DGIMS32024Innere Medizin

Mikrohämaturie & Nierenerkrankung: S3-Leitlinie DGIM

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die S3-Leitlinie der DGIM, GPN und DGfN fokussiert sich auf die Früherkennung von Nierenerkrankungen bei Kindern und jungen Erwachsenen. Ziel ist es, durch eine frühzeitige Diagnose und Abklärung das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz hinauszuzögern.

Ein zentrales Frühwarnzeichen stellt die isolierte oder kombinierte Mikrohämaturie dar. Die Leitlinie definiert klare Kriterien, wann eine weiterführende nephrologische Abklärung zwingend erforderlich ist.

Zusätzlich beinhaltet das Dokument aktuelle Empfehlungen zur Therapie der chronischen Nierenerkrankung (CKD). Hierbei wird insbesondere das Management der RAS-Blockade bei fortgeschrittener Nierenfunktionseinschränkung adressiert.

Empfehlungen

Initiale Abklärung und Red Flags

Laut Leitlinie ist das alleinige Auftreten einer glomerulären Mikrohämaturie ein Frühwarnzeichen für Nierenerkrankungen. Eine Makrohämaturie ohne Harnwegsinfekt wird als stets auffällig eingestuft und erfordert eine zeitnahe fachärztliche Abklärung.

Eine sofortige nephrologische Vorstellung wird empfohlen bei:

  • Mikrohämaturie in Kombination mit Proteinurie

  • Begleitendem Bluthochdruck

  • Eingeschränkter Nierenfunktion

Diagnostik bei persistierender Mikrohämaturie

Die Persistenz der Mikrohämaturie ist entscheidend für die pathologische Relevanz. Es wird empfohlen, den Befund mehrfach im Verlauf von 3 bis 6 Monaten zu kontrollieren (starke Empfehlung).

Zudem sollte eine Familienanamnese bezüglich Nierenerkrankungen erhoben und Verwandte auf Mikrohämaturie getestet werden.

Bei bestätigter Persistenz empfiehlt die Leitlinie folgende Basisschritte (starke Empfehlung):

  • Quantitative Bestimmung von Proteinurie und Albuminurie (Kreatinin-Quotient)

  • Bestimmung von Akanthozyten im Urin

  • Sonographie der Nieren und ableitenden Harnwege

Erweiterte Diagnostik und Genetik

Als weiterführende Diagnostik wird die Bestimmung von IgG und Alpha-1-Mikroglobulin im Spontanurin sowie Cystatin C, Kreatinin, Harnstoff und eGFR im Blut empfohlen (starke Empfehlung).

Bei Verdacht auf eine floride glomeruläre Erkrankung sollte eine erweiterte Labordiagnostik (Albumin, C3, C4, ANA, dsDNA, ANCA) erfolgen. Anschließend ist eine molekulargenetische Diagnostik oder Nierenbiopsie zu erwägen.

Bei Kindern ohne Proteinurie, Hypertonie und reduzierte eGFR wird empfohlen, erst nach einer molekulargenetischen Diagnostik eine Nierenbiopsie zu erwägen (starke Empfehlung).

Therapie der chronischen Nierenerkrankung

Die Leitlinie spricht sich dafür aus, Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems (RAS-Blocker) auch bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² beizubehalten. Ein Absetzen ist laut Studien mit einer höheren Gesamtmortalität und schnellerer Dialysepflichtigkeit assoziiert.

Möglichen Kaliumentgleisungen sollte zunächst konservativ oder medikamentös begegnet werden. Hierzu zählen der Einsatz von Schleifendiuretika, die Therapie einer metabolischen Azidose, eine kaliumarme Diät oder die Gabe von Kaliumbindern.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, zur primären Abklärung einer Mikrohämaturie bei Kindern und jungen Erwachsenen eine Zystoskopie durchzuführen. Eine Blasenspiegelung wird nur dann empfohlen, wenn die Sonographie unklare Auffälligkeiten der Blase zeigt und alle nicht-invasiven diagnostischen Alternativen vollständig ausgeschöpft wurden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist eine zeitnahe nephrologische Abklärung erforderlich, wenn zusätzlich eine Proteinurie, ein erhöhter Blutdruck oder eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegen. Auch eine persistierende Mikrohämaturie über 3 bis 6 Monate erfordert eine weitere Diagnostik.

Nein, die Leitlinie empfiehlt, RAS-Blocker auch bei einer eGFR unter 30 ml/min/1,73 m² beizubehalten. Ein Absetzen verschlechtert das kardiovaskuläre Outcome und beschleunigt die Dialysepflichtigkeit.

Es wird empfohlen, einer Kaliumentgleisung zunächst mit Schleifendiuretika, der Therapie einer metabolischen Azidose oder einer kaliumarmen Diät zu begegnen. Alternativ kann die Gabe von Kaliumbindern erfolgen.

Bei Kindern ohne Proteinurie, Hypertonie und ohne reduzierte eGFR sollte gemäß Leitlinie zunächst eine molekulargenetische Diagnostik erfolgen. Erst im Anschluss ist eine Nierenbiopsie zu erwägen.

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Quelle: DGIM Keyfacts: S3-LL Mikro-Hämaturie (DGIM, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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