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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Qualitätskriterien kardiale CT: DGK-Positionspapier

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die CCTA dient bei stabiler KHK mit mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit als Gatekeeper zur Vermeidung unnötiger invasiver Diagnostik.
  • Ein kooperatives Heart-Team-Modell (Kardiologie und Radiologie) wird für Indikationsstellung, Durchführung und Befundung empfohlen.
  • Strenge technische Mindestanforderungen (z.B. ≥128 Zeilen, zeitliche Auflösung ≤175 ms) sind für eine ausreichende Bildqualität zwingend.
  • Die Befundung muss in eine eindeutige klinische Therapieempfehlung münden, um redundante Folgeuntersuchungen zu vermeiden.
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Hintergrund

Die kardiale Computertomographie (CT) und insbesondere die CT-Angiographie der Koronararterien (CCTA) bieten ein erhebliches Potenzial zur Optimierung der Patientenversorgung. Um eine hohe Patientensicherheit und Kosteneffizienz zu gewährleisten und eine unkontrollierte Leistungsausweitung zu vermeiden, fordert die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) die Etablierung klarer Qualitätskriterien. Die Leistungserbringung sollte idealerweise in einem interdisziplinären Heart-Team-Modell aus Kardiologen und Radiologen erfolgen.

Indikationen zur kardialen CT

Die Indikationsstellung erfordert die Einordnung der Beschwerden in den klinischen Gesamtkontext und sollte leitliniengerecht erfolgen:

  • Koronarkalknachweis (Calcium-Scoring): Zur Risikostratifizierung in der Primärprävention bei asymptomatischen Personen. Ein Agatston-Score >400 erfordert eine strenge Abwägung für eine anschließende CCTA.
  • Chronisches Koronarsyndrom (CCTA): Empfohlen bei symptomatischer KHK und mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit. Dient als Gatekeeper zur invasiven Diagnostik.
  • Akutes Koronarsyndrom (ACS): Erwägung der CCTA bei geringer bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit, wenn EKG und Troponin (0/1h oder 0/2h Algorithmus) unauffällig oder nicht eindeutig sind.
  • Strukturelle Herzerkrankungen: Unverzichtbar zur Planung von TAVI (Annulusgröße, Koronarokklusionsrisiko, Zugangswege) sowie Mitral- und Trikuspidalklappen-Interventionen.
  • Endokarditis: Der CT-Nachweis von paravalvulären Läsionen oder Abszessen gilt als modifiziertes Hauptkriterium.

Technische Mindestanforderungen

Aufgrund der schnellen Herzbewegung und der kleinen Gefäßstrukturen sind die technischen Anforderungen an den CT-Scanner für eine CCTA hoch:

ParameterMindestanforderung
CT-System≥ 128 Zeilen (64 bei Dual-Source)
Simultane Schichten≥ 128
Räumliche Auflösung≤ 0,4 mm
Schichtdicke≤ 0,6 mm
Zeitliche Auflösung≤ 175 ms (ohne Mehrzyklus-Kombination)
Röhrenspannung80–120 kV (mit EKG-abhängiger Strommodulation)

Zusätzlich muss das System über prospektive EKG-Triggerung (axial) und retrospektive EKG-Synchronisation (spiral) verfügen.

Qualitätskontrolle

Zur Sicherung der Untersuchungsqualität müssen regelmäßig (mindestens 3-monatlich) folgende Parameter dokumentiert und Zielwerte erreicht werden:

  • Strahlenexposition: Mittlere Dosis < 200 mGy*cm DLP
  • Herzfrequenz: Untersuchungen mit HF > 65/min bei < 20 % der Patienten
  • Akquisitionsmodus: Prospektive EKG-Triggerung bei > 70 % der Untersuchungen
  • Bildqualität: Uneingeschränkte Auswertbarkeit aller Koronararterien bei > 85 % der Patienten

Qualifikationsstufen (DGK)

Die DGK definiert drei Kompetenzebenen für Kardiologen, die auf einer mindestens 3-jährigen kardiologischen Grundausbildung basieren:

StufeFokusAnforderungen (Auszug)
Level IIndikationsstellung50 Fälle (davon 40 CCTA), 300 Herzkatheter
Level IISelbstständige Durchführung100 Fälle am Scanner innerhalb von 3 Monaten
Level IIIHöchste Expertise12 Monate CT-Fokus, mind. 300 Befunde

Für die endgültige Durchführung und Befundung wird für alle beteiligten Ärzte mindestens Level II (DGK) bzw. Q2 (DRG) gefordert.

Befundung und Therapieempfehlung

Die Befundung darf nicht rein deskriptiv sein. Sie muss das individuelle Risiko des Patienten bewerten und in eine eindeutige Therapieempfehlung münden. Mögliche Konsequenzen sind:

  1. Konservative Therapie ohne weitere Medikation
  2. Sekundärprophylaxe (Statine, ASS)
  3. Funktionelle Ischämiediagnostik bei intermediären Stenosen
  4. Direkte invasive Diagnostik

Eine direkte Überweisung in die Herzchirurgie allein auf Basis eines CT-Befundes ist nicht evidenzbasiert und wird nicht empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Achten Sie vor einer CCTA auf eine strikte Frequenzkontrolle (<60-65/min) mittels oraler Betablocker oder Ivabradin (ggf. plus i.v. Betablocker). Dies ist essenziell für die Bildqualität und Dosisreduktion.

Häufig gestellte Fragen

Die CCTA wird bei symptomatischen Patienten mit mittlerer klinischer Vortestwahrscheinlichkeit empfohlen, sofern eine gute Bildqualität zu erwarten ist.
Das Gerät muss mindestens 128 Zeilen (oder 64 bei Dual-Source) aufweisen, eine räumliche Auflösung von ≤ 0,4 mm und eine zeitliche Auflösung von ≤ 175 ms bieten.
Bei einem Agatston-Score > 400 sollte die CCTA nur nach gründlicher Abwägung erfolgen. Bei einem Score > 1000 ist sie nur in begründeten Einzelfällen indiziert.
Die CT ist sehr wertvoll: Der Nachweis von paravalvulären Läsionen, Abszessen oder Prothesendehiszenzen gilt als modifiziertes Hauptkriterium für eine Endokarditis.
Die beteiligten Ärzte sollten mindestens die Qualifikationsstufe Level II der DGK (Kardiologen) bzw. Q2 der DRG (Radiologen) aufweisen.

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