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Myokarditis bei Kindern: Leitlinie (AWMF/DGPK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die häufigste Ursache im Kindesalter sind virale Infektionen (z.B. Enteroviren, Parvovirus B19) sowie PIMS nach einer SARS-CoV-2-Infektion.
  • Die Endomyokardbiopsie (EMB) ist der Goldstandard und bei persistierender Herzinsuffizienz über 14 Tage oder hämodynamischer Instabilität indiziert.
  • Die serologische Bestimmung von Antikörpern ist obsolet; stattdessen wird ein direkter Virusgenomnachweis (PCR) empfohlen.
  • Bei eingeschränkter Pumpfunktion wird eine intravenöse Immunglobulingabe (IVIG) empfohlen.
  • Kortikosteroide sind bei akuter Virusmyokarditis kontraindiziert und nur bei virusnegativer Myokarditis indiziert.
  • Eine strikte Sportkarenz (Freizeit- und Leistungssport) für 3 bis 6 Monate ist zwingend erforderlich.
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Hintergrund

Unter einer Myokarditis versteht man eine Schädigung von Kardiomyozyten durch Nekrosen und/oder eine Degeneration von Myozyten sowie eine Infiltration des Herzmuskels mit Entzündungszellen. Eine ischämische Ursache ist dabei ausdrücklich ausgeschlossen. Der klinische Verlauf ist heterogen und reicht von asymptomatischen Verläufen bis zum kardiogenen Schock.

ErregergruppeTypische Auslöser
Viral (häufigste Ursache)Enteroviren (Coxsackie, Echo), Parvovirus B19, Adenoviren, Herpesviren (EBV, CMV, HHV-6), SARS-CoV-2 (PIMS/MIS-C)
Nicht-viralBorrelia spp. (Lyme-Karditis), Mykoplasmen, Rickettsien, Pilze
Weitere UrsachenArzneimittel, Autoimmunerkrankungen, Kawasaki-Syndrom

Leitsymptome nach Alter

Das klinische Bild ist stark altersabhängig:

  • Säuglinge und Kleinkinder (< 2 Jahre): Oft unspezifische respiratorische oder gastrointestinale Symptome, Fieber, Apathie, Trinkschwäche, Tachypnoe, Zyanose. Häufig schwere Verläufe mit stark eingeschränkter Ventrikelfunktion.
  • Ältere Kinder und Jugendliche: Häufig 10-14 Tage nach einem Virusinfekt. Typisch sind Brustschmerzen (Angina pectoris), Dyspnoe, Arrhythmien und oft eine erhaltene Ventrikelfunktion.

Diagnostik

Die Diagnose erfordert eine Kombination aus Klinik, Bildgebung und Labor. Die Echokardiographie dient primär dem Nachweis einer systolischen/diastolischen Dysfunktion und dem Ausschluss anderer Ursachen.

Kardiale Magnetresonanztomographie (CMRT)

Das CMRT sollte bei klinischem Verdacht durchgeführt werden. Ein unauffälliges MRT schließt eine Myokarditis jedoch nicht aus.

KriteriumBefunde (Aktualisierte Lake Louise Kriterien 2018)
HauptkriterienMyokardiales Ödem (T2-Mapping), Nicht-ischämische myokardiale Schädigung (Abnormales T1, ECV oder LGE)
Supportive KriterienPerikarditis (Erguss), Systolische linksventrikuläre Dysfunktion

Endomyokardbiopsie (EMB)

Die EMB ist der Goldstandard zur ätiopathologischen Klärung. Zur Minimierung des "Sampling Errors" sollten 3-5 Biopsien entnommen werden.

  • Indikation: Persistenz einer eingeschränkten Herzfunktion über 2 Wochen trotz Therapie.
  • Frühere Indikation: Bei hämodynamischer Instabilität soll die Indikation früher gestellt werden.

Labordiagnostik

  • Biomarker: Troponin und NT-proBNP/BNP sind oft erhöht, aber nicht spezifisch.
  • Erregerdiagnostik: Ein direkter Virusgenomnachweis (PCR) aus Blut, Stuhl oder Urin soll angestrebt werden.
  • Nicht empfohlen: Die serologische Bestimmung von virusspezifischen Antikörpern ist nicht indiziert.

Therapie

Die Basistherapie besteht in der leitliniengerechten Behandlung der Herzinsuffizienz und Arrhythmien. Bei drohender Dekompensation ist die Implantation mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme (ECMO/VAD) indiziert.

TherapieansatzIndikationBemerkung
Körperliche SchonungKlinisch manifeste HerzinsuffizienzInitiale Bettruhe, Sportkarenz für 3-6 Monate
IVIG (Immunglobuline)Eingeschränkte Pumpfunktion / HerzinsuffizienzEmpfohlen: 1-2 g/kg KG über 48 h
Antivirale TherapieNachweis akuter Herpesvirusinfektion im MyokardGanciclovir oder Valganciclovir erwägen
ImmunsuppressionVirusnegative Myokarditis mit eingeschränkter PumpfunktionPrednisolon + Azathioprin. Kontraindiziert bei akuter Virusmyokarditis!

Nachsorge und Sportkarenz

Bei einer Myokarditis soll in der Phase mit aktiver Inflammation auf sportliche Aktivitäten verzichtet werden.

  • Sportkarenz: Verzicht auf Freizeit- und Leistungssport für 3 bis 6 Monate.
  • Verlaufskontrolle: Nach 3 Monaten mittels Echo, EKG, Langzeit-EKG und Labor (Troponin, BNP).
  • Sportfreigabe: Nur bei asymptomatischen Patienten mit unauffälliger Diagnostik (inkl. Belastungsuntersuchung). Bei ausgeprägtem LGE (>20%) im MRT wird von intensivem Sport abgeraten.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf die teure und wenig aussagekräftige Virus-Serologie (Antikörper). Streben Sie stattdessen bei Verdacht auf akute Myokarditis immer einen direkten Virusgenomnachweis (PCR) aus Blut, Stuhl oder Urin an.

Häufig gestellte Fragen

Bei unzureichendem Ansprechen auf die Herzinsuffizienztherapie nach 14 Tagen oder früher bei hämodynamischer Instabilität.
Nein, bei einer akuten Virusmyokarditis sind Steroide nicht indiziert, da sie die Virusreplikation fördern können. Sie kommen nur bei virusnegativer Myokarditis zum Einsatz.
Es wird eine strikte Sportkarenz (Freizeit- und Leistungssport) für 3 bis 6 Monate empfohlen. Die Freigabe erfordert eine unauffällige kardiologische Evaluation.
Das kardiale MRT kann im Akutstadium Gewebeveränderungen (Ödem, LGE) nachweisen und die Diagnose sichern. Ein unauffälliges MRT schließt eine Myokarditis jedoch nicht aus.

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