DGIMS32022Innere Medizin

Morbus Crohn Diagnostik & Therapie: S3-Leitlinie DGIM

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Prävalenz des Morbus Crohn hat in Deutschland in der vergangenen Dekade deutlich zugenommen. Laut der S3-Leitlinie der DGIM stieg die Zahl der Betroffenen zwischen 2012 und 2018 um 13 Prozent an.

Prospektive Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Drittel der Erkrankten einen milden Verlauf aufweist und keine Therapie mit Immunsuppressiva oder Biologika benötigt. Bei einem weiteren Drittel ist der Verlauf hingegen durch chronische Krankheitsaktivität und Komplikationen geprägt.

Die aktualisierte Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für alle an der Versorgung beteiligten Berufsgruppen. Das übergeordnete Ziel der Langzeitbehandlung ist eine steroidfreie klinische Remission bei normalisierter Lebensqualität.

Empfehlungen

Diagnostik

Bei Verdacht auf Morbus Crohn wird eine Dünndarmdiagnostik mittels MR-Enterografie oder alternativ durch eine Sonografie empfohlen. Der Sonografie wird dabei ein fester Stellenwert in der Erstdiagnostik und der Verlaufsbeurteilung zugeordnet.

Vor der Einleitung oder Änderung einer medikamentösen Therapie sollte die entzündliche Aktivität objektiviert werden. Dies erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Einschätzung, laborchemischen Parametern (CRP, fäkales Calprotektin) und bildgebenden Verfahren.

Bei einem schweren akuten Schub oder einem therapierefraktären Verlauf wird eine Untersuchung auf Clostridioides difficile und das Cytomegalievirus empfohlen.

Therapie

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung:

  • Rauchende Personen sollen zur Abstinenz vom Tabakkonsum motiviert werden.

  • Bei hoher Entzündungsaktivität ist initial eine systemische Steroidtherapie mit konsequenter Dosisreduktion indiziert.

  • Ein steroidrefraktärer Morbus Crohn sollte primär mit Biologika (Adalimumab, Infliximab, Ustekinumab oder Vedolizumab) behandelt werden, wobei keine Priorisierung der Substanzen vorgegeben wird.

  • Bei isoliertem Befall der Ileozökalregion, kurzer Anamnese und fehlendem Steroid-Ansprechen ist eine Ileozökalresektion gleichwertig zur Infliximab-Therapie.

  • Die Fisteltherapie erfordert meist einen kombinierten medikamentös-chirurgischen Ansatz in interdisziplinärer Abstimmung.

Monitoring und Therapieversagen

Bei einem sekundären Wirkverlust unter einer TNF-alpha-Antikörpertherapie wird ein reaktives Therapeutic Drug Monitoring (TDM) empfohlen. Darauf basierend sollte eine Dosisanpassung oder ein Therapiewechsel erfolgen.

Eine Therapieintensivierung allein aufgrund endoskopisch nachweisbarer Entzündungen wird derzeit nicht empfohlen. Es gibt keine ausreichende Evidenz dafür, dass bei alleinigem endoskopischem Nachweis eine Therapieoptimierung mit dem Ziel der Mukosaheilung erfolgen sollte.

Dosierung

IndikationMedikamentDosierung
Leichter bis moderater Schub (v.a. Ileozökalübergang/rechtes Hemikolon)Budesonid9 mg/Tag
Höhere entzündliche AktivitätSystemische Steroide1 mg/kg KG (max. 75 mg/Tag)

Kontraindikationen

Systemische Steroide sollen laut Leitlinie nicht zur Remissionserhaltung eingesetzt werden.

Der Einsatz von Mesalazin zur Behandlung eines milden akuten Schubes wird aufgrund heterogener Studienergebnisse und geringer klinischer Wirksamkeit nicht empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass die Chirurgie ein integraler Bestandteil der Behandlung des Morbus Crohn ist und nicht erst als Ultima Ratio betrachtet werden sollte. Zudem wird darauf hingewiesen, dass akute Krankheitsschübe während einer Schwangerschaft ohne Verzögerung therapiert werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt zur Dünndarmdiagnostik primär eine MR-Enterografie oder alternativ eine Sonografie. Der Sonografie wird dabei ein fester Stellenwert in der Erstdiagnostik und Verlaufsbeurteilung eingeräumt.

Bei einem leichten bis moderaten Schub, insbesondere im Bereich des ileozökalen Übergangs, gilt Budesonid als Mittel der Wahl. Mesalazin wird für diese Indikation aufgrund mangelnder Evidenz nicht mehr empfohlen.

Bei einem sekundären Wirkverlust unter einer TNF-alpha-Antikörpertherapie wird ein reaktives Therapeutic Drug Monitoring (TDM) empfohlen. Anschließend sollte die Dosis angepasst oder die Therapie gewechselt werden.

Ja, die Leitlinie stellt klar, dass akute Krankheitsschübe während einer Schwangerschaft ohne Verzögerung therapiert werden sollten.

Chirurgische Eingriffe gelten als integraler Bestandteil der Therapie. Bei isoliertem Befall der Ileozökalregion, kurzer Anamnese und fehlendem Ansprechen auf Steroide ist eine Resektion gleichwertig zu einer Biologika-Therapie.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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