ECLS/ECMO bei Herz-Kreislaufversagen: S3-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Eine ECLS kann bei kardiogenem Schock und Schock durch Intoxikation in Erwägung gezogen werden (Empfehlungsgrad 0).
- •Bei inner- und außerklinischem Herzstillstand (IHCA/OHCA) ist die eCPR in ausgewählten Fällen eine Option; die Entscheidung sollte frühzeitig fallen.
- •Es gibt keine studienbasierten Empfehlungen für feste Altersgrenzen oder maximale Reanimationsdauern als absolute Kontraindikation.
- •Die Indikationsstellung muss stets individuell im interdisziplinären ECLS-Team unter Abwägung von Pro und Kontra erfolgen.
- •Bei Weaning-Versagen sollte frühzeitig ein spezialisiertes Zentrum mit VAD-Expertise für permanente Unterstützungssysteme konsultiert werden.
Hintergrund
Die extrakorporale Zirkulation (ECLS/ECMO) wird zunehmend bei Patienten mit akutem Herz- und Kreislaufversagen eingesetzt. Unter "Extracorporeal Life Support" (ECLS) – oft auch als veno-arterielle (va) ECMO bezeichnet – versteht man eine mechanische Herz-Kreislauf-Unterstützungstherapie. Diese gewährleistet nicht nur den Blut-Gasaustausch, sondern kann die kardiale Pumpfunktion partiell übernehmen oder komplett unterstützen. Aufgrund der Invasivität und Komplexität erfordert die Therapie eine strenge Indikationsstellung und interdisziplinäre Expertise.
Indikationen für ECLS
Die Entscheidung für eine ECLS-Therapie sollte stets individuell, im klinischen Kontext und im interdisziplinären ECLS-Team erfolgen.
| Klinische Situation | Empfehlung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Kardiogener Schock | Kann in Erwägung gezogen werden | 0 |
| Schock durch Intoxikation | Kann in Erwägung gezogen werden | 0 |
| In-Hospital Cardiac Arrest (IHCA) | eCPR kann in ausgewählten Fällen erwogen werden | 0 |
| Out-of-Hospital Cardiac Arrest (OHCA) | eCPR kann in ausgewählten Fällen erwogen werden | 0 |
ECLS bei Reanimation (eCPR)
Sowohl beim innerklinischen (IHCA) als auch beim außerklinischen Herzstillstand (OHCA) kann der Einsatz der ECLS als extrakorporale kardiopulmonale Reanimation (eCPR) in ausgewählten Fällen das Überleben verbessern.
- Entscheidungszeitpunkt: Die Entscheidung zur eCPR sollte frühzeitig getroffen werden.
- Patientenselektion: Obwohl Registerdaten oft bessere Ergebnisse bei jüngeren Patienten zeigen, muss die Entscheidung immer individuell getroffen werden.
Bridging und Weaning-Versagen
Ein kritischer Punkt der ECLS-Therapie ist die Entwöhnung (Weaning) oder der Wechsel auf ein Langzeitunterstützungssystem, wenn sich das Herz nicht erholt.
| Situation | Vorgehen | Bemerkung |
|---|---|---|
| Weaningversagen | Rücksprache mit spezialisiertem Zentrum (VAD-Expertise) | Implantation eines permanenten Systems erwägen |
| Zeitpunkt des Wechsels | Individuelle Festlegung | Der optimale Zeitpunkt ist laut aktueller Evidenz unklar |
Risikoprofile und Kontraindikationen
In Notfallsituationen ist die Abwägung von Kontraindikationen oft erschwert. Die Leitlinie betont, dass starre Grenzen aufgrund der aktuellen Studienlage nicht evidenzbasiert festzulegen sind:
- Es können keine studienbasierten Empfehlungen zur Restriktion der ECLS-Therapie bei längerer Reanimationsdauer gegeben werden.
- Ebenso gibt es keine feste Altersgrenze, die eine ECLS pauschal kontraindiziert.
- Die Entscheidung erfordert immer eine individuelle Abwägung von Pro- und Kontrakriterien im Team.
💡Praxis-Tipp
Treffen Sie die Entscheidung zur eCPR bei laufender Reanimation frühzeitig. Binden Sie bei einem absehbaren Weaning-Versagen rechtzeitig ein spezialisiertes VAD-Zentrum ein, um Therapieziele neu zu definieren.