Sachkunde Herzschrittmachertherapie: Curriculum (DGK)
📋Auf einen Blick
- •Die Sachkunde Herzschrittmachertherapie erfordert neben rhythmologischen auch fundierte technische Kenntnisse.
- •Das Curriculum der DGK umfasst 6 Module mit insgesamt 36 Unterrichtseinheiten.
- •Zentrale Themen sind Indikationsstellung, Implantationstechnik, Fehlersuche und die strukturierte Nachsorge.
Hintergrund
Der Einsatz von aktiven Implantaten wie Herzschrittmachern ist in Deutschland durch das Medizinproduktegesetz (MPG) und die Betreiberverordnung streng geregelt. Die Sachkunde Herzschrittmachertherapie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) definiert die theoretischen und praktischen Voraussetzungen, die Ärzte für eine qualitativ hochwertige Schrittmachertherapie benötigen. Neben rhythmologischen Kenntnissen ist ein fundiertes technisches Verständnis zwingend erforderlich.
Struktur des Sachkundekurses
Das Curriculum gliedert sich in theoretische und praktische Unterrichtseinheiten (UE à 45 Minuten):
| Abschnitt | Thema | Dauer |
|---|---|---|
| 1 | Grundlagen (Indikationen, Technik, Recht) | 8 UE |
| 2 | Stimulationsformen & Hämodynamik | 6 UE |
| 3 | Schrittmacherfehlfunktionen | 4 UE |
| 4 | Programmierung und Nachsorge | 10 UE |
| 5 | Praktische Übungen und Fallbeispiele | 6 UE |
| 6 | Erfolgskontrolle (Multiple-Choice) | 2 UE |
Diagnostik und Indikationsstellung
Vor der Implantation muss eine präzise Klassifikation der Rhythmusstörung erfolgen. Zu den Kernbereichen der Diagnostik gehören:
- Sinusknotensyndrom (SKS): Persistierende Bradykardie, Tachykardie-Bradykardie-Syndrom, chronotrope Inkompetenz.
- AV-Blockierungen: Differenzierung der AV-Blöcke (I. bis III. Grades) und Schenkelblöcke.
- Synkopen: Abklärung neurokardialer Synkopen und des Karotissinus-Syndroms.
Implantation und Komplikationen
Die Implantation erfordert die sorgfältige Wahl des Zugangs (z. B. V. cephalica, V. subclavia) und der Sondenplatzierung. Mögliche Komplikationen werden in intra- und postoperative Ereignisse unterteilt:
| Phase | Typische Komplikationen |
|---|---|
| Intraoperativ | Asystolie, Kammerflimmern, Myokardperforation, Pneumothorax, Luftembolie |
| Peri-/Postoperativ | Taschenhämatom, Sondeninfektion, Venenthrombose, Sondendislokation (z. B. Twiddler-Syndrom), Zwerchfellstimulation |
Nachsorge und Programmierung
Eine strukturierte Nachsorge ist essenziell für die Patientensicherheit. Die regulären Kontrollen umfassen zwingend:
- Überprüfung von Spontanrhythmus und effektiver Stimulation
- Messung der Batteriekapazität und Elektrodenimpedanz
- Bestimmung der Reiz- und Wahrnehmungsschwelle
- Abfrage diagnostischer Daten (Ereignisspeicher, Histogramme)
Zunehmend an Bedeutung gewinnt die telemedizinische Nachsorge, die eine kontinuierliche Überwachung der Elektrodenintegrität und automatisierte Reizschwellenbestimmungen ermöglicht.
Schrittmacherfehlfunktionen und Störquellen
Ärzte müssen in der Lage sein, Fehlfunktionen im EKG zu erkennen (z. B. Undersensing, Oversensing, Exitblock). Zudem müssen Patienten über mögliche externe Störquellen aufgeklärt werden:
- Medizinisch: MRT, Strahlentherapie, Elektrokauter, Defibrillatoren
- Alltag/Beruf: Diebstahlsicherungen, Elektroschweißgeräte, starke Magnete
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Erkennung und Vermeidung schrittmacherbeteiligter Tachykardien (PMT), beispielsweise durch geeignete Mode-Switch-Algorithmen oder Anpassung der postventrikulären atrialen Refraktärperiode (PVARP).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der Nachsorge systematisch telemetrische Messungen (Batterieimpedanz, Reizschwelle) und prüfen Sie den Ereignisspeicher routinemäßig auf asymptomatische Rhythmusstörungen.