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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

NOAK-Begleitmedikation & TAVI-Update: DGK-Empfehlungen

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Modifizierbare Blutungsfaktoren bei NOAK-Therapie konsequent reduzieren.
  • NSAR und Thrombozytenfunktionshemmer auf das absolute Minimum beschränken.
  • Nach Stent-Implantation ist oft eine passagere Kombination aus NOAK und P2Y12-Inhibitor (ohne ASS) indiziert.
  • Starke P-Glykoprotein-Inhibitoren oder -Induktoren in Kombination mit NOAKs vermeiden.
  • Kontraindikationen für NOAKs: Mechanische Herzklappen, Antiphospholipidsyndrom und Dialyse.
  • TAVI zeigt in aktuellen Studien (PARTNER 3) eine Überlegenheit gegenüber dem chirurgischen Aortenklappenersatz.
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Hintergrund

Nicht-Vitamin-K-antagonistische orale Antikoagulanzien (NOAKs) wie Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban sind die First-Line-Therapie zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern und zur Sekundärprävention von tiefen Beinvenenthrombosen. Vor der Einleitung einer NOAK-Therapie müssen zwingend Interaktionen mit der bestehenden Medikation geprüft werden. Zudem ist die Reduktion modifizierbarer Blutungsfaktoren ein essenzieller Bestandteil der Therapie.

Antithrombotische Kombinationstherapie

Die Begleittherapie mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) und Thrombozytenfunktionshemmern soll auf das unbedingt Erforderliche reduziert werden.

IndikationEmpfohlene TherapieBemerkung
Stabile KHK / pAVKNOAK-MonotherapieSehr effektiv und sicherer als Kombinationstherapie.
Nach Herzinfarkt / StentNOAK + P2Y12-InhibitorPassagere Kombination für Wochen/Monate erforderlich (meist Clopidogrel). Auf ASS kann oft verzichtet werden (AUGUSTUS-Studie).
Nach BypassoperationKeine KombinationsbehandlungEine Kombination aus P2Y12-Inhibitor und NOAK ist hier nicht indiziert.
Nach TAVI / LAA-OkkluderIndividuellTherapieintensität und -dauer werden vom Spezialisten festgelegt.

Pharmakokinetische Interaktionen

NOAKs sind P-Glykoprotein-Substrate. Die gleichzeitige Einnahme von starken P-Glykoprotein-Inhibitoren (erhöhen die NOAK-Exposition bis zu 2,5-fach) oder -Induktoren (vermindern die Exposition um bis zu 50 %) sollte vermieden werden.

WirkstoffgruppeEdoxabanApixabanRivaroxabanDabigatran
HIV-Protease-InhibitorenNicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlen
Tyrosinkinase-Inhibitoren (z.B. Imatinib)Nicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlen
Carbamazepin, Phenytoin, JohanniskrautNicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlen
AzoleDosisreduktion (30 mg/Tag)Nicht empfohlenNicht empfohlenNicht empfohlen
VerapamilKombination möglichKombination möglichKombination möglichDosisreduktion (2x 110 mg/Tag)
AmiodaronKombination möglichKombination möglichKombination möglichKombination möglich
DronedaronDosisreduktion (30 mg/Tag)Kombination möglichKombination möglichNicht empfohlen
ClarithromycinDosisreduktion (30 mg/Tag)Kombination möglichNicht empfohlenNicht empfohlen

Kontraindikationen für NOAKs

Bei folgenden Patientengruppen dürfen NOAKs nicht eingesetzt werden:

  • Patienten mit mechanischen Herzklappen: Vermehrte thrombotische Ereignisse unter Dabigatran im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten.
  • Patienten mit Phospholipidantikörpersyndrom: Verminderte Wirksamkeit im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten.
  • Dialysepflichtige Patienten: Fehlende Daten zur Wirksamkeit (kontrollierte Studien laufen).

Update: TAVI bei Aortenklappenstenose

Aktuelle Daten der PARTNER 3-Studie zeigen eine deutliche Überlegenheit des minimalinvasiven, kathetergestützten Aortenklappenersatzes (TAVI) gegenüber dem chirurgischen Verfahren.

  • Ergebnisse (12 Monate): 15,1 % der chirurgisch behandelten Patienten verstarben, erlitten einen Schlaganfall oder wurden rehospitalisiert. Bei der TAVI waren es lediglich 8,5 %.
  • Haltbarkeit: In den ersten 7 Jahren nach Implantation gibt es keine Anzeichen für Degenerationen bei TAVI-Klappen.
  • Fazit der DGK: TAVI sollte zum neuen Goldstandard in der Therapie der Aortenklappenstenose werden. Die Therapieentscheidung muss interdisziplinär im Heartteam getroffen werden.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie nach einer Stent-Implantation bei Patienten unter NOAK-Therapie häufig auf ASS (Triple-Therapie) und setzen Sie stattdessen auf eine duale Therapie mit einem NOAK und einem P2Y12-Inhibitor (z.B. Clopidogrel).

Häufig gestellte Fragen

Nein, bei mechanischen Herzklappen sind NOAKs kontraindiziert, da es im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten zu vermehrten thrombotischen Ereignissen kommt.
Empfohlen wird eine passagere Kombination aus einem NOAK und einem P2Y12-Inhibitor (meist Clopidogrel) für einige Wochen bis Monate. Auf ASS kann in vielen Fällen verzichtet werden.
Starke P-Glykoprotein-Induktoren (wie Carbamazepin, Phenytoin oder Johanniskraut) können die NOAK-Exposition um bis zu 50 % vermindern und sollten daher vermieden werden.
Ja, laut der PARTNER 3-Studie zeigt die TAVI nach 12 Monaten signifikant weniger Todesfälle, Schlaganfälle und Rehospitalisierungen (8,5 %) im Vergleich zur Chirurgie (15,1 %).

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