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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Elektrokauter bei Schrittmacher & ICD: DGK-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bipolare Elektrokauter sind bei Patienten mit Schrittmacher oder ICD grundsätzlich unipolarer Technik vorzuziehen.
  • Ein Mindestabstand von 15 cm zwischen Elektrokauter und implantiertem Aggregat ist zwingend einzuhalten.
  • Bei ICD-Patienten muss die Tachykardietherapie perioperativ deaktiviert und postoperativ wieder reaktiviert werden.
  • Der Kauter sollte nur mit kurzen Bursts (<1 s) und Pausen von 5-10 s eingesetzt werden.
  • Eine prä- und postoperative Aggregatkontrolle ist bei thorakalen Eingriffen oder länger zurückliegenden Kontrollen obligatorisch.
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Hintergrund

Der Einsatz von Elektrokautern bei Patienten mit Herzschrittmachern oder implantierten Defibrillatoren (ICD) birgt das Risiko vielfältiger Störbeeinflussungen durch Hochfrequenzstrom. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfiehlt daher, den Einsatz in jedem Fall kritisch zu hinterfragen. Grundsätzlich gilt: Bipolare Kauter sind zu bevorzugen, da der Stromfluss lokal begrenzt bleibt und das Risiko für das Implantat deutlich sinkt.

Mögliche Störbeeinflussungen

Der Hochfrequenzstrom kann über die implantierten Elektroden abfließen und thermische Läsionen am Myokard oder Aggregatdefekte verursachen.

Art der StörungMögliche klinische Folgen
Rhythmus- und FrequenzstörungenInhibierung der Stimulation, asynchrone Stimulation, abnorme Frequenzanstiege (durch Sensoren)
ICD-spezifische StörungenInadäquate Tachykardiedetektion, inadäquate Schockabgabe, Inhibierung adäquater Therapien
Aggregat- und SondenproblemeUmprogrammierung/Reset, Reizschwellenanstieg, Aggregatdefekte, Aktivierung des End-of-life-Indikators

Präoperatives Management

Vor dem Eingriff muss der aktuelle Status des Systems (Modell, Indikation, Eigenrhythmus) bekannt sein. Eine präoperative Kontrolle ist zwingend erforderlich bei thorakalen Eingriffen in Aggregatnähe oder wenn die letzte Kontrolle >12 Monate (bzw. >6 Monate bei >5 Jahre alten Geräten) zurückliegt.

MaßnahmeSchrittmacherICD
SensorenDeaktivierung frequenzadaptiver Sensoren (z.B. Atemminutenvolumen)Wie Schrittmacher
StimulationsmodusBei Schrittmacherabhängigkeit: Umprogrammierung auf D00/A00/V00Wie Schrittmacher
TachykardietherapieNicht zutreffendZwingende Deaktivierung der Tachykardiedetektion/-therapie
WahrnehmungUmprogrammierung auf bipolare Wahrnehmung (falls möglich)Wie Schrittmacher

Hinweis zur Magnetauflage: Ein Magnet kann Schrittmacher in einen festfrequenten Modus schalten und bei einigen ICDs die Tachykardietherapie temporär aussetzen. Das Verhalten variiert jedoch je nach Hersteller und kann teilweise den Telemetriekanal öffnen, was das Aggregat technisch störanfälliger macht.

Intraoperative Maßnahmen

Während der Operation ist eine kontinuierliche Patientenüberwachung essenziell, da das EKG durch den Kauter oft gestört wird. Bei ICD-Patienten muss eine externe Defibrillationsbereitschaft bestehen.

  • Gerätewahl: Bevorzugt bipolare Kauter verwenden.
  • Abstand: Mindestens 15 cm zwischen Kauter und Aggregat einhalten.
  • Energie & Dauer: Niedrigste Energie wählen; Kauter nur mit kurzen Bursts (<1 s) und Pausen von 5–10 s einsetzen.
  • Strompfad (Unipolar): Neutralelektrode so platzieren, dass der Strompfad vom Aggregat wegführt (nah ans OP-Feld, weit weg vom Aggregat).
  • Kontaktvermeidung: Kein direkter Kontakt zwischen aktiver Elektrode und Aggregat.

Postoperatives Management

Eine postoperative Kontrolle ist vor Entlassung obligatorisch. Bei Kautereinsatz am Thorax, intraoperativen Interferenzen oder präoperativer Umprogrammierung muss diese so bald wie möglich erfolgen.

  • Bestimmung von Reiz- und Wahrnehmungsschwellen sowie Stromverbrauch.
  • Vergleich mit präoperativen Messwerten.
  • Zwingend: Reaktivierung der präoperativ deaktivierten Funktionen (insbesondere ICD-Tachykardietherapien!).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie intraoperativ zwingend die Pulsoxymetrie oder eine arterielle Druckmessung zur Rhythmusüberwachung, da das Oberflächen-EKG durch den Elektrokauter massiv gestört wird. Vergessen Sie keinesfalls die postoperative Reaktivierung der ICD-Tachykardietherapie!

Häufig gestellte Fragen

Bipolare Elektrokauter sind zu bevorzugen, da der Stromfluss lokal zwischen den beiden Polen des Instruments stattfindet und das Risiko für Störbeeinflussungen deutlich geringer ist.
Es sollte ein Mindestabstand von 15 cm zwischen dem Elektrokauter und dem implantierten Aggregat (Schrittmacher oder ICD) eingehalten werden.
Ja, die Tachykardiedetektion und -therapie muss perioperativ deaktiviert werden, um inadäquate Schockabgaben durch Kauter-Interferenzen zu vermeiden. In dieser Zeit ist eine externe Defibrillationsbereitschaft nötig.
Die Neutralelektrode muss so nah wie möglich am Operationsfeld und so weit wie möglich vom Aggregat entfernt platziert werden, damit der Strompfad nicht durch das implantierte System führt.
Eine Magnetauflage kann die antitachykarde Therapie temporär deaktivieren, das Verhalten ist jedoch herstellerabhängig. Bei einigen Geräten öffnet sich der Telemetriekanal, was das Aggregat störanfälliger macht. Eine Umprogrammierung ist sicherer.

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