM-abhängig | D00, V00 | Zeitnah (selber Tag) | Unmittelbar post MRT |
| Nicht SM-abhängig (stabile Bradykardie) | D00, V00 | Zeitnah (selber Tag) | Unmittelbar post MRT |
| Nicht SM-abhängig (keine Bradykardie) | 0D0, 000 oder VVI/DDI | Unmittelbar prä MRT (bei 0D0) | Unmittelbar post MRT |
Zusätzliche Maßnahmen: Stimulationspuls auf das 4-Fache der Reizschwelle (oder 5,0 V/1,0 ms) erhöhen, Polarität auf bipolar stellen und Zusatzfunktionen (z. B. frequenzadaptierte Stimulation) deaktivieren.
Besonderheiten bei ICD-Systemen
Das Risiko für ICD-Patienten ist aufgrund des strukturell geschädigten Myokards deutlich höher. Die Tachykardieerkennung und -therapie muss vor der MRT obligat deaktiviert werden!
| Risiko | Patientenstatus | MRT-Modus | Monitoring |
|---|---|---|---|
| Sehr hoch | Konventioneller ICD + absolute SM-Abhängigkeit | D00 | Kardiologe vor Ort präsent |
| Hoch | Konventioneller ICD + stattgehabte VT/VF | 0D0 oder D00 | Kardiologe vor Ort präsent |
| Niedrig | Bedingt MR-sicherer ICD + absolute SM-Abhängigkeit | D00 | Kardiologe vor Ort präsent |
MRT-spezifische Sicherheitsmaßnahmen
Um die Patientensicherheit zu maximieren, müssen radiologische Grenzwerte strikt eingehalten werden:
- Feldstärke: Bei konventionellen Systemen sind geschlossene 1,5-Tesla-Systeme obligat.
- SAR-Wert: Limitierung aller Sequenzen auf < 2 W/kg im Ganzkörperbereich (bzw. < 3,2 W/kg im Kopf).
- Spulen: Integrierte Körper-HF-Spule als Sendespule nutzen. Lokale Sende-/Empfangsspulen im Thoraxbereich sind kontraindiziert.
- Monitoring: Obligat ist eine kontinuierliche MR-kompatible Pulsoxymetrie. Ein EKG wird empfohlen. Ein Defibrillator und ein Programmiergerät müssen vor Ort verfügbar sein.
💡Praxis-Tipp
Verlassen Sie sich bei 'MR conditional' Systemen nicht allein auf den Schrittmacherausweis. Überprüfen Sie tagesaktuell die spezifischen Nutzungsbedingungen des Herstellers (z. B. via Hotline oder Website), da sich diese ändern können und auch nachträglich zertifizierte Elektroden ('back labeling') existieren.