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Synkope bei Kindern: S2k-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Basisdiagnostik besteht zwingend aus strukturierter Anamnese, klinischer Untersuchung mit Blutdruckmessung und 12-Kanal-Ruhe-EKG.
  • Synkopen vor dem 10. Lebensjahr sind selten und erfordern den Ausschluss kardiogener Ursachen (Ausnahme: Affektkrämpfe).
  • Warnhinweise ('Red Flags') wie fehlende Prodromi, Auftreten unter Belastung oder im Liegen deuten auf eine lebensbedrohliche kardiogene Synkope hin.
  • Ein zerebrales MRT, CT oder EEG ist nach einer isolierten, unkomplizierten Synkope nicht indiziert.
  • Die Therapie von Reflexsynkopen basiert primär auf Aufklärung, Vermeidung von Triggern und dem Training von isometrischen Akutmaßnahmen.
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Hintergrund

Eine Synkope ist definiert als ein vorübergehender Bewusstseinsverlust infolge einer globalen transienten zerebralen Hypoperfusion. Klinisch ist sie durch ein rasches Einsetzen, den Verlust des Muskeltonus, eine kurze Dauer und eine spontane, vollständige Erholung charakterisiert. Vor dem 10. Lebensjahr sind Synkopen selten (Ausnahme: Affektkrämpfe). Die Prävalenz steigt danach an und erreicht ihr Maximum bei etwa 21 Jahren.

Klassifikation

Synkopen im Kindes- und Jugendalter werden pathophysiologisch in drei Hauptgruppen unterteilt:

KlassifikationSubtypen / BeispieleBemerkung
1. ReflexsynkopenAffektkrämpfe (blau/blass), vagovasal, kardioinhibitorisch, POTSHäufigste Ursache im Jugendalter. Typisches Alter: 10-21 Jahre (Affektkrämpfe: 6 Mon.-5 Jahre).
2. Orthostatische SynkopenInfolge orthostatischer HypotonieAbzugrenzen von der häufigeren vasodepressorischen Reflexsynkope.
3. Kardiogene SynkopenArrhythmien, strukturelle/funktionelle HerzerkrankungenPotenziell lebensbedrohlich. Erfordert zwingend kardiologische Abklärung.

Diagnostik

Die initiale Abklärung zielt darauf ab, benigne von kardiogenen Synkopen zu unterscheiden. Die Soll-Empfehlung umfasst die klinische Basisdiagnostik in drei Säulen:

  1. Strukturierte Anamnese (Patienten-, Familien-, Medikamentenanamnese, Synkopensituation)
  2. Klinische Untersuchung inklusive Erhebung der Vitalparameter und Ruheblutdruckmessung
  3. 12-Kanal-Ruhe-EKG

Warnhinweise ("Red Flags") für kardiogene Synkopen

Das Vorliegen folgender Kriterien erfordert eine sofortige Überwachung und erweiterte Abklärung:

Kategorie"Red Flags" (Warnhinweise)
Alter< 10 Jahre (Ausnahme: typischer Affektkrampf)
TriggerSchreck (Wecker, Telefon), lautes Geräusch, Kontakt mit kaltem Wasser
SymptomatikKeine Prodromi, plötzlich aufgetretene Palpitationen, Brustschmerzen, Atemnot
SituationWährend körperlicher Belastung (inkl. Schwimmen), im Liegen oder Sitzen
FamilienanamneseUngeklärter/plötzlicher Tod vor dem 40. Lebensjahr, Kardiomyopathien, Rhythmusstörungen
EKG-BefundeQRS >120ms, AV-Block, verlängerte/verkürzte QTc-Zeit, Brugada-Zeichen, WPW-Syndrom

Weiterführende apparative Diagnostik

Ergibt die Basisdiagnostik eine sichere benigne Ursache, soll auf weitere Diagnostik verzichtet werden.

  • Echokardiographie / Langzeit-EKG: Nur bei Verdacht auf kardiogene Ursachen.
  • Kipptischuntersuchung: Nur in seltenen Fällen mit hohem Leidensdruck (ab ca. 10 Jahren).
  • EEG: Nur bei Hinweisen auf einen epileptischen Anfall.
  • Zerebrales MRT/CT: Nach einer isolierten Synkope nicht empfohlen.

Differenzialdiagnosen

Die Abgrenzung zu anderen Ursachen eines Bewusstseinsverlustes ist essenziell:

ErkrankungUnterscheidungsmerkmale zur Synkope
Epileptischer AnfallMotorische Symptome zu Beginn, Auren, lateraler Zungenbiss, längere Reorientierungsphase, Nachschlaf.
Psychogene PseudosynkopeAktives Zukneifen der Augen, normale Gesichtsfarbe, lange Dauer (>2 Min.), keine Prodromi.
Metabolisch / ToxischAnhaltende Bewusstseinseinschränkung, Hypoglykämie, Intoxikationszeichen.

Therapie und Management

Eine kausale Therapie von Reflex- und orthostatischen Synkopen ist meist nicht möglich. Die Prognose ist exzellent.

  • Allgemeine Maßnahmen: Beruhigende Aufklärung, Vermeidung von Triggern, Erkennen von Prodromi.
  • Akutmaßnahmen ("Retten"): Sofortiges Hinsetzen/Hinlegen, Aktivierung der Muskelpumpe (isometrischer Händezug, Beine überkreuzen).
  • Vorbeugung: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Ausdauersport, Verzicht auf große kalorienreiche Mahlzeiten.
  • Medikamentöse Therapie: Sollte nicht routinemäßig erfolgen. Betablocker sind nicht empfohlen (unwirksam). Fludrocortison oder Midodrin können in schweren Ausnahmefällen zeitlich limitiert erwogen werden.
  • Herzschrittmacher: Nur in extremen Ausnahmefällen bei nachgewiesenen, langen Asystolien (kardioinhibitorisch).

💡Praxis-Tipp

Achten Sie bei der Anamnese gezielt auf 'Red Flags' wie Synkopen während körperlicher Belastung oder im Liegen. Zeigen Sie Patienten mit Reflexsynkopen aktiv isometrische Gegenmanöver (z.B. Beine überkreuzen, Hände verhaken), damit diese in der Prodromalphase selbstständig reagieren können.

Häufig gestellte Fragen

Die Basisdiagnostik umfasst zwingend eine strukturierte Anamnese, eine klinische Untersuchung inklusive Ruheblutdruckmessung sowie ein 12-Kanal-Ruhe-EKG.
Ein EEG ist nur bei konkretem Verdacht auf einen epileptischen Anfall indiziert. Ein zerebrales MRT oder CT ist nach einer isolierten Synkope nicht empfohlen.
Eine medikamentöse Therapie ist nur in absoluten Ausnahmefällen indiziert. Betablocker sind unwirksam und nicht empfohlen. Fludrocortison oder Midodrin können im Einzelfall bei schweren Verläufen zeitlich limitiert erwogen werden.
Warnsignale sind ein Alter unter 10 Jahren, fehlende Prodromi, Auftreten bei Belastung oder im Liegen, plötzliche Palpitationen sowie ein plötzlicher Herztod in der Familienanamnese.

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