DGIM Klug entscheiden 2023: Innere Medizin
Hintergrund
Die Initiative „Klug entscheiden“ der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) adressiert seit 2015 Über- und Unterversorgung im klinischen Alltag. Im Jahr 2023 wurden sechs neue Empfehlungen aus den Bereichen Gastroenterologie, Hämatologie/Onkologie und Kardiologie veröffentlicht.
Die Publikation umfasst fünf Negativempfehlungen zu Maßnahmen, die unterlassen werden sollten, sowie eine Positivempfehlung. Die Auswahl basiert auf der klinischen Relevanz und wird durch aktuelle Evidenz sowie bestehende Fachleitlinien gestützt.
Ziel der Initiative ist es, nachweislich nicht nutzbringende Maßnahmen zu reduzieren und gleichzeitig den Fokus auf gut belegte, aber zu wenig beachtete Interventionen zu lenken. Die Empfehlungen sollen eine Hilfestellung für eine evidenzbasierte und patientengerechte Versorgung bieten.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert sechs zentrale Empfehlungen für den klinischen Alltag:
Gastroenterologie
Laut Leitlinie soll eine Zöliakie serologisch ausgeschlossen werden, bevor bei unspezifischen gastrointestinalen Symptomen eine gluten- oder weizenfreie Diät begonnen wird. Es wird die Bestimmung von zöliakiespezifischen Autoantikörpern und Gesamt-IgA empfohlen.
Eine routinemäßige Gabe von Protonenpumpenhemmern (PPI) bei Therapie mit nichtselektiven nichtsteroidalen Antirheumatika (nsNSAR) wird nicht empfohlen. Die Leitlinie betont, dass eine Prophylaxe nur bei Vorliegen von Risikofaktoren indiziert ist. Der Risikofaktor Alter (> 60 Jahre) allein ist hierfür nicht ausreichend.
Hämatologie und Onkologie
Bei stabilen Patienten mit chronischer Anämie ohne schwere kardiale Begleiterkrankung wird ein Ziel-Hämoglobin von etwa 7 g/dl (4,3 mmol/l) empfohlen. Es sollten nicht mehr Einheiten transfundiert werden als nötig, da bereits ein Erythrozytenkonzentrat den Hb-Wert um circa 1 g/dl anhebt.
Bei fortgeschrittener, inkurabler Tumorerkrankung mit eingeschränkter Lebenserwartung (< 1 Monat) ist eine parenterale Ernährung in der Regel nicht indiziert. Die Leitlinie empfiehlt in dieser Phase eine Fokussierung auf die palliativmedizinische Symptomlinderung ("comfort care").
Kardiologie
Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (ACS) und Vorhofflimmern wird von einer 12-monatigen Tripletherapie abgeraten. Stattdessen empfiehlt die Leitlinie folgendes Stufenschema:
| Therapiephase | Zeitraum | Empfohlene Medikation |
|---|---|---|
| Akutphase | bis zu 1 Woche nach Ereignis | Tripletherapie |
| Erhaltungsphase | bis 12 Monate | Duale Therapie (DOAK + einzelner Thrombozytenaggregationshemmer) |
| Langzeittherapie | nach 12 Monaten | Orale Antikoagulation (DOAK) |
Bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom mit geplanter früh-invasiver Behandlung soll keine Vorbehandlung mit P2Y12-Rezeptorantagonisten (zusätzlich zu ASS) erfolgen. Dies gilt laut Leitlinie sowohl für die Prähospital- als auch für die Hospitalphase, da das Blutungsrisiko ohne gesicherten Nutzen steigt.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor folgenden Maßnahmen:
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12-monatige Tripletherapie: Bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom und Vorhofflimmern führt dies zu einer deutlich erhöhten Blutungsrate.
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P2Y12-Preloading: Eine Vorbehandlung mit P2Y12-Inhibitoren vor einer früh-invasiven ACS-Diagnostik birgt ein erhöhtes Blutungsrisiko ohne gesicherten Nutzen.
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Ungezielte PPI-Gabe: Die Kombination aus nsNSAR und PPI ohne Vorliegen von Risikofaktoren sollte vermieden werden, um Nebenwirkungen zu verhindern.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unkritische Verordnung von Protonenpumpenhemmern als Magenschutz bei nsNSAR-Gabe. Die Leitlinie stellt klar, dass ein Alter von über 60 Jahren als alleiniger Risikofaktor keine PPI-Prophylaxe rechtfertigt. Es wird empfohlen, die Indikation zur PPI-Gabe stets kritisch zu prüfen und das Medikament bei fehlenden Risikofaktoren auszuschleichen.
Häufig gestellte Fragen
Bei stabilen Patienten mit chronischer Anämie und ohne schwere kardiale Begleiterkrankungen empfiehlt die Leitlinie einen Ziel-Hämoglobinwert von etwa 7 g/dl. Es sollte stets nur die minimal notwendige Menge an Erythrozytenkonzentraten transfundiert werden.
Eine PPI-Gabe zur Prophylaxe von Ulzera unter nsNSAR ist laut Leitlinie nur bei Vorliegen von Risikofaktoren indiziert. Zu diesen zählen unter anderem eine Ulkus-Vorgeschichte, Begleiterkrankungen wie Leberzirrhose oder Niereninsuffizienz sowie die gleichzeitige Einnahme von Antikoagulanzien.
Die Leitlinie empfiehlt eine Tripletherapie für maximal eine Woche nach dem akuten Ereignis. Danach sollte auf eine duale antithrombotische Therapie aus DOAK und einem Thrombozytenaggregationshemmer deeskaliert werden.
Bei geplanter früh-invasiver Behandlung eines akuten Koronarsyndroms wird von einem Preloading mit P2Y12-Inhibitoren wie Ticagrelor oder Clopidogrel abgeraten. Dieses Vorgehen erhöht das Blutungsrisiko, ohne einen klinischen Nutzen zu belegen.
Bei Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung und einer Lebenserwartung von unter einem Monat ist eine parenterale Ernährung in der Regel nicht indiziert. Die Leitlinie betont, dass in dieser Phase die palliativmedizinische Symptomlinderung im Vordergrund stehen sollte.
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Quelle: DGIM Klug entscheiden: 28.04.2023. Sechs neue Empfehlungen aus den Schwerpunkten Gastroenterologie, Hämatologie/Onkologie und Kardiologie. (DGIM, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.