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Akuttherapie ischämischer Schlaganfall: Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Alle akuten Schlaganfallpatienten sollen auf einer Stroke Unit behandelt werden.
  • Systemische Thrombolyse mit Alteplase (0,9 mg/kg) innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn.
  • Mechanische Thrombektomie bei Großgefäßverschluss im vorderen Kreislauf innerhalb von 6 Stunden.
  • Blutdrucksenkung vor Thrombolyse auf ≤ 180/105 mmHg; ohne Rekanalisationstherapie erst ab ≥ 220/120 mmHg.
  • Sauerstoffgabe nur bei Sättigung < 95 %, keine routinemäßige Gabe.
  • Frühe Sekundärprävention mit 100-300 mg ASS innerhalb von 24-48 Stunden.
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Hintergrund

Die Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls erfordert ein schnelles und zielgerichtetes Management. Laut der aktuellen AWMF-Leitlinie sollen alle akuten Schlaganfallpatienten auf einer Stroke Unit behandelt werden. Dies gilt auch für Patienten mit einer TIA-Symptomatik innerhalb der letzten 48 Stunden.

Prähospitales Screening und Diagnostik

Zur prähospitalen Erkennung sollte eine etablierte Skala angewendet werden. Bei allen Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall, die Kandidaten für eine Reperfusionstherapie sind, soll eine sofortige Bildgebung des Gehirns (CT oder MRT) erfolgen.

Screening-ToolParameterSensitivitätSpezifität
FASTFace, Arm, Speech, Time82 %83 %
ROSIERRecognition of Stroke in the Emergency Room93 %83 %
LAPSSLos Angeles Prehospital Stroke Screen59 %85 %

Basismaßnahmen und Vitalparameter

Ein engmaschiges klinisches Monitoring (z.B. alle 6 bis 8 Stunden) ist sinnvoll.

  • Sauerstoff: Gabe nur bei Sättigung < 95 %. Eine routinemäßige Sauerstoffgabe sollte nicht erfolgen.
  • Glukose: Blutzucker in den ersten 72 Stunden überwachen. Zielbereich: 70-200 mg/dl. Hypoglykämien (< 60 mg/dl) umgehend ausgleichen. Keine routinemäßige kontinuierliche i.v.-Insulingabe zur strengen Blutzuckerkontrolle.
  • Körpertemperatur: Messung alle 4 Stunden (erste 48h). Bei > 37,5 °C Ursachensuche und ggf. Antipyretika (z.B. Paracetamol). Keine prophylaktische Paracetamol-Gabe.

Blutdruckmanagement

Das Blutdruckmanagement richtet sich nach der geplanten Rekanalisationstherapie und Begleiterkrankungen.

Klinische SituationZiel-Blutdruck / MaßnahmeBemerkung
Vor Thrombolyse / Thrombektomie≤ 180/105 mmHgZwingende Voraussetzung für Rekanalisation
Ohne RekanalisationstherapieSenkung erst ab ≥ 220/120 mmHgModerate Senkung (max. 15-25 %) in den ersten 24h
Hypertensiver Notfall*Sofortige Senkung*z.B. Herzinsuffizienz, Aortendissektion, Eklampsie
Hypotonie (< 120 mmHg systolisch)Kristalloide InfusionslösungBei Hinweisen auf Exsikkose

Rekanalisationstherapie

Die Reperfusion soll so früh wie möglich erfolgen.

TherapieZeitfensterIndikation & Dosierung
Systemische Thrombolyse< 4,5 StundenAlteplase (0,9 mg/kg, max. 90 mg). 10 % als Bolus, Rest über 60 Min.
Thrombolyse (erweitert)4,5 - 9 Stunden / Wake-upBei Nachweis eines Mismatch (DWI/FLAIR oder Kern/Penumbra).
Mechanische Thrombektomie< 6 StundenBei Verschluss einer großen Arterie im vorderen Kreislauf.
Thrombektomie (erweitert)> 6 StundenBei Nachweis von rettbarem Risikogewebe (erweiterte Bildgebung).

Hinweis: Tenecteplase kann als Alternative zur Alteplase im 4,5-Stunden-Zeitfenster in Betracht gezogen werden. Patienten im 4,5-Stunden-Zeitfenster mit Indikation zur Thrombektomie sollen vorab eine Thrombolyse erhalten (Bridging), sofern keine Kontraindikationen bestehen.

Frühe Sekundärprävention

  • ASS: Patienten sollen innerhalb von 24-48 Stunden 100-300 mg ASS erhalten.
  • Duale Plättchenhemmung (DAPT): Soll nicht routinemäßig erfolgen. Ausnahmen: Ausgewählte Patienten mit leichtem nicht-kardioembolischem Schlaganfall oder Hochrisiko-TIA können innerhalb von 24 Stunden eine DAPT (ASS + Clopidogrel oder ASS + Ticagrelor) erhalten.

Thromboseprophylaxe

Bei immobilen Patienten besteht ein hohes Thromboembolierisiko.

MaßnahmeEmpfehlungBemerkung
Intermittierende pneumatische Kompression (IPC)Sollte angewendet werdenBei immobilen Patienten ohne offene Wunden an den Beinen.
Medikamentöse Prophylaxe (LMWH / UFH)Kann erwogen werdenStrenge Nutzen-Risiko-Abwägung bzgl. Blutungsrisiko.
KompressionsstrümpfeSollen NICHT verwendet werdenKeine Evidenz für Nutzen, potenzielles Schadensrisiko.

Intensivmedizinische Maßnahmen

Bei einem großen, raumfordernden Hirninfarkt im Stromgebiet der A. cerebri media (Maligner Mediainfarkt) gelten folgende Empfehlungen zur Hemikraniektomie (innerhalb von 48 Stunden):

  • Patienten ≤ 60 Jahre: Hemikraniektomie soll zur Verbesserung der Überlebenschance erfolgen.
  • Patienten > 60 Jahre: Hemikraniektomie kann erfolgen (strenge individuelle Abwägung von Patientenwille und Rehabilitationspotenzial).

💡Praxis-Tipp

Senken Sie den Blutdruck bei Patienten ohne geplante Rekanalisationstherapie in den ersten 24 Stunden nur bei Werten ≥ 220/120 mmHg. Vor einer Thrombolyse muss der Blutdruck jedoch zwingend auf ≤ 180/105 mmHg eingestellt werden.

Häufig gestellte Fragen

Innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn bei ischämischem Schlaganfall ohne Kontraindikationen, unabhängig vom Alter und klinischen Schweregrad (NIHSS).
Vor Thrombolyse oder Thrombektomie muss der Blutdruck auf ≤ 180/105 mmHg gesenkt werden. Ohne Rekanalisationstherapie wird eine moderate Senkung erst ab Werten ≥ 220/120 mmHg empfohlen.
Nein. Sauerstoff sollte nur verabreicht werden, um eine Normoxämie zu erreichen, wenn die Sauerstoffsättigung < 95 % liegt.
Empfohlen wird die intermittierende pneumatische Kompression (IPC). Kompressionsstrümpfe sollen nicht verwendet werden. Eine medikamentöse Prophylaxe kann nach individueller Abwägung erfolgen.
Bei Patienten ≤ 60 Jahre mit großem, raumforderndem Mediainfarkt soll sie innerhalb von 48 Stunden erfolgen. Bei Patienten > 60 Jahre ist eine individuelle Abwägung erforderlich.

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