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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

EMI bei Herzschrittmachern & ICDs: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der Abstand zur Feldquelle ist die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung elektromagnetischer Interferenzen (EMI).
  • Aktuelle Smartphones, Metalldetektoren und Elektroautos stellen ein sehr geringes Interferenzrisiko dar.
  • Bei Induktionsherden wird ein Sicherheitsabstand von 25 cm zum Implantat empfohlen.
  • MRT-fähige Implantate sind nicht automatisch besser vor alltäglichen Interferenzen geschützt als Standardaggregate.
  • Im beruflichen Umfeld ist bei starker Exposition eine individuelle Gefährdungsbeurteilung zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Durch die zunehmende Technisierung im Alltag und Beruf sind Patienten mit aktiven kardialen Implantaten (CIEDs wie Herzschrittmacher und ICDs) vermehrt elektrischen und magnetischen Feldern (EMF) ausgesetzt. Elektromagnetische Interferenzen (EMI) können unterschiedliche Auswirkungen auf das Implantat haben:

  • Überlagerung von Signalen: Konstruktive oder destruktive Überlagerung herzeigener Biosignale mit Störsignalen (Oversensing, häufigstes Phänomen).
  • Sensoraktivierung: Aktivierung des Magnetsensors (Reed-Switch, Hall-Sensor).
  • Erwärmung: Erwärmung metallischer Komponenten mit möglichen thermischen Gewebeschäden.
  • Schädigung: Schädigung der Device-Elektronik oder spontane Umprogrammierungen ("power-on-reset").

Abstand zur Feldquelle ist das wichtigste Mittel zur Vermeidung von EMI. MRT-fähige Schrittmacher bieten keinen generellen Schutz vor Alltags-Interferenzen.

Klinische Konsequenzen nach Grunderkrankung

Die Relevanz einer Störung hängt maßgeblich von der Grunderkrankung des Patienten ab:

GrunderkrankungStörszenarioKlinische Konsequenz
Bradykardie (ohne Eigenrhythmus)Inhibition durch OversensingSynkope, Asystolie (vitale Bedrohung)
Bradykardie (mit Eigenrhythmus)Inhibition durch OversensingSchwindel, Leistungsabfall, chronotrope Inkompetenz
ICD (Primär-/Sekundärprävention)Oversensing im rechten VentrikelGefahr der inadäquaten Schockabgabe
ICDMagnetbetrieb (Reed-Switch)Deaktivierung der Tachytherapien
Herzinsuffizienz (CRT)Verlust der ResynchronisationIneffektivität der Therapie

Störreaktionen nach Implantat-Typ

DeviceKanal/BauteilMögliche Störreaktion
HerzschrittmacherRechter Vorhof (RA)Inadäquater Modeswitch, atrial getriggerte schnelle Ventrikelstimulation
HerzschrittmacherRechter Ventrikel (RV)Inhibition der Stimulation durch Oversensing, Wechsel in Störmodus
HerzschrittmacherReed-SchalterAsynchrone V00/D00-Stimulation
ICD (transvenös)Rechter Ventrikel (RV)Inadäquate Therapieabgabe, Verlust der Tachykardieerkennung
ICD (transvenös)Reed-SchalterPassagere Deaktivierung der Tachytherapien

EMI-Quellen im Alltag

Für die meisten Alltagsgeräte gibt es klare Entwarnungen oder einfache Abstandsregeln:

  • Smartphones & Mobiltelefone: Sehr geringes Risiko. Ein strikter Sicherheitsabstand von 15 cm ist bei aktuellen Geräten nicht mehr zwingend erforderlich. Bei induktiven Ladestationen (Qi-Standard) sollten 10 cm Abstand eingehalten werden.
  • Kopfhörer & MP3-Player: Bestimmungsgemäßer Gebrauch ist sicher. Kopfhörer mit starken Permanentmagneten (Neodymium) sollten jedoch nicht direkt auf die Gerätetasche gelegt werden.
  • Diebstahlsicherungen (Kaufhäuser): Zügig passieren, nicht im Feld verweilen. Bei RFID-Scannern wird sicherheitshalber ein Abstand von 60 cm (Schrittmacher) bzw. 40 cm (ICD) empfohlen.
  • Metalldetektoren: Torbögen am Flughafen und Handdetektoren können ohne Einschränkungen genutzt werden.
  • Reisen & Mobilität: Das Fahren in Elektroautos, Hybridfahrzeugen sowie das Reisen mit Bahn oder Flugzeug ist unbedenklich.
  • Induktionsherde: Ein Sicherheitsabstand von 25 cm zwischen Implantat und Kochfeld wird empfohlen. Nicht über die Töpfe lehnen!
  • Körperfettwaagen: Schrittmacherpatienten ohne Eigenrhythmus und ICD-Träger sollten vorerst auf Bioimpedanzmessungen verzichten.

Management und Troubleshooting

Tritt der Verdacht auf eine EMI auf, sollte die Störquelle identifiziert und gemieden werden. Bei der Programmierung und Nachsorge gelten folgende Grundsätze:

StörreaktionEmpfohlene Maßnahme
Allgemeine EMISystemintegrität prüfen, Abstand zur Quelle wahren, ggf. Telemedizin anbinden
RA-OversensingBipolare Wahrnehmung programmieren, RA-Wahrnehmungsschwelle anheben
RV-Oversensing (Inhibition)Bipolare Wahrnehmung programmieren, RV-Wahrnehmungsschwelle anheben
Inadäquate VT/VF-ErkennungDetektionskriterien prüfen, Zähler anheben, ICD-Test erwägen
Power-on-resetStrikte Meidung der Quelle, technischen Service des Herstellers involvieren

Arbeitsmedizinische Aspekte

Im beruflichen Umfeld (z. B. Industrieanlagen, Elektroschweißen) können deutlich stärkere Felder auftreten. Hier ist eine individuelle Gefährdungsbeurteilung nach der Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (EMFV) vorgeschrieben.

Expositionsbereiche müssen gekennzeichnet werden. Durch technische Maßnahmen, Abstand oder eine Anpassung der Implantat-Programmierung (z. B. unempfindlichere Wahrnehmung, bipolare Konfiguration) kann oft eine sichere Wiedereingliederung an den Arbeitsplatz erreicht werden.

💡Praxis-Tipp

Programmieren Sie die Wahrnehmungskonfiguration nach Möglichkeit immer auf bipolar, da unipolare Systeme deutlich anfälliger für elektromagnetische Interferenzen sind. Raten Sie Patienten zudem, Diebstahlsicherungen in Kaufhäusern zügig zu durchschreiten.

Häufig gestellte Fragen

Ja, das Fahren in Elektroautos und Hybridfahrzeugen stellt laut aktueller Datenlage keine Gefährdung hinsichtlich elektromagnetischer Interferenzen dar.
Es wird ein Sicherheitsabstand von mindestens 25 cm zwischen dem Implantat und dem Induktionskochfeld empfohlen. Patienten sollten sich nicht direkt über die Kochplatte lehnen.
Nein. Sie verfügen zwar über einen speziellen Modus für MRT-Untersuchungen, sind aber gegenüber alltäglichen Störquellen (z. B. 50-Hz-Felder) nicht besser geschützt als Standardaggregate.
Torbogenmetalldetektoren und handbetriebene Metalldetektoren können von Schrittmacher- und ICD-Trägern ohne Einschränkungen bestimmungsgemäß genutzt werden.
Obwohl das Risiko gering ist, sollten Schrittmacherpatienten ohne suffizienten Eigenrhythmus sowie ICD-Träger vorerst von der Verwendung absehen, da hierzu noch unzureichende Daten vorliegen.

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