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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Kardiopulmonale Reanimation: DGK-Leitlinie 2021

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Thoraxkompressionen haben höchste Priorität: Frequenz 100-120/min, Drucktiefe 5-6 cm, Verhältnis 30:2.
  • Bei Kammerflimmern/pVT erfolgt ein Schock, gefolgt von 2 Minuten durchgehender CPR.
  • Adrenalin (1 mg) wird bei Asystolie/PEA sofort, bei defibrillierbarem Rhythmus nach dem 3. Schock gegeben.
  • Atemwegssicherung mittels Intubation nur bei hoher Expertise (>95 % Erfolgsrate), Kapnographie ist Standard.
  • Post-Reanimationsbehandlung umfasst gezieltes Temperaturmanagement (32-36 °C für 24h) und sofortige PCI bei STEMI.
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Hintergrund

Die kardiopulmonale Reanimation (CPR) ist die entscheidende Maßnahme beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Die Überlebenskette umfasst das rasche Erkennen, den Notruf (112), frühe Basismaßnahmen (BLS), frühe Defibrillation, erweiterte Maßnahmen (ALS) und die Post-Reanimationsbehandlung.

Basismaßnahmen (Basic Life Support, BLS)

Die sofortige Herzdruckmassage sichert einen minimalen Blutfluss zu Herz und Gehirn.

  • Prüfen: Bewusstsein (Ansprechen, Schütteln) und Atmung (Schnappatmung ist keine normale Atmung!).
  • Rufen: Notruf 112 absetzen, AED holen lassen.
  • Drücken: Thoraxkompression und Beatmung im Verhältnis 30:2.
    • Druckpunkt: Untere Hälfte des Brustbeins.
    • Frequenz: 100-120/min.
    • Tiefe: 5-6 cm (mindestens 5 cm beim Erwachsenen).
    • Entlastung: Brustbein nach jeder Kompression vollständig entlasten.
  • Defibrillation (AED): Sobald verfügbar, AED anschließen und Sprachanweisungen folgen. Unterbrechungen der Kompression minimieren.

Erweiterte Maßnahmen (Advanced Life Support, ALS)

Der ALS-Algorithmus unterscheidet zwischen defibrillierbaren und nicht-defibrillierbaren Rhythmen. Hochwertige Thoraxkompressionen und frühe Defibrillation haben höchste Priorität.

RhythmusErste MaßnahmeMedikamente
Defibrillierbar (Kammerflimmern, pulslose VT)1 Schock (120-360 J biphasisch), danach sofort 2 Min. CPRAdrenalin 1 mg + Amiodaron 300 mg nach dem 3. erfolglosen Schock
Nicht-defibrillierbar (Asystolie, PEA)Sofort 2 Min. CPRAdrenalin 1 mg sofort, dann alle 3-5 Min.

Atemwegssicherung und Beatmung

  • Endotracheale Intubation: Nur durch sehr erfahrene Anwender (>95 % Erfolgsrate).
  • Alternativen: Larynxmaske, Larynxtubus, I-Gel oder Maskenbeatmung mit Guedeltubus.
  • Kapnographie (etCO2): Standard zur Lagekontrolle und Überwachung der CPR-Qualität.
  • Beatmung: Bei gesichertem Atemweg kontinuierliche Thoraxkompression mit 10 Beatmungen/min (Atemzugvolumen 6-7 ml/kg, ca. 500 ml).

Medikamente in der Reanimation

WirkstoffDosierungIndikation
Adrenalin1 mg i.v./i.o. (alle 3-5 Min.)Asystolie/PEA (sofort), VF/pVT (nach 3. Schock)
Amiodaron300 mg i.v./i.o. (ggf. +150 mg)VF/pVT nach dem 3. erfolglosen Schock
Lidocain100 mg (dann 50 mg) i.v./i.o.Alternative zu Amiodaron bei VF/pVT
Magnesiumsulfat2 g (über 1-2 Min.)Verdacht auf Torsades-de-Pointes-Tachykardie

Versorgung nach erfolgreicher Reanimation (ROSC)

Die Post-Reanimationsbehandlung hat entscheidenden Einfluss auf das neurologische Outcome.

  • Atemwege/Beatmung: Normokapnie anstreben, O2-Sättigung von 94-98 % (Hyperoxie vermeiden).
  • Kreislauf: Normotension (systolisch > 65 mmHg) anstreben, 12-Kanal-EKG ableiten.
  • Koronarangiographie: Sofortige PCI bei STEMI. Bei NSTEMI individualisierte Entscheidung.
  • Temperaturmanagement (TTM): Bei komatösen Patienten 32-36 °C für mindestens 24 Stunden, danach strikte Fiebervermeidung für mindestens 72 Stunden.
  • Blutzucker: Zielwert 100-150 mg/dl.
  • Prognoseabschätzung: Multimodaler Ansatz, frühestens 72 Stunden nach ROSC (bzw. nach Wiedererreichen der Normothermie).

Peri-Arrest-Arrhythmien

Bei Herzrhythmusstörungen mit klinischer Instabilität (Schock, Synkope, Ischämie, Herzinsuffizienz) muss sofort gehandelt werden.

Bradykardie

StufeTherapieBemerkung
1Atropin 0,5 mg i.v.Wiederholung bis max. 3 mg
2Adrenalin (2-10 µg/min) oder IsoprenalinBei unzureichendem Ansprechen auf Atropin
3Schrittmacher (transkutan/transvenös)Bei hohem Asystolie-Risiko (AV-Block IIb/III)

Tachykardie

  • Instabile Patienten: Sofortige elektrische Kardioversion (bis zu 3 Schocks).
  • Stabile Patienten (breiter QRS >120 ms): Verdacht auf ventrikuläre Tachykardie -> Amiodaron 300 mg i.v.
  • Stabile Patienten (schmaler QRS <120 ms): Vagusmanöver, dann Adenosin (6 mg, ggf. 12 mg/18 mg). Bei Vorhofflimmern Frequenzkontrolle (Betablocker/Calciumantagonist).

Reanimation unter besonderen Umständen

  • Lungenembolie: Bei Verdacht oder Nachweis Thrombolyse erwägen. Reanimation für mindestens 60-90 Minuten fortsetzen.
  • Spannungspneumothorax: Sofortige Nadeldekompression oder Thorakostomie.
  • Herzbeuteltamponade: Ultraschallgesteuerte Perikardpunktion.
  • Herzkatheterlabor/Herzchirurgie: Bei VF/pVT sofort bis zu 3 aufeinanderfolgende Schocks vor Beginn der Herzdruckmassage.

💡Praxis-Tipp

Unterbrechen Sie die Thoraxkompressionen für Rhythmusanalysen oder Atemwegssicherung so kurz wie möglich. Bei mangelnder Intubationserfahrung ist die Maskenbeatmung oder eine supraglottische Atemwegshilfe zu bevorzugen.

Häufig gestellte Fragen

Die Kompressionstiefe beträgt beim Erwachsenen 5-6 cm (mindestens 5 cm) bei einer Frequenz von 100-120/min.
Bei Asystolie/PEA sofort; bei Kammerflimmern oder pulsloser VT nach dem 3. erfolglosen Defibrillationsversuch (jeweils 1 mg i.v./i.o., Wiederholung alle 3-5 Minuten).
Nach dem 3. erfolglosen Schock werden 300 mg Amiodaron i.v./i.o. gegeben. Nach dem 5. Schock können weitere 150 mg appliziert werden.
Bei nachgewiesener fulminanter Lungenembolie oder hochgradigem Verdacht. Die Reanimation sollte dann für mindestens 60-90 Minuten fortgesetzt werden.
Bei komatösen Patienten wird eine Zieltemperatur von 32-36 °C für mindestens 24 Stunden empfohlen, gefolgt von strikter Fiebervermeidung für mindestens 72 Stunden.

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