eCPR-Leitlinie: Extrakorporale Reanimation (DGK/DIVI)
📋Auf einen Blick
- •Die eCPR ist ein Rettungsversuch für hochselektierte Patienten mit refraktärem Herz-Kreislauf-Stillstand und potenziell reversibler Ursache.
- •Wichtige Prognosefaktoren für ein gutes Outcome sind eine kurze No-Flow-Zeit (≤5 min) und eine Low-Flow-Zeit von ≤60 min.
- •Zielvorgaben sind ein Collapse-to-start-eCPR-Intervall von <60 Minuten und eine Door-to-ECLS-Zeit von <30 Minuten.
- •Ein routinemäßiger Einsatz der eCPR für alle Reanimationspatienten wird nicht empfohlen.
- •Eine neurologische Prognoseabschätzung darf frühestens 72 Stunden nach ROSC erfolgen.
Hintergrund
Die extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR) mittels venoarterieller extrakorporaler Membranoxygenierung (VA-ECMO / ECLS) dient als Rettungsversuch für ausgewählte Patienten mit refraktärem Herz-Kreislauf-Stillstand. Sie kommt vor allem bei potenziell reversiblen Ursachen (z. B. Myokardinfarkt, Lungenarterienembolie) zum Einsatz. Ein routinemäßiger Einsatz für alle Patienten wird nicht empfohlen, da die eCPR an strenge Selektionskriterien und zeitliche Vorgaben gebunden ist.
Indikationen und Patientenselektion
Die Entscheidung für oder gegen eine eCPR muss individuell im multiprofessionellen Team getroffen werden. Es existieren keine absoluten Einzelparameter, die isoliert als "No-go" gelten, sondern die Gesamtschau entscheidet.
| Pro-Kriterien (Begünstigend) | Kontra-Kriterien (Einschränkend) |
|---|---|
| Beobachteter Herz-Kreislauf-Stillstand | Unbeobachteter Herz-Kreislauf-Stillstand |
| Vermutete kardiale Genese (initial defibrillierbar) | Alter >75 Jahre und Gebrechlichkeit ("frailty") |
| No-Flow-Zeit ≤5 min | No-Flow-Zeit ≥10 min |
| Low-Flow-Zeit ≤60 min | Zeichen schwerer irreversibler Hirnschädigung |
| Durchgehend hochwertige Laienreanimation | Inadäquate oder fehlende Laienreanimation |
| Reversible Ursache (4 H's und HITS) | Komorbiditäten mit stark reduzierter Lebenserwartung |
| Prolongierte CPR (>20 min bei Asystolie, >120 min bei VF/VT) | |
| Niedriger pH-Wert (<6,8) und hohes Laktat (>20 mmol/l) | |
| Kontraindikation zur Vollantikoagulation | |
| Ablehnung durch den Patienten (Patientenverfügung) |
Behandlungspfade
- Außerklinischer Kreislaufstillstand (OHCA): Ein direkter Transport ("Load and Go") unter mechanischer Reanimation in ein Cardiac-Arrest-Zentrum mit 24/7-Herzkatheterbereitschaft wird angestrebt.
- Innerklinischer Kreislaufstillstand (IHCA): Die ECLS-Anlage sollte idealerweise direkt vor Ort (z. B. auf der Intensivstation) erfolgen, um Transportzeiten zu minimieren.
Organisatorische Voraussetzungen
Die lückenlose eCPR-Bereitschaft erfordert ein multiprofessionelles Team, bestehend aus Notfall-/Intensivmedizinern, dem ECLS-Implantationsteam (Kardiologie, Herzchirurgie, Anästhesie) sowie Kardiotechnikern oder speziell geschulten Fachpflegekräften.
| Zielparameter | Zeitvorgabe |
|---|---|
| Collapse-to-start-eCPR | < 60 Minuten |
| Door-to-ECLS-Implantation | < 30 Minuten |
Praktische Durchführung und Nachsorge
- Kanülierung: Die Anlage via A. femoralis und V. femoralis sollte unter Durchleuchtung (im Herzkatheterlabor) oder unter Ultraschallkontrolle (im Schockraum) erfolgen.
- Beinperfusion: Nach ECLS-Anlage sollte zwingend eine distal gerichtete Gefäßschleuse zur antegraden Beinperfusion angelegt werden, um Ischämien zu vermeiden.
- Diagnostik: Eine niederschwellige Ganzkörper-CT wird empfohlen, um Ursachen des Kreislaufstillstands und ECLS-bedingte Komplikationen zu detektieren.
- Temperaturmanagement: Ein leitliniengerechtes Temperaturmanagement (32–36 °C konstant über 24 h) ist durchzuführen.
- LV-Entlastung: Bei fehlender Pulsatilität kann eine linksventrikuläre Mikroaxialpumpe (z. B. Impella) als "Venting" erwogen werden.
- Prognostizierung: Die neurologische Prognoseabschätzung und Therapieentscheidung darf frühestens 72 Stunden nach ROSC erfolgen.
Qualitätsmanagement
Kliniken mit einem ECMO/ECLS-Programm sollten einen Caseload von mindestens 30 ECLS/ECMO-Anlagen (elektiv plus eCPR) pro Jahr vorweisen. Ein regelmäßiges, teamfokussiertes Training und die Etablierung von Standard Operating Procedures (SOPs) sind essenziell für die Patientensicherheit.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie nach der ECLS-Anlage via A. femoralis zwingend auf die zeitnahe Anlage einer distal gerichteten Gefäßschleuse zur antegraden Beinperfusion, um kritische Extremitätenischämien zu verhindern.