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DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)Kardiologie

Akute Lungenembolie: Interventionelle Therapie (DGK)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei akuter Lungenembolie mit hohem Risiko ist die systemische Thrombolyse die Standardtherapie (Klasse I).
  • Kathetergestützte Verfahren sind bei therapierefraktärer Instabilität, erfolgloser Lyse oder Kontraindikationen indiziert.
  • Die Etablierung multidisziplinärer Lungenembolie-Teams (LET) wird für eine schnelle, risikoadaptierte Entscheidungsfindung empfohlen (Klasse IIa).
  • Eine mechanische Kreislaufunterstützung (z.B. VA-ECMO) dient nur als Überbrückung zur Reperfusionstherapie (Klasse IIb).
  • Nach 3 bis 6 Monaten Antikoagulation sollte eine Nachsorge zum Ausschluss einer chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) erfolgen.
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Hintergrund

Die akute Lungenembolie (LE) ist ein potenziell lebensbedrohliches kardiovaskuläres Syndrom. Die Beurteilung der vitalen Gefährdung und die therapeutische Strategie basieren auf der Einschätzung des frühen Sterblichkeitsrisikos. Eine Hochrisiko-LE ist durch eine manifeste oder unmittelbar drohende hämodynamische Instabilität definiert.

Risikostratifizierung und Monitoring

Die Überwachung von LE-Patienten richtet sich primär nach der Risikoklasse. Bei hämodynamisch stabilen Patienten wird der PESI- oder sPESI-Score zur Unterscheidung zwischen intermediärem und niedrigem Risiko empfohlen.

RisikoVersorgungsstufeMonitoring
HochIntensivstation, alternativ SchockraumKontinuierliches hämodynamisches Basismonitoring
Intermediär-hochIntermediate-Care-Station (IMC)Diskontinuierliches hämodynamisches Basismonitoring
Intermediär-niedrigNormalstationäre BehandlungKein hämodynamisches Basismonitoring notwendig
NiedrigAmbulante BehandlungKein hämodynamisches Basismonitoring notwendig

Systemische Thrombolyse

Die systemische intravenöse Thrombolyse wird bei Patienten mit akuter LE und hohem Risiko mit einem hohen Empfehlungsgrad (Klasse I) befürwortet. Bei intermediär-hohem Risiko wird sie als Erstlinientherapie nicht empfohlen.

SubstanzVolldosisBeschleunigtes Schema
rtPA (Alteplase)100 mg über 2 h0,6 mg/kg über 15 min (max. 50 mg)
Streptokinase250.000 IE (30 min), dann 100.000 IE/h (12–24 h)1,5 Mio. IE über 2 h
Urokinase4400 IE/kg (10 min), dann 4400 IE/kg/h (12–24 h)3 Mio. IE über 2 h

Absolute Kontraindikationen gegen eine Thrombolyse umfassen unter anderem:

  • Anamnese eines hämorrhagischen Schlaganfalls oder Schlaganfalls unklarer Genese
  • Ischämischer Schlaganfall in den letzten 6 Monaten
  • Tumorerkrankung des zentralen Nervensystems
  • Schweres Trauma, chirurgischer Eingriff oder Kopfverletzung in den letzten 3 Wochen
  • Blutungsdiathese oder aktive Blutung

Kathetergestützte Therapien

Eine Reperfusionstherapie mittels kathetergestützter Verfahren (Thrombusfragmentation/-aspiration) ist zu erwägen bei:

  • Manifester, therapierefraktärer Kreislaufinstabilität
  • Nach erfolgloser systemischer thrombolytischer Behandlung
  • Hohem Blutungsrisiko und Kontraindikation(en) gegen eine systemische Thrombolyse
Interventionelle TechnikSystem-BeispieleWirkmechanismus
Kathetergestützte Thrombolyse (KTL)Uni-Fuse, Cragg-McNamaraKatheter mit mehreren Seitlöchern
Ultraschall-assistierte ThrombolyseEkoSonicUltraschall-assistierte Thrombolyse
Kathetergestützte ThrombektomiePronto XL, Aspirex, Indigo, FlowTrieverAspiration, mechanische Fragmentierung

Kathetergestützte Verfahren sollten grundsätzlich von einer parenteralen Antikoagulation mit unfraktioniertem oder niedermolekularem Heparin begleitet werden.

Mechanische Kreislaufunterstützung

Eine mechanische Kreislaufunterstützung (z.B. venoarterielle ECMO) ist kein eigenständiges kausales Behandlungsverfahren für akute Lungenembolien. Sie kann als Überbrückung in Kombination mit einer kathetergestützten Intervention oder operativen Embolektomie eingesetzt werden (Klasse IIb).

SystemKanülierungFluss
ECMOArteriell und venös femoralMax. 7,0 l/min
Impella RPVenös femoral4,0 l/min
ProtekDuo mit TandemHeartVenös jugular4,5 l/min

Multidisziplinäres Lungenembolie-Team (LET)

Die Etablierung multidisziplinärer Lungenembolie-Teams wird empfohlen (Klasse IIa). Ziel ist es, Therapieentscheidungen bei akuten Lungenembolien (hohes und intermediär-hohes Risiko) zu koordinieren und zu beschleunigen. Das Team sollte Spezialisten aus Kardiologie, Notfallmedizin, Intensivmedizin, Radiologie sowie Chirurgie/Pneumologie umfassen und über eine 24-h-Verfügbarkeit verfügen.

Nachsorge und chronische Lungenembolie

Nach einer akuten LE wird in 0,5–4 % der Fälle eine chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) diagnostiziert.

  • Eine ambulante Vorstelllung und Nachsorge aller Patienten wird nach 3- bis 6-monatiger therapeutischer Antikoagulation empfohlen.
  • Bei Verdacht auf CTEPH sollte eine weitere Diagnostik (Ventilations-Perfusions-Szintigraphie) und Therapieplanung in einem CTEPH-Expertenzentrum erfolgen.

💡Praxis-Tipp

Aktivieren Sie bei Patienten mit Hochrisiko- oder intermediär-hoher Risiko-Lungenembolie frühzeitig das multidisziplinäre Lungenembolie-Team (LET), um Reperfusionsstrategien proaktiv festzulegen. Nutzen Sie bei absoluten Kontraindikationen gegen eine systemische Lyse kathetergestützte Aspirationssysteme ohne periprozedurale Heparingabe.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten mit akuter Lungenembolie und hohem Risiko (manifeste oder unmittelbar drohende hämodynamische Instabilität) als Erstlinientherapie (Klasse I).
Absolute Kontraindikationen sind u.a. hämorrhagischer Schlaganfall in der Anamnese, ischämischer Insult in den letzten 6 Monaten, ZNS-Tumoren, schwere Traumata/OPs in den letzten 3 Wochen sowie aktive Blutungen.
Bei manifester, therapierefraktärer Kreislaufinstabilität, nach erfolgloser systemischer Lyse oder bei hohem Blutungsrisiko bzw. Kontraindikationen gegen eine systemische Thrombolyse.
Nein, die VA-ECMO ist keine kausale Therapie. Sie dient lediglich als Überbrückung (Bridge-to-Recovery/Reperfusion) in Kombination mit interventionellen oder operativen Verfahren (Klasse IIb).
Nach 3- bis 6-monatiger therapeutischer Antikoagulation sollte eine klinische und echokardiographische Nachsorge erfolgen, um eine chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) frühzeitig zu erkennen.

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