Externe Kardioversion bei Schrittmacher: DGK-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Eine externe Kardioversion ist bei modernen Schrittmacher- und ICD-Systemen sicher durchführbar, erfordert aber strikte Vorsichtsmaßnahmen.
- •Die Schock-Paddles müssen in anterior-posteriorer Position mit mindestens 8 cm Abstand zum implantierten Aggregat platziert werden.
- •Biphasische Schocks mit aufsteigender Energie sind monophasischen Schocks vorzuziehen.
- •Vor und nach der Kardioversion ist eine vollständige Systemabfrage zwingend erforderlich.
- •Ein Programmiergerät muss während der gesamten Prozedur eingeschaltet am Patientenbett bereitstehen.
Hintergrund
Die externe Kardioversion ist ein effektives Verfahren zur Terminierung von Vorhofflimmern. Bei Patienten mit implantiertem Herzschrittmacher, ICD oder kardialem Resynchronisationssystem (CRT) bestand in der Vergangenheit die Sorge vor passageren oder permanenten Schädigungen von Aggregat oder Elektroden. Neuere Daten zeigen jedoch, dass die externe Kardioversion bei modernen Systemen sicher durchgeführt werden kann, wenn spezifische Vorsichtsmaßnahmen (überwiegend Evidenzgrad C, Expertenkonsens) eingehalten werden.
Mögliche Komplikationen
Durch hohe Energie in unmittelbarer Nähe des Aggregats kann es zu einer Überlastung der Schutzdiode und thermischen Schäden (Antenneneffekt) kommen.
| Kategorie | Mögliche Komplikationen |
|---|---|
| Technisch | Irreversible Schädigung, permanenter/vorübergehender Exitblock, Reizschwellenanstieg, Wahrnehmungsverlust (VOO/DOO), Batterieerschöpfung, Umprogrammierung, Störmodus (Power-on-reset) |
| Klinisch | Induktion von Kammerflimmern, Asystolie, Myokardnekrosen, Läsionen um die Elektrodenspitze |
Maßnahmen zur sicheren Kardioversion
Um das Risiko für Patient und Implantat zu minimieren, empfiehlt die DGK ein strukturiertes Vorgehen in drei Phasen:
| Phase | Maßnahme | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Vorher | Abfrage des Systems (Impedanzen, Batterie, Reizschwellen) | C |
| Vorher | Umprogrammierung der Stimulationsamplitude (≥2,5 V/0,4 ms bzw. ≥2-fache Reizschwelle; bei Schrittmacherabhängigkeit auf 4-fache Reizschwelle) | B |
| Vorher | Bei CRT-D/ICD: Zunächst interner Kardioversionsversuch über das System | C |
| Während | Programmiergerät angeschaltet am Bett lassen. Keine Abfrageköpfe mit Magnet auf dem Aggregat platzieren! | C |
| Während | Anterior-posteriore Paddle-Orientierung, Abstand zum Aggregat >8 cm | B |
| Während | Biphasische Schocks (100 J, 150 J, 200 J) bevorzugen. ≥2 min Wartezeit zwischen Schocks | C |
| Nachher | Unmittelbare Systemabfrage (Ausschluss Power-on-reset, Kontrolle von Batterie/Impedanz/Reizschwelle) | C |
| Nachher | Monitoring (EKG, Pulsoximetrie) für ≥1 Stunde | C |
| Nachher | Erneute Systemabfrage vor Entlassung sowie nach ca. 1 Woche | C |
Besonderheiten bei der Schockabgabe
- Elektrodenposition: Eine sternal-apikale Orientierung ist strikt zu vermeiden, da das elektrische Feld an der Spitze der Ventrikelelektrode hier die größte Antennenwirkung erzeugt und das Risiko für Myokardnekrosen maximiert.
- Wartezeit: Die Pause von mindestens 2 Minuten zwischen den Schocks ist essenziell, um eine Überhitzung der Elektroden und eine Überlastung der Zener-Dioden zu verhindern.
- Vorhofflattern: Hier sollte zunächst ein Versuch mit niedriger Energie (z. B. 50 J) oder eine Überstimulation über das Programmiergerät erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Lassen Sie das Programmiergerät während der gesamten Prozedur mit geöffneter Anwendung am Patientenbett stehen. Legen Sie den Magnetkopf während des Schocks niemals auf das Aggregat, um eine asynchrone Stimulation und erhöhte Störanfälligkeit zu vermeiden.