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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Myokardrevaskularisation: Leitlinie 2018 (DGK/ESC)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Wahl zwischen PCI und CABG basiert auf der anatomischen Komplexität (SYNTAX-Score), Begleiterkrankungen wie Diabetes und der Erreichbarkeit einer vollständigen Revaskularisation.
  • Bei NSTE-ACS richtet sich der Zeitpunkt der invasiven Diagnostik nach dem Risikoprofil (sofort <2h, früh <24h oder <72h).
  • Bei STEMI ist die primäre PCI der Fibrinolyse vorzuziehen; eine routinemäßige Thrombusaspiration wird nicht empfohlen.
  • Im kardiogenen Schock wird die routinemäßige Revaskularisation von Nicht-Infarktgefäßen (non-IRA) während der primären PCI nicht empfohlen.
  • Für die koronare Bypass-Operation (CABG) wird die Arteria thoracica interna (IMA) als Graft für den R. interventricularis anterior (LAD) empfohlen.
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Hintergrund

Die Myokardrevaskularisation dient der Linderung von Ischämiesymptomen und der Verbesserung der Prognose. Die Leitlinie der ESC/EACTS (übernommen von der DGK) definiert evidenzbasierte Kriterien für die Wahl zwischen perkutaner Koronarintervention (PCI) und koronarer Bypass-Operation (CABG). Eine multidisziplinäre Entscheidungsfindung im Herz-Team ist dabei essenziell.

Diagnostik und Läsionsbeurteilung

Vor einer Revaskularisation muss eine Ischämie oder die hämodynamische Relevanz einer Stenose dokumentiert sein.

  • FFR/iwFR: Bei fehlendem Ischämienachweis wird die Messung zur Beurteilung der hämodynamischen Relevanz einer mittelschweren Stenose empfohlen (Empfehlungsgrad I).
  • IVUS: Sollte zur Bewertung ungeschützter Läsionen im linken Hauptstamm erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa).

Indikationen zur Revaskularisation bei stabiler KHK

Prognostische IndikationKriteriumEmpfehlungsgrad
Linker HauptstammStenose > 50 %I
Proximale LADStenose > 50 %I
2- oder 3-Gefäß-KHKStenose > 50 % und LVEF ≤ 35 %I
Großes Ischämieareal> 10 % des LV oder FFR < 0,75I

Entscheidungsfindung: PCI vs. CABG

Bei Patienten mit Hauptstamm- oder Mehrgefäßerkrankung wird die Berechnung des SYNTAX-Scores empfohlen (Empfehlungsgrad I). Die Vollständigkeit der Revaskularisation sollte bei der Abwägung Vorrang haben (Empfehlungsgrad IIa).

AnatomieCABGPCI
1-GE-KHK mit prox. LAD-StenoseII
Hauptstamm (SYNTAX 0-22)II
Hauptstamm (SYNTAX ≥ 33)IIII
3-GE-KHK ohne Diabetes (SYNTAX 0-22)II
3-GE-KHK ohne Diabetes (SYNTAX > 22)IIII
3-GE-KHK mit DiabetesIIIb (bei SYNTAX 0-22) / III (bei SYNTAX > 22)

Akutes Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTE-ACS)

Das Timing der invasiven Diagnostik richtet sich nach der initialen Risikostratifizierung:

RisikoZeitfensterKriterien (Beispiele)
Sehr hochSofort (< 2h)Hämodynamische Instabilität, kardiogener Schock, rezidivierender Schmerz, lebensbedrohliche Arrhythmien
HochFrüh (< 24h)NSTEMI-Diagnose, dynamische ST/T-Veränderungen, GRACE-Score > 140
MittelInvasiv (< 72h)Diabetes, Niereninsuffizienz, LVEF < 40 %, GRACE 109-140

ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI)

  • Eine Reperfusionstherapie ist bei Ischämiesymptomen < 12 Stunden indiziert (Empfehlungsgrad I).
  • Die primäre PCI ist der Fibrinolyse vorzuziehen (Empfehlungsgrad I).
  • Eine routinemäßige Thrombus-Aspiration wird nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III).

Kardiogener Schock und Herzinsuffizienz

Bei Patienten mit kardiogenem Schock als Komplikation eines ACS ist eine Notfall-Koronarangiographie indiziert (Empfehlungsgrad I).

  • Wichtig: Die routinemäßige Revaskularisation von Nicht-Infarktgefäßen (non-IRA) während der primären PCI wird bei kardiogenem Schock nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III).
  • Bei chronischer Herzinsuffizienz (LVEF ≤ 35 %) und Mehrgefäßerkrankung ist die CABG die Strategie der ersten Wahl (Empfehlungsgrad I).

Prozedurale Aspekte der CABG

  • Eine vollständige Myokardrevaskularisation wird empfohlen (Empfehlungsgrad I).
  • Die Arteria thoracica interna (IMA) ist als Graft für das LAD-System empfohlen (Empfehlungsgrad I).
  • Bei hochgradiger Koronararterienstenose wird die Verwendung der Radialarterie anstelle von Saphena-Venen empfohlen (Empfehlungsgrad I).

💡Praxis-Tipp

Berechnen Sie bei Patienten mit Hauptstamm- oder Mehrgefäßerkrankung stets den SYNTAX-Score, um im Herz-Team eine fundierte Entscheidung zwischen PCI und CABG treffen zu können. Verzichten Sie zudem im kardiogenen Schock auf die routinemäßige PCI von Nicht-Infarktgefäßen.

Häufig gestellte Fragen

Bei sehr hohem Risiko (z.B. hämodynamische Instabilität, kardiogener Schock, rezidivierender therapierefraktärer Thoraxschmerz oder lebensbedrohliche Arrhythmien) wird eine dringliche Koronarangiographie innerhalb von 2 Stunden empfohlen.
Die CABG ist bei 3-Gefäß-Erkrankung und Diabetes mellitus die Therapie der Wahl (Empfehlungsgrad I), unabhängig vom SYNTAX-Score. Eine PCI wird bei mittlerem oder hohem SYNTAX-Score (>22) nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III).
Nein, eine routinemäßige Thrombus-Aspiration wird laut Leitlinie nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III).
Die Arteria thoracica interna (IMA) wird als Graft für das LAD-System empfohlen. Bei hochgradigen Stenosen ist zudem die Radialarterie venösen Grafts (Saphena-Venen) vorzuziehen.

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