ECLS/ECMO bei Herz-Kreislauf-Versagen: S3-Leitlinie (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die ECLS-Initiierung erfordert ein multiprofessionelles Team und sollte idealerweise in Zentren mit mindestens 20 Implantationen pro Jahr erfolgen.
- •Für die ECLS-Therapie sollen ausschließlich Zentrifugalpumpen verwendet werden, die Antikoagulation sollte mit unfraktioniertem Heparin erfolgen.
- •Bei femoraler arterieller Kanülierung ist zwingend eine distale Perfusionskanüle zur Ischämieprävention erforderlich.
- •Das Weaning sollte strukturiert unter Reduktion des ECLS-Flusses (< 2,0 l/min) bei Erfüllung spezifischer hämodynamischer Kriterien erfolgen.
Hintergrund
Die Anwendung venoarterieller ECMO (va-ECMO oder ECLS) bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Versagen hat in Deutschland stark zugenommen (von ca. 300 im Jahr 2010 auf über 3.000 jährlich seit 2015). Der Therapieerfolg hängt maßgeblich von einer effektiven interdisziplinären und berufsgruppenübergreifenden Teamarbeit ab. Die vorliegende S3-Leitlinie definiert evidenzbasierte Empfehlungen für den klinischen Einsatz, um das komplexe Patientenmanagement zu standardisieren.
Indikationen zur ECLS-Therapie
Die Entscheidung für eine ECLS sollte immer individuell im klinischen Kontext und im ECLS-Team abgewogen werden (Empfehlungsgrad B).
| Indikation | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kardiogener Schock | 0 (Kann erwogen werden) | Individuelle Abwägung |
| In-Hospital Cardiac Arrest (IHCA) | 0 / B | eCPR in ausgewählten Fällen, frühzeitige Entscheidung |
| Out-of-Hospital Cardiac Arrest (OHCA) | 0 / B | eCPR in ausgewählten Fällen, frühzeitige Entscheidung |
| Postoperatives Herz-Kreislauf-Versagen | B (Sollte) | Indikation bereits intraoperativ prüfen |
| Intoxikationen | 0 (Kann erwogen werden) | Schock durch Medikamentenintoxikation |
Strukturelle und personelle Voraussetzungen
- Zentrumsgröße: Eine Implantationszahl von mindestens 20 ECLS/Jahr sollte angestrebt werden (Empfehlungsgrad B).
- Team: Initiierung und Fortführung sollen durch ein multiprofessionelles Team erfolgen (Empfehlungsgrad A).
- Pflege: Die Möglichkeit einer 1:1-pflegerischen Betreuung sollte sichergestellt sein (Empfehlungsgrad B).
- Technik: Die technische Überprüfung des ECLS-Systems soll mindestens einmal täglich durch einen Kardiotechniker oder eine speziell geschulte Fachkraft erfolgen (Empfehlungsgrad A).
Therapiemanagement und Überwachung
| Maßnahme | Empfehlung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Pumpenart | Nur Zentrifugalpumpen verwenden | A |
| Antikoagulation | Mit unfraktioniertem Heparin durchführen | B |
| Katecholamine | Unter ECLS möglichst weit reduzieren | B |
| Monitoring | Kontinuierliche Überwachung von Perfusion, Hämodynamik, Oxygenierung und Neurostatus | A |
Komplikationsmanagement
Komplikationen müssen frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden:
- Extremitätenischämie: Bei femoraler arterieller Kanülierung soll eine distale Perfusionskanüle eingeführt werden (Empfehlungsgrad A).
- Linksventrikuläre Distension: Nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen soll eine aktive Entlastung des linken Ventrikels erfolgen (Empfehlungsgrad A).
- Zentrale Hypoxie (Wasserscheidenphänomen): Soll bei femoral-arterieller Kanülierung sofort behandelt werden, z. B. durch Wechsel auf zentrale Kanülierung oder V-AV-Konfiguration (Empfehlungsgrad A).
- Infektionen: Bestehende Infektionen sollen antimikrobiell therapiert werden, ohne den ECLS-Beginn zu verzögern (Empfehlungsgrad A).
Entwöhnung (Weaning) vom ECLS-System
Vor der Explantation sollten folgende Kriterien unter einem niedrigen ECLS-Fluss (< 2,0 l/min) und niedrigem Gasfluss (< 2 l/min) erfüllt sein (Empfehlungsgrad B):
| Parameter | Zielwert für Weaning |
|---|---|
| Blutdruck | Pulsatiler arterieller Blutdruck, MAD > 60 mmHg |
| Echokardiographie | Nachweis einer biventrikulären Kontraktilität |
| Oxygenierung | SvO2 ≥ 65 % (ScvO2 ≥ 60 %) |
| Laktat | Normwertig (≤ 2 mmol/l) oder fallend |
| Medikation | Vasopressoren-/Inotropikadosierung niedrig oder fallend |
| Lunge | Ausreichende Oxygenierung/CO2-Elimination unter protektiver Beatmung |
| Organfunktion | Kompensierte Endorganfunktionen (Leber, Niere) |
Nachsorge
In der frühen Phase nach Explantation soll eine kontinuierliche Überwachung (inkl. invasiver Blutdruckmessung) und eine zeitnahe Echokardiographie erfolgen (Empfehlungsgrad A). Bei peripherer Kanülierung soll die Kanülierungsstelle täglich klinisch und sonographisch kontrolliert werden. Langfristig ist eine Anbindung an eine interdisziplinäre Spezialambulanz erforderlich (Empfehlungsgrad A).
💡Praxis-Tipp
Denken Sie bei einer femoral-arteriellen Kanülierung zwingend an die Anlage einer distalen Perfusionskanüle, um eine Ischämie der Extremität zu verhindern. Achten Sie zudem auf Zeichen einer linksventrikulären Distension – hier ist frühzeitig eine aktive Entlastung indiziert.