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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Schlaganfall bei Herzkatheter: Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Periinterventionelle Schlaganfälle sind selten (<0,5 %), aber mit hoher Morbidität und Letalität assoziiert.
  • Ursachen sind meist thrombembolisch (Aorten-Debris, Thromben) oder seltener hämodynamisch bzw. durch Luftembolien bedingt.
  • Ein sofortiges interdisziplinäres Management (Kardiologie, Neurologie, Neuroradiologie) ist essenziell.
  • Bei Gefäßverschluss auf dem Kathetertisch ist die intraarterielle Thrombolyse (ggf. mit mechanischer Rekanalisation) die Therapie der Wahl.
  • Das Zeitfenster beträgt 4,5 Stunden für die systemische und 6 Stunden für die intraarterielle Thrombolyse.
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Hintergrund

Zerebrovaskuläre Komplikationen bei Herzkatheteruntersuchungen sind selten, gehen jedoch mit einer hohen Morbidität und Letalität einher. Die Häufigkeit eines peri- oder postinterventionellen Schlaganfalls liegt bei perkutanen Koronarinterventionen (PCI) laut Registern bei ca. 0,18 bis 0,44 %. Bei Vorhofflimmer-Ablationen treten zerebrovaskuläre Komplikationen in 0,5 bis 1,1 % der Fälle auf.

Ursachen

  • Thrombembolisch: Häufigste Ursache. Losgelöste Partikel von Aortenbogenplaques oder thrombotisches Material am Katheter.
  • Hämodynamisch: Durch passageren Blutdruckabfall (z. B. akutes Pumpversagen, Arrhythmien), meist bei vorbestehenden extrakraniellen Stenosen.
  • Luftembolien: Eintritt von Luft ins System (z. B. über transseptale Schleuse). Führt zu passagerer Myokardischämie oder zerebralen Symptomen.
  • Intrazerebrale Blutungen: Machen 16–46 % der zerebrovaskulären Komplikationen aus und müssen vor einer Thrombolyse zwingend ausgeschlossen werden.

Prädiktoren für einen Schlaganfall bei PCI

Je höher das vaskuläre Risiko, desto größer die Gefahr einer Komplikation.

RisikofaktorOdds Ratio (OR)
rtPA-Gabe4,7
Kreatinin-Clearance ≤40 ml/min3,1
Notfall-PCI2,7
Früherer Schlaganfall / TIA2,3
Notfallballonpumpe2,2
i.v.-Heparin vor PCI1,9
Arterielle Hypertonie1,9
Diabetes mellitus1,8

Prävention: Antithrombotische Therapie

Zur Prävention thrombembolischer Ereignisse werden spezifische antithrombotische Regime eingesetzt, die bei einer späteren Schlaganfallbehandlung das Blutungsrisiko beeinflussen.

EingriffTherapie-EmpfehlungBemerkung
Diagnostische KoronarangiographieUFH in Spüllösung (1000 IE/l)Systemisches UFH (30–50 IE/kg) bei Zugang über A. radialis/brachialis oder Dauer >45 min
PCIUFH-Bolus 70–100 IE/kgZiel-ACT: 250–350 s (200–250 s bei GP-IIb/IIIa-Antagonisten)
Vorhofflimmer-AblationUFH 100 IE/kg nach transseptaler PunktionZiel-ACT: >250 s. Überlappender Neustart der Antikoagulation nach 4–6 h

Achtung: Bei Patienten, die Prasugrel erhalten haben, ist die Indikation zur Thrombolyse aufgrund einer Zunahme schwerer Blutungen strenger zu stellen.

Diagnostik

Bei einem akuten neurologischen Defizit müssen metabolische Ursachen (z. B. Hypoglykämie) ausgeschlossen werden. Eine sofortige neurologische Untersuchung (inkl. NIHSS-Score) ist zwingend.

  • Periinterventionell (auf dem Kathetertisch): Sofortige zerebrale Angiographie anstreben. Bei Bestätigung eines Gefäßabbruchs kann eine lokale Thrombolyse erfolgen. Im Zweifel CCT zum Blutungsausschluss.
  • Postinterventionell (außerhalb des Labors): Umgehende Bildgebung mittels Schlaganfall-MRT (bevorzugt, inkl. DWI/PI) oder CCT/CTA/CTP zum Ausschluss einer Blutung und Nachweis eines Mismatch.

Therapie

Die Therapieentscheidung muss interdisziplinär und individuell unter Berücksichtigung der antithrombotischen Vormedikation getroffen werden.

TherapieoptionZeitfensterIndikation / Bemerkung
Intraarterielle (i.a.) Thrombolyse< 6 StundenBevorzugt bei angiographisch bestätigtem Gefäßverschluss. Geringere rtPA-Dosis nötig (z. B. initial 20 mg).
Mechanische RekanalisationAkutIn Kombination mit i.a. Lyse oder bei deren Versagen (Clot-Retriever, Aspiration etc.).
Systemische (i.v.) Thrombolyse< 4,5 StundenWenn i.a. Lyse nicht möglich und keine Kontraindikationen bestehen. Erfolgschancen geringer als bei i.a. Lyse.

💡Praxis-Tipp

Belassen Sie bei einem Schlaganfall auf dem Kathetertisch die arteriellen und venösen Schleusen für eine eventuelle lokale Lysetherapie und ziehen Sie unverzüglich einen Neurologen hinzu.

Häufig gestellte Fragen

Die Häufigkeit eines Schlaganfalls bei einer perkutanen Koronarintervention (PCI) ist gering und liegt laut Registern zwischen 0,18 und 0,44 %.
Die meisten Ischämien sind thrombembolischer Genese, verursacht durch losgelöste Partikel von Aortenbogenplaques oder thrombotisches Material am Katheter.
Klinisch sind sie oft nicht zu unterscheiden. Beweisend ist der Nachweis typischer Luftblasen im CCT. Die Therapie besteht aus Sauerstoffgabe und Spülung des Gefäßes.
Für die systemische (intravenöse) Thrombolyse gilt ein Zeitfenster von 4,5 Stunden, für die intraarterielle Thrombolyse ein Zeitfenster von 6 Stunden.

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