ClariMedClariMed
DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

ECLS/ECMO bei Herz-Kreislauf-Versagen: S3-Leitlinie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die ECLS-Initiierung erfordert ein multiprofessionelles Team und sollte idealerweise in Zentren mit mindestens 20 Implantationen pro Jahr erfolgen.
  • Für die ECLS-Therapie sollen ausschließlich Zentrifugalpumpen verwendet werden, die Antikoagulation sollte mit unfraktioniertem Heparin erfolgen.
  • Bei femoraler arterieller Kanülierung ist zwingend eine distale Perfusionskanüle zur Ischämieprävention erforderlich.
  • Das Weaning sollte strukturiert unter Reduktion des ECLS-Flusses (< 2,0 l/min) bei Erfüllung spezifischer hämodynamischer Kriterien erfolgen.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Anwendung venoarterieller ECMO (va-ECMO oder ECLS) bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Versagen hat in Deutschland stark zugenommen (von ca. 300 im Jahr 2010 auf über 3.000 jährlich seit 2015). Der Therapieerfolg hängt maßgeblich von einer effektiven interdisziplinären und berufsgruppenübergreifenden Teamarbeit ab. Die vorliegende S3-Leitlinie definiert evidenzbasierte Empfehlungen für den klinischen Einsatz, um das komplexe Patientenmanagement zu standardisieren.

Indikationen zur ECLS-Therapie

Die Entscheidung für eine ECLS sollte immer individuell im klinischen Kontext und im ECLS-Team abgewogen werden (Empfehlungsgrad B).

IndikationEmpfehlungsgradBemerkung
Kardiogener Schock0 (Kann erwogen werden)Individuelle Abwägung
In-Hospital Cardiac Arrest (IHCA)0 / BeCPR in ausgewählten Fällen, frühzeitige Entscheidung
Out-of-Hospital Cardiac Arrest (OHCA)0 / BeCPR in ausgewählten Fällen, frühzeitige Entscheidung
Postoperatives Herz-Kreislauf-VersagenB (Sollte)Indikation bereits intraoperativ prüfen
Intoxikationen0 (Kann erwogen werden)Schock durch Medikamentenintoxikation

Strukturelle und personelle Voraussetzungen

  • Zentrumsgröße: Eine Implantationszahl von mindestens 20 ECLS/Jahr sollte angestrebt werden (Empfehlungsgrad B).
  • Team: Initiierung und Fortführung sollen durch ein multiprofessionelles Team erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Pflege: Die Möglichkeit einer 1:1-pflegerischen Betreuung sollte sichergestellt sein (Empfehlungsgrad B).
  • Technik: Die technische Überprüfung des ECLS-Systems soll mindestens einmal täglich durch einen Kardiotechniker oder eine speziell geschulte Fachkraft erfolgen (Empfehlungsgrad A).

Therapiemanagement und Überwachung

MaßnahmeEmpfehlungEmpfehlungsgrad
PumpenartNur Zentrifugalpumpen verwendenA
AntikoagulationMit unfraktioniertem Heparin durchführenB
KatecholamineUnter ECLS möglichst weit reduzierenB
MonitoringKontinuierliche Überwachung von Perfusion, Hämodynamik, Oxygenierung und NeurostatusA

Komplikationsmanagement

Komplikationen müssen frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden:

  • Extremitätenischämie: Bei femoraler arterieller Kanülierung soll eine distale Perfusionskanüle eingeführt werden (Empfehlungsgrad A).
  • Linksventrikuläre Distension: Nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen soll eine aktive Entlastung des linken Ventrikels erfolgen (Empfehlungsgrad A).
  • Zentrale Hypoxie (Wasserscheidenphänomen): Soll bei femoral-arterieller Kanülierung sofort behandelt werden, z. B. durch Wechsel auf zentrale Kanülierung oder V-AV-Konfiguration (Empfehlungsgrad A).
  • Infektionen: Bestehende Infektionen sollen antimikrobiell therapiert werden, ohne den ECLS-Beginn zu verzögern (Empfehlungsgrad A).

Entwöhnung (Weaning) vom ECLS-System

Vor der Explantation sollten folgende Kriterien unter einem niedrigen ECLS-Fluss (< 2,0 l/min) und niedrigem Gasfluss (< 2 l/min) erfüllt sein (Empfehlungsgrad B):

ParameterZielwert für Weaning
BlutdruckPulsatiler arterieller Blutdruck, MAD > 60 mmHg
EchokardiographieNachweis einer biventrikulären Kontraktilität
OxygenierungSvO2 ≥ 65 % (ScvO2 ≥ 60 %)
LaktatNormwertig (≤ 2 mmol/l) oder fallend
MedikationVasopressoren-/Inotropikadosierung niedrig oder fallend
LungeAusreichende Oxygenierung/CO2-Elimination unter protektiver Beatmung
OrganfunktionKompensierte Endorganfunktionen (Leber, Niere)

Nachsorge

In der frühen Phase nach Explantation soll eine kontinuierliche Überwachung (inkl. invasiver Blutdruckmessung) und eine zeitnahe Echokardiographie erfolgen (Empfehlungsgrad A). Bei peripherer Kanülierung soll die Kanülierungsstelle täglich klinisch und sonographisch kontrolliert werden. Langfristig ist eine Anbindung an eine interdisziplinäre Spezialambulanz erforderlich (Empfehlungsgrad A).

💡Praxis-Tipp

Denken Sie bei einer femoral-arteriellen Kanülierung zwingend an die Anlage einer distalen Perfusionskanüle, um eine Ischämie der Extremität zu verhindern. Achten Sie zudem auf Zeichen einer linksventrikulären Distension – hier ist frühzeitig eine aktive Entlastung indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollen für ECLS ausschließlich Zentrifugalpumpen verwendet werden (Empfehlungsgrad A).
Die Antikoagulation sollte mit unfraktioniertem Heparin erfolgen (Empfehlungsgrad B).
Ein Weaning kann evaluiert werden, wenn Kriterien wie ein MAD > 60 mmHg, eine SvO2 ≥ 65 %, ein fallendes/normwertiges Laktat und eine biventrikuläre Kontraktilität im Echo erfüllt sind.
Eine zentrale Hypoxie unter ECLS muss sofort behandelt werden. Geeignete Maßnahmen sind der Wechsel auf eine zentrale Kanülierung oder die Einbringung einer weiteren Kanüle (Wechsel auf V-AV- oder VV-A-Konfiguration).

Verwandte Leitlinien