Elektrokauter bei Schrittmacher & ICD: DGK-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Bipolare Elektrokauter sind bei Patienten mit Schrittmacher oder ICD grundsätzlich unipolarer Technik vorzuziehen.
- •Ein Mindestabstand von 15 cm zwischen Elektrokauter und implantiertem Aggregat ist zwingend einzuhalten.
- •Bei ICD-Patienten muss die Tachykardietherapie perioperativ deaktiviert und postoperativ wieder reaktiviert werden.
- •Der Kauter sollte nur mit kurzen Bursts (<1 s) und Pausen von 5-10 s eingesetzt werden.
- •Eine prä- und postoperative Aggregatkontrolle ist bei thorakalen Eingriffen oder länger zurückliegenden Kontrollen obligatorisch.
Hintergrund
Der Einsatz von Elektrokautern bei Patienten mit Herzschrittmachern oder implantierten Defibrillatoren (ICD) birgt das Risiko vielfältiger Störbeeinflussungen durch Hochfrequenzstrom. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) empfiehlt daher, den Einsatz in jedem Fall kritisch zu hinterfragen. Grundsätzlich gilt: Bipolare Kauter sind zu bevorzugen, da der Stromfluss lokal begrenzt bleibt und das Risiko für das Implantat deutlich sinkt.
Mögliche Störbeeinflussungen
Der Hochfrequenzstrom kann über die implantierten Elektroden abfließen und thermische Läsionen am Myokard oder Aggregatdefekte verursachen.
| Art der Störung | Mögliche klinische Folgen |
|---|---|
| Rhythmus- und Frequenzstörungen | Inhibierung der Stimulation, asynchrone Stimulation, abnorme Frequenzanstiege (durch Sensoren) |
| ICD-spezifische Störungen | Inadäquate Tachykardiedetektion, inadäquate Schockabgabe, Inhibierung adäquater Therapien |
| Aggregat- und Sondenprobleme | Umprogrammierung/Reset, Reizschwellenanstieg, Aggregatdefekte, Aktivierung des End-of-life-Indikators |
Präoperatives Management
Vor dem Eingriff muss der aktuelle Status des Systems (Modell, Indikation, Eigenrhythmus) bekannt sein. Eine präoperative Kontrolle ist zwingend erforderlich bei thorakalen Eingriffen in Aggregatnähe oder wenn die letzte Kontrolle >12 Monate (bzw. >6 Monate bei >5 Jahre alten Geräten) zurückliegt.
| Maßnahme | Schrittmacher | ICD |
|---|---|---|
| Sensoren | Deaktivierung frequenzadaptiver Sensoren (z.B. Atemminutenvolumen) | Wie Schrittmacher |
| Stimulationsmodus | Bei Schrittmacherabhängigkeit: Umprogrammierung auf D00/A00/V00 | Wie Schrittmacher |
| Tachykardietherapie | Nicht zutreffend | Zwingende Deaktivierung der Tachykardiedetektion/-therapie |
| Wahrnehmung | Umprogrammierung auf bipolare Wahrnehmung (falls möglich) | Wie Schrittmacher |
Hinweis zur Magnetauflage: Ein Magnet kann Schrittmacher in einen festfrequenten Modus schalten und bei einigen ICDs die Tachykardietherapie temporär aussetzen. Das Verhalten variiert jedoch je nach Hersteller und kann teilweise den Telemetriekanal öffnen, was das Aggregat technisch störanfälliger macht.
Intraoperative Maßnahmen
Während der Operation ist eine kontinuierliche Patientenüberwachung essenziell, da das EKG durch den Kauter oft gestört wird. Bei ICD-Patienten muss eine externe Defibrillationsbereitschaft bestehen.
- Gerätewahl: Bevorzugt bipolare Kauter verwenden.
- Abstand: Mindestens 15 cm zwischen Kauter und Aggregat einhalten.
- Energie & Dauer: Niedrigste Energie wählen; Kauter nur mit kurzen Bursts (<1 s) und Pausen von 5–10 s einsetzen.
- Strompfad (Unipolar): Neutralelektrode so platzieren, dass der Strompfad vom Aggregat wegführt (nah ans OP-Feld, weit weg vom Aggregat).
- Kontaktvermeidung: Kein direkter Kontakt zwischen aktiver Elektrode und Aggregat.
Postoperatives Management
Eine postoperative Kontrolle ist vor Entlassung obligatorisch. Bei Kautereinsatz am Thorax, intraoperativen Interferenzen oder präoperativer Umprogrammierung muss diese so bald wie möglich erfolgen.
- Bestimmung von Reiz- und Wahrnehmungsschwellen sowie Stromverbrauch.
- Vergleich mit präoperativen Messwerten.
- Zwingend: Reaktivierung der präoperativ deaktivierten Funktionen (insbesondere ICD-Tachykardietherapien!).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie intraoperativ zwingend die Pulsoxymetrie oder eine arterielle Druckmessung zur Rhythmusüberwachung, da das Oberflächen-EKG durch den Elektrokauter massiv gestört wird. Vergessen Sie keinesfalls die postoperative Reaktivierung der ICD-Tachykardietherapie!