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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Notfallmanagement bei Herzunterstützungssystemen (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei kontinuierlichen LVADs fehlt oft der tastbare Puls; die Kreislaufbeurteilung erfolgt über MAD (>50 mmHg), ETCO2 (>20 mmHg) und Pumpenfluss (>1,5 l/min).
  • Die Evaluation erfolgt nach dem doppelten ABCDE-Schema (Patient und LVAD-System).
  • Bei einem LVAD-Stillstand >5 Minuten darf ein Neustart wegen Thrombengefahr nur nach Rücksprache mit dem VAD-Zentrum erfolgen.
  • Bei Kreislaufstillstand und frustraner Defibrillation ist eine mechanische Herzdruckmassage auch bei LVAD-Patienten indiziert.
  • Bei Patienten mit Total Artificial Heart (TAH) sind Herzdruckmassage und Defibrillation sinnlos; bei Systemausfall muss die Handpumpe genutzt werden.
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Hintergrund

Durch den Spendermangel und technischen Fortschritt steigt die Zahl der Patienten mit permanenten Herzunterstützungssystemen (VAD). Notfälle können systemassoziiert (z. B. Pumpenthrombose) oder unabhängig davon auftreten. Es werden drei Hauptsysteme unterschieden:

SystemFlussprofilManuelle PulskontrolleHerzdruckmassage möglichDefibrillation möglich
Intrakorporales LVADKontinuierlichNur bei guter EigenkontraktilitätJaJa
Parakorporales LVADPulsatilJaJaJa
Total Artificial Heart (TAH)PulsatilJaNeinNein

Initiale Evaluation (ABCDE-Schema)

Die Beurteilung erfolgt nach dem klassischen ABCDE-Schema für den Patienten und einem speziellen ABCDE-Schema für das LVAD-System:

  • A (Auskultation/Alarm): Systemgeräusche und Alarme prüfen.
  • B (Batterie): Stromversorgung sicherstellen.
  • C (Controller): Pumpenparameter (Fluss, Drehzahl, Leistung) ablesen.
  • D (Driveline): Kabelverbindung auf Beschädigungen prüfen.
  • E (Echokardiographie): Rechts- und Linksherzfunktion sowie Volumenstatus beurteilen.

Kreislaufbeurteilung beim kontinuierlichen LVAD

Da nichtpulsatile LVADs einen kontinuierlichen Blutfluss generieren, ist die Kreislaufbeurteilung erschwert. Pulsoxymetrie und automatische Blutdruckmessung liefern oft keine validen Werte.

Zeichen einer ausreichenden Perfusion bei bewusstlosen Patienten:

  • Mittlerer arterieller Druck (MAD) >50 mmHg (Ziel: 60-85 mmHg, Messung per Doppler oder invasiv)
  • Endtidales CO2 (ETCO2) >20 mmHg
  • Doppler-sonographischer Blutfluss über A. carotis oder A. femoralis
  • Pumpenfluss am Controller >1,5 l/min (ohne Alarm)

Management bei niedrigem Pumpenfluss (Low-Flow)

Ein Pumpenfluss <1,5 l/min deutet auf eine schwerwiegende Störung hin. Häufige Ursachen sind Hypovolämie, Rechtsherzversagen oder eine erhöhte Nachlast.

MaßnahmeDurchführungBemerkung
VolumentestPassive Leg Raising (PLR) oder 500 ml VollelektrolytlösungSteigt der Fluss, liegt ein Volumenmangel vor. Bleibt er niedrig, Verdacht auf Rechtsherzversagen.
EchokardiographieFokussierte UntersuchungBeurteilung von Rechtsventrikel, Volumenstatus und Kanülenlage.
NachlastsenkungUrapidil oder NitroprussidnatriumBei hypertensiven Entgleisungen. Nitroglycerin meiden (Gefahr des massiven Vorlastabfalls).

Systemstillstand

Bei einem Stillstand des LVAD müssen sofort alle Verbindungen (Driveline, Controller, Batterien) geprüft werden.

  • Achtung: Ein Neustart nach einem Pumpenstopp von >5 Minuten birgt ein hohes Risiko für Thrombenembolien und darf nur nach Rücksprache mit dem VAD-Zentrum erfolgen.

Kardiopulmonale Reanimation (CPR)

Bei nicht ansprechbaren LVAD-Patienten ohne Kreislaufzeichen gelten folgende Empfehlungen:

  • Defibrillierbarer Rhythmus (VF/pVT): Unverzügliche Defibrillation nach ERC-Leitlinien.
  • Nicht-defibrillierbarer Rhythmus (Asystolie/PEA) oder frustrane Defibrillation: Sofortiger Beginn der mechanischen Herzdruckmassage und Adrenalingabe.
  • ECLS: Bei fehlender Stabilisierung nach >10 Minuten CPR sollte die Implantation eines extrakorporalen Life-Support-Systems (eCPR) erwogen werden.

Besonderheiten beim Total Artificial Heart (TAH)

Beim TAH wurde das eigene Herz komplett entfernt und durch zwei künstliche Pumpen ersetzt.

  • Das EKG zeigt eine Nulllinie.
  • Herzdruckmassage, Defibrillation und Inotropika (Adrenalin) sind sinnlos.
  • Bei Systemstillstand muss unmittelbar die Notfall-Handpumpe angeschlossen werden.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei bewusstlosen LVAD-Patienten die Kapnographie (Ziel-ETCO2 >20 mmHg) und den Doppler-Ultraschall zur Blutdruckmessung, da Pulsoxymetrie und Standard-RR-Messung durch die fehlende Pulsatilität oft falsche Werte liefern.

Häufig gestellte Fragen

Ja. Bei fehlenden Kreislaufzeichen und nicht-defibrillierbarem Rhythmus (oder frustraner Defibrillation) ist die mechanische Herzdruckmassage nach ERC-Leitlinie indiziert.
Die Standard-RR-Messung ist oft ungenau. Der Blutdruck sollte initial Doppler-sonographisch (Ziel-MAD 60-85 mmHg) oder invasiv gemessen werden.
Führen Sie ein Passive-Leg-Raising (PLR) oder eine Volumengabe (500 ml) durch, um einen Volumenmangel auszuschließen, und veranlassen Sie schnellstmöglich eine Echokardiographie.
Ein Neustart nach >5 Minuten Stillstand sollte wegen der Gefahr einer Thrombenembolie nur nach Rücksprache mit dem VAD-Zentrum erfolgen.
Herzdruckmassage und Defibrillation sind sinnlos, da kein eigenes Herz mehr vorhanden ist. Bei Systemstillstand muss sofort die Notfall-Handpumpe angeschlossen werden.

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