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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Endokarditis: ESC/DGK-Leitlinie 2023

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Behandlung sollte durch ein multidisziplinäres Endokarditis-Team erfolgen, bei Komplikationen zwingend in einem Herzklappen-Zentrum.
  • Eine Antibiotikaprophylaxe vor zahnärztlichen Eingriffen wird ausschließlich für Hochrisikopatienten empfohlen.
  • Die Echokardiographie (TTE, ggf. gefolgt von TEE) bleibt das primäre bildgebende Verfahren.
  • Die modifizierten ESC-Diagnosekriterien 2023 werten nun auch kardiale CT, 18F-FDG-PET/CT und WBC SPECT/CT als Hauptkriterien.
  • Die Antibiotikatherapie erfolgt zweiphasig (initial i.v., später ggf. oral) und richtet sich spezifisch nach Erreger und Klappenstatus.
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Hintergrund

Die Behandlung von Patienten mit infektiöser Endokarditis (IE) erfordert ein multidisziplinäres Endokarditis-Team. Bei unkomplizierter IE kann die Behandlung in einem Zuweiserzentrum erfolgen. Bei Komplikationen (z.B. Herzinsuffizienz, schwere Klappeninsuffizienz, Abszesse, Schlaganfall oder unkontrollierte Infektion) wird eine frühzeitige Verlegung in ein Herzklappen-Zentrum empfohlen (Klasse I).

Herzklappen-Zentrum (Zentrale Mitglieder)Ergänzende Fachrichtungen
Kardiologe, HerzchirurgRadiologe, Nuklearmediziner
Experte für kardiale BildgebungNeurologe, Neurochirurg
Infektiologe / MikrobiologeNephrologe, Intensivmediziner

Prävention und Antibiotikaprophylaxe

Eine Antibiotikaprophylaxe wird nur bei Hochrisikopatienten empfohlen (Klasse I). Bei Patienten mit mittlerem oder geringem Risiko wird sie nicht empfohlen (Klasse III).

Hochrisikopatienten (Indikation zur Prophylaxe):

  • Patienten mit früherer IE
  • Chirurgisch oder kathetergestützt implantierte Herzklappenprothesen
  • Unbehandelte zyanotische angeborene Herzfehler (AHF)
  • Patienten mit ventrikulären Unterstützungssystemen

Prophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen

Die Gabe erfolgt als Einzeldosis 30–60 Minuten vor dem Eingriff (Zahnextraktionen, Eingriffe an der Gingiva oder periapikalen Region).

SituationAntibiotikumDosis (Erwachsene)
Keine AllergieAmoxicillin2 g p.o.
Keine Allergie (parenteral)Ampicillin / Cefazolin / Ceftriaxon2 g i.v./i.m. bzw. 1 g i.v./i.m.
Penicillin-AllergieAzithromycin oder Clarithromycin500 mg p.o.
Penicillin-AllergieDoxycyclin100 mg p.o.

Diagnostik

Die Diagnose stützt sich auf Klinik, Blutkulturen und Bildgebung. Bei Verdacht auf eine Blutkultur-negative IE (BCNIE) muss ein Mikrobiologe hinzugezogen werden, da spezielle Kulturen oder PCR-Verfahren (z.B. für C. burnetii, Bartonella spp.) notwendig sind.

Bildgebende Verfahren

  • TTE: Primäres bildgebendes Verfahren bei Verdacht auf IE (Klasse I).
  • TEE: Empfohlen bei negativer/nicht-diagnostischer TTE, bei Klappenprothesen/Devices oder vor Umstellung auf orale Antibiose (Klasse I).
  • Kardiale CT / 18F-FDG-PET/CT: Empfohlen zur Detektion von Klappenläsionen oder paravalvulären Komplikationen, besonders bei Prothesen-Endokarditis (PVE) (Klasse I).

Modifizierte ESC-Diagnosekriterien 2023

Kriterium-TypDefinition
Hauptkriterien- Positive Blutkulturen (typische Erreger in 2 unabhängigen Proben oder anhaltend positiv)<br>- Bildgebung positiv für IE (TTE/TEE, Kardiale CT, 18F-FDG-PET/CT, WBC SPECT/CT)
Nebenkriterien- Prädisposition (Herzerkrankung, i.v. Drogenabusus)<br>- Fieber > 38 Grad Celsius<br>- Embolisch-vaskuläre Dissemination (z.B. Janeway-Läsionen, intrakranielle Blutungen)<br>- Immunologische Phänomene (Osler-Knötchen, Roth-Flecken, Glomerulonephritis)<br>- Mikrobiologischer Nachweis (der kein Hauptkriterium erfüllt)

Klassifizierung:

  • Definitiv: 2 Hauptkriterien ODER 1 Haupt- + 3 Nebenkriterien ODER 5 Nebenkriterien.
  • Möglich: 1 Haupt- + 1-2 Nebenkriterien ODER 3-4 Nebenkriterien.

Prognostische Faktoren

Die Prognose bei Aufnahme wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Starke Prädiktoren für eine schlechte Prognose sind:

  • Höheres Alter und Gebrechlichkeit
  • Klappenprothesen-IE
  • Herzinsuffizienz oder septischer Schock
  • Zerebrale Komplikationen
  • Infektion durch S. aureus oder Pilze
  • Echokardiographisch: Periannuläre Komplikationen (Abszesse), schwere Klappeninsuffizienz, reduzierte LVEF

Antibiotikatherapie

Die Therapie erfolgt meist zweiphasig: Initial intravenös (bis zu 2 Wochen) zur Eradikation planktonischer Bakterien, gefolgt von einer Fortsetzung (i.v. oder oral) für bis zu 6 Wochen zur Elimination ruhender Bakterien.

Beispiel: Penicillin-sensible orale Streptokokken (Nativklappe)

Standardbehandlung für 4 Wochen (Nativklappe) bzw. 6 Wochen (Prothese):

WirkstoffDosis (Erwachsene)Empfehlung
Penicillin G12–18 Millionen U/Tag i.v. (in 4–6 Dosen)Klasse I
Amoxicillin12 g/Tag i.v. (in 4–6 Dosen)Klasse I
Ceftriaxon2 g/Tag i.v. (in 1 Dosis)Klasse I
Vancomycin30 mg/kg/Tag i.v. (in 2 Dosen)Klasse I (bei Beta-Laktam-Allergie)

(Hinweis: Für Staphylokokken, Enterokokken und resistente Stämme gelten spezifische, teils kombinierte Schemata mit (Flu)cloxacillin, Cefazolin, Daptomycin oder Gentamicin gemäß Leitlinie).

Bei Methicillin-sensiblen Staphylokokken (Nativklappe) wird (Flu)cloxacillin (12 g/Tag i.v.) oder Cefazolin (6 g/Tag i.v.) für 4-6 Wochen empfohlen (Klasse I).

💡Praxis-Tipp

Gewinnen Sie immer Blutkulturen vor Beginn der empirischen Antibiotikatherapie, um eine Blutkultur-negative Endokarditis (BCNIE) zu vermeiden. Bei unklarem TTE oder hohem klinischen Verdacht ist zwingend ein TEE durchzuführen.

Häufig gestellte Fragen

Nur Hochrisikopatienten: Patienten mit Klappenprothesen, stattgehabter Endokarditis, unbehandelten zyanotischen angeborenen Herzfehlern oder ventrikulären Unterstützungssystemen.
Standardmäßig Amoxicillin 2 g p.o. 30-60 Minuten vor dem Eingriff. Bei Penicillin-Allergie z.B. Azithromycin/Clarithromycin 500 mg p.o. oder Doxycyclin 100 mg p.o.
Positive Blutkulturen (typische Erreger) und eine positive Bildgebung (Echokardiographie, kardiale CT, 18F-FDG-PET/CT oder WBC SPECT/CT).
Bei klinischem Verdacht und negativem/nicht-diagnostischem TTE, bei Vorhandensein einer Klappenprothese oder eines intrakardialen Devices sowie vor Umstellung auf eine orale Antibiose.

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