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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Reanimation 2021: ERC-Leitlinien Update (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Laienreanimationsquote in Deutschland liegt bei 40,4 % und ist ein zentraler Ansatzpunkt zur Überlebensverbesserung.
  • Thoraxkompressionen erfolgen mit 5-6 cm Tiefe, einer Frequenz von 100-120/min und minimalen Unterbrechungen (Verhältnis 30:2).
  • Adrenalin (1 mg) wird bei nicht-schockbaren Rhythmen sofort, bei schockbaren Rhythmen nach dem 3. Schock gegeben.
  • Amiodaron und Lidocain gelten als gleichwertige Antiarrhythmika bei therapierefraktärem Kammerflimmern.
  • Die neurologische Prognosestellung nach ROSC darf frühestens nach 72 Stunden im multimodalen Ansatz erfolgen.
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Hintergrund

Der Kreislaufstillstand ist die dritthäufigste Todesursache in Europa. In Deutschland liegt die Inzidenz des außerklinischen Kreislaufstillstands (OHCA) bei 57,8 pro 100.000 Einwohner. Die Laienreanimationsquote beträgt in Deutschland lediglich 40,4 % (europäischer Durchschnitt: 58 %). Zur Verbesserung des Überlebens fordern die Leitlinien die Etablierung der "BIG FIVE": Laienausbildung, First-Responder-Systeme, Schülerausbildung, Cardiac-Arrest-Zentren und Telefonreanimation.

Basic Life Support (BLS)

Die Basismaßnahmen folgen dem Prinzip Prüfen – Rufen – Drücken:

  • Prüfen: Reaktion und Atmung überprüfen. Die Pulskontrolle durch Laien ist obsolet.
  • Rufen: Notruf 112 absetzen (ggf. Telefonreanimation nutzen).
  • Drücken: Sofortiger Beginn der Thoraxkompressionen.

Qualitätskriterien der Thoraxkompression:

  • Druckpunkt: Mitte der Brust
  • Drucktiefe: 5–6 cm
  • Frequenz: 100–120 pro Minute
  • Verhältnis: 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen (30:2)
  • Minimale Unterbrechungen

Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) soll so früh wie möglich eingesetzt werden.

Advanced Life Support (ALS)

Priorität haben qualitativ hochwertige Thoraxkompressionen und eine frühzeitige Defibrillation.

  • Defibrillation: Mindestens 150 Joule (biphasisch). Pausen für Rhythmusanalyse und Schockabgabe auf maximal 5 Sekunden begrenzen.
  • Atemwegsmanagement: Stufenweises Vorgehen. Die endotracheale Intubation soll nur von Anwendern mit hoher Erfolgsrate (>95 %) durchgeführt werden.
  • Ultraschall (POCUS): Zur Diagnostik reversibler Ursachen durch erfahrene Anwender, ohne die Kompressionen zu unterbrechen.

Medikamentöse Therapie

MedikamentDosisIndikationZeitpunkt
Adrenalin1 mg i.v./i.o.Nicht-schockbarer Rhythmus (PEA/Asystolie)Schnellstmöglich, Wiederholung alle 3-5 min
Adrenalin1 mg i.v./i.o.Schockbarer Rhythmus (VF/pVT)Nach dem 3. Schock, Wiederholung alle 3-5 min
Amiodaron300 mg i.v./i.o.Therapierefraktäres VF/pVTNach dem 3. Schock (ggf. 150 mg nach 5. Schock)
Lidocain100 mg i.v./i.o.Alternative zu Amiodaron bei VF/pVTNach dem 3. Schock (ggf. 50 mg nach 5. Schock)

Reversible Ursachen (4 H's und HITS)

Das Erkennen und Behandeln reversibler Ursachen ist essenziell:

UrsacheDiagnostikAkutbehandlung
HypoxieSpO2, AtemfrequenzSauerstoffgabe, effektive Beatmung
HypovolämieSonographie (VCI), E-FASTVolumensubstitution, Blutungskontrolle
Hypo-/HyperkaliämieBlutgasanalyseCalciumchlorid, Natriumbikarbonat, Dialyse
Hypo-/HyperthermieTemperaturmessungWiedererwärmung (z.B. ECLS)
HerzbeuteltamponadeEchokardiographiePerikardpunktion, Thorakotomie
IntoxikationFremdanamneseAntidote, eCPR
Thrombose (koronar/pulmonal)EKG, EchokardiographieHerzkatheter (PCI), Lyse
SpannungspneumothoraxSonographie, KlinikEntlastung (Minithorakotomie/Punktion)

Extrakorporale CPR (eCPR)

Die eCPR kann als Rescue-Therapie bei ausgewählten Patienten erwogen werden, wenn konventionelle Maßnahmen versagen. Voraussetzungen sind:

  • Beobachteter Kreislaufstillstand mit effektiver Laien-CPR
  • Low-Flow-Zeit < 60 Minuten
  • Jüngere Patienten (< 65-70 Jahre) ohne schwere Komorbiditäten
  • Vorliegen einer reversiblen Ursache

Postreanimationsbehandlung

Nach Rückkehr des Spontankreislaufs (ROSC) erfolgt die Stabilisierung nach dem ABC-Konzept:

  • Atmung: SpO2-Zielwert 94–98 %, Normokapnie, lungenprotektive Beatmung.
  • Kreislauf: Systolischer Blutdruck > 100 mmHg (MAP ≥ 65 mmHg), Normovolämie.
  • Herzkatheter: Bei ST-Hebungen (STEMI) im EKG sofortige Koronarangiographie. Bei Patienten ohne ST-Hebungen kann eine verzögerte Angiographie erwogen werden.
  • Temperaturmanagement (TTM): Konstante Zieltemperatur von 32–36 °C für mindestens 24 Stunden, gefolgt von strikter Fiebervermeidung (≤ 37,7 °C) für 72 Stunden.

Neurologische Prognosestellung

Die Prognosestellung darf frühestens 72 Stunden nach ROSC erfolgen. Sie erfordert zwingend einen multimodalen Ansatz:

  • Klinisch-neurologische Untersuchung (z.B. GCS-Motorik ≤ 3)
  • Neurophysiologie (EEG, SSEP)
  • Biomarker (Neuronenspezifische Enolase, NSE)
  • Bildgebung (CCT/MRT)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie die Kapnographie (etCO2) nicht nur zur Tubuslagekontrolle, sondern auch als Monitoring der CPR-Qualität. Ein plötzlicher Anstieg (>10 mmHg) kann auf einen ROSC hindeuten.

Häufig gestellte Fragen

Bei nicht-schockbaren Rhythmen (Asystolie/PEA) so früh wie möglich. Bei schockbaren Rhythmen (Kammerflimmern/pVT) erst nach dem 3. erfolglosen Schock. Die Dosis beträgt jeweils 1 mg und wird alle 3-5 Minuten wiederholt.
Ja, laut den aktuellen Leitlinien können nach dem 3. erfolglosen Schock bei Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie entweder 300 mg Amiodaron oder 100 mg Lidocain eingesetzt werden.
Frühestens 72 Stunden nach Rückkehr des Spontankreislaufs (ROSC). Die Beurteilung muss zwingend multimodal erfolgen (Klinik, EEG, SSEP, Biomarker wie NSE und Bildgebung).
Ein gezieltes Temperaturmanagement (TTM) mit einer konstanten Temperatur zwischen 32 und 36 °C für mindestens 24 Stunden. Anschließend muss Fieber für 72 Stunden strikt vermieden werden.

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