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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Perikarderkrankungen: ESC/DGK-Leitlinie 2015

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose der akuten Perikarditis erfordert mindestens 2 von 4 Kriterien: Thoraxschmerz, Perikardreiben, EKG-Veränderungen oder Perikarderguss.
  • Therapie der 1. Wahl bei akuter und rezidivierender Perikarditis ist die Kombination aus ASS oder NSAR mit Colchicin.
  • Kortikosteroide sind keine Therapie der 1. Wahl und sollten nur bei spezifischen Indikationen streng limitiert eingesetzt werden.
  • Bei einer Myoperikarditis wird eine strikte körperliche Schonung für mindestens 6 Monate empfohlen.
  • Die Perikardektomie ist die Therapie der Wahl bei der chronisch konstriktiven Perikarditis.
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Hintergrund

Perikarderkrankungen umfassen isolierte Erkrankungen des Herzbeutels oder Manifestationen systemischer Erkrankungen. Die Ätiologie wird primär in infektiöse und nichtinfektiöse Ursachen unterteilt. In entwickelten Ländern sind Viren die häufigsten Auslöser, während weltweit die Tuberkulose (oft mit HIV-Koinfektion) die primäre Ursache darstellt.

Akute Perikarditis

Die Diagnose eines inflammatorischen perikardialen Syndroms erfordert mindestens 2 der folgenden 4 Kriterien:

  • Perikarditische Thoraxschmerzen
  • Perikardreiben
  • Neue ST-Hebung in vielen Ableitungen oder PR-Senkung im EKG
  • Neuer oder zunehmender Perikarderguss

Zusätzlich unterstützen erhöhte Entzündungsmarker (CRP, BSG, Leukozyten) und der Nachweis eines Ergusses in der Bildgebung die Diagnose. Ein EKG, eine transthorakale Echokardiographie und ein Röntgen-Thorax werden bei allen Patienten mit Verdacht auf akute Perikarditis empfohlen (Empfehlungsgrad I).

Triage und Prognoseindikatoren

Patienten mit mindestens einem Haupt- oder Nebenindikator für eine ungünstige Prognose gelten als Hochrisikopatienten und benötigen eine stationäre Aufnahme zur Ätiologieabklärung. Niedrigrisikopatienten können ambulant behandelt werden.

HauptindikatorenNebenindikatoren
Fieber > 38°CMyoperikarditis
Subakuter KrankheitsbeginnImmunsuppression
Großer Perikarderguss (> 20 mm)Trauma
HerzbeuteltamponadeOrale Antikoagulationstherapie
Kein Ansprechen auf ASS/NSAR nach 1 Woche

Therapie der akuten und rezidivierenden Perikarditis

Die medikamentöse Therapie basiert auf Entzündungshemmung. Die körperliche Aktivität sollte bis zum Abklingen der Symptome und Normalisierung von CRP, EKG und Echokardiogramm eingeschränkt bleiben (bei Sportlern mindestens 3 Monate).

StufeTherapieBemerkung
1. WahlASS oder NSAR + ColchicinASS (750-1000 mg/8h) oder Ibuprofen (600 mg/8h) für 1-2 Wochen. Colchicin (0,5 mg 1-2x tgl.) für 3 Monate (akut) bzw. 6 Monate (rezidivierend). Magenschutz empfohlen.
2. WahlNiedrig dosierte KortikosteroideNur bei Kontraindikation/Versagen von Stufe 1 UND Ausschluss einer Infektion. Langsames Ausschleichen zwingend erforderlich.
3. WahlIVIG, Anakinra oder AzathioprinBei Kortikosteroid-abhängiger, rezidivierender Perikarditis ohne Ansprechen auf Colchicin.
4. WahlPerikardektomieLetzte Option bei therapierefraktären Verläufen.

Kortikosteroide werden nicht als Therapie der ersten Wahl empfohlen (Empfehlungsgrad III).

Perikarditis mit Myokardbeteiligung (Myoperikarditis)

Bei gleichzeitiger Erhöhung von myokardialen Nekrosemarkern (Troponin, CK-MB) ohne Einschränkung der linksventrikulären Funktion in der Bildgebung liegt eine Myoperikarditis vor.

  • Koronarangiographie: Empfohlen zum Ausschluss eines akuten Koronarsyndroms.
  • CMR: Zur Bestätigung der Myokardbeteiligung empfohlen.
  • Therapie: Stationäre Aufnahme und strikte Vermeidung körperlicher Aktivität für mindestens 6 Monate.

Perikarderguss und Herzbeuteltamponade

Die transthorakale Echokardiographie ist das Mittel der Wahl zur Diagnose und semiquantitativen Beurteilung der Ergussgröße (klein < 10 mm, mittel 10-20 mm, groß > 20 mm).

Eine Herzbeuteltamponade ist lebensbedrohlich und erfordert eine dringliche Perikardiozentese oder Herzoperation (Empfehlungsgrad I). Vasodilatatoren und Diuretika sind bei einer Herzbeuteltamponade kontraindiziert (Empfehlungsgrad III).

Konstriktive Perikarditis

Die konstriktive Perikarditis entsteht durch Vernarbung und führt zu einer diastolischen Füllungsbehinderung. Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die restriktive Kardiomyopathie.

KriteriumKonstriktive PerikarditisRestriktive Kardiomyopathie
EchokardiographieParadoxe Septumbewegung, Perikardverdickung, Atemvariabilität des Mitraleinflusses > 25%Kleiner LV, große Vorhöfe, keine signifikante Atemvariabilität
CT/CMRPerikarddicke > 3-4 mm, VerkalkungenNormale Perikarddicke (< 3 mm)
Herzkatheter"Dip-Plateau-Phänomen", LVEDP ≈ RVEDPLVEDP > RVEDP (um ≥ 5 mmHg)

Die Therapie der Wahl bei chronisch andauernder konstriktiver Perikarditis ist die Perikardektomie (Empfehlungsgrad I).

Spezifische Ursachen

  • Tuberkulöse Perikarditis: In Endemiegebieten wird eine empirische Antituberkulose-Chemotherapie bei exsudativem Erguss empfohlen. Tuberkulostatika über 6 Monate sind zur Prävention einer Konstriktion indiziert.
  • Eitrige Perikarditis: Erfordert eine sofortige Perikardiozentese, effektive Drainage und intravenöse Antibiotika.
  • Nierenversagen: Bei urämischer Perikarditis ist eine Dialysebehandlung indiziert.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie bei der akuten Perikarditis primär auf Kortikosteroide, da diese chronische Verläufe und Rezidive begünstigen. Setzen Sie stattdessen konsequent auf die Kombination aus NSAR/ASS und Colchicin.

Häufig gestellte Fragen

Durch das Vorliegen von mindestens 2 der 4 Kriterien: perikarditische Thoraxschmerzen, Perikardreiben, neue ST-Hebungen/PR-Senkungen im EKG oder ein neuer/zunehmender Perikarderguss.
Bis zum Abklingen der Symptome und Normalisierung von CRP, EKG und Echokardiogramm. Bei Sportlern gilt dies für mindestens 3 Monate.
Nur als Therapie der 2. Wahl, wenn ASS/NSAR und Colchicin kontraindiziert sind oder nicht wirken, eine infektiöse Ursache ausgeschlossen wurde oder eine spezifische Autoimmunerkrankung vorliegt.
Die komplette Perikardektomie.
Die konstriktive Perikarditis zeigt typischerweise eine paradoxe Septumbewegung, Perikardverdickung und eine atmungsabhängige Variabilität der mitralen E-Spitzengeschwindigkeit von > 25%.

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