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Chronische Nierenkrankheit (CKD): Leitlinie (DEGAM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf DEGAM (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Diagnose einer CKD erfordert bei einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m² eine Bestätigung durch eine zweite Messung nach 3 Monaten.
  • Ein allgemeines Screening asymptomatischer Erwachsener wird nicht empfohlen, jedoch ein regelmäßiges Monitoring bei Risikogruppen wie Diabetikern und Hypertonikern.
  • SGLT2-Hemmer werden bei einer Albuminurie ≥ 300 mg/g oder einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² empfohlen.
  • NSAR sind bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² absolut kontraindiziert.
  • Eine Überweisung in die Nephrologie soll bei jeder eGFR < 30 ml/min/1,73 m² erfolgen.
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Hintergrund

Die chronische Nierenkrankheit (CKD) ist definiert durch eine eingeschränkte Nierenfunktion oder Nierenschäden (wie Albuminurie), die mindestens 3 Monate bestehen. In der Hausarztpraxis sind meist ältere Patienten in frühen Stadien betroffen. Die Hauptursachen für ein dialysepflichtiges Nierenversagen sind Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie.

Klassifikation der CKD

Die Einteilung erfolgt nach den KDIGO-Kriterien anhand der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) und der Albuminurie.

GFR-StadiumeGFR (ml/min/1,73 m²)Bezeichnung
G1≥ 90normal oder hoch
G260-89leichtgradig eingeschränkt
G3a45-59leicht- bis mäßiggradig eingeschränkt
G3b30-44mäßig- bis hochgradig eingeschränkt
G415-29hochgradig eingeschränkt
G5< 15Nierenversagen
Albuminurie-StadiumUACR (mg/g)Bezeichnung
A1< 30normal bis leicht erhöht
A230-300mäßig erhöht
A3> 300stark erhöht

Screening und Diagnostik

Ein allgemeines Screening asymptomatischer Erwachsener ohne Risikofaktoren wird nicht empfohlen.

Bei Risikogruppen gelten folgende Empfehlungen:

  • Diabetes mellitus: Einmal jährlich eGFR bestimmen.
  • Bluthochdruck: Bei Erstdiagnose eGFR bestimmen. Ist diese < 60 ml/min/1,73 m², soll die Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) im Urin bestimmt werden.
  • Nephrotoxische Medikation: Bei dauerhafter Einnahme mindestens einmal jährlich die Nierenfunktion prüfen.

Vorgehen bei Erstdiagnose einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m²:

  • Soll nach 3 Monaten kontrolliert werden, um die Diagnose CKD zu sichern.
  • Soll eine Bestimmung der UACR und ein Urinstreifentest auf Hämaturie erfolgen.
  • Sollte eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Nieren empfohlen werden.
  • Soll das kardiovaskuläre Risiko mit einem validierten Score evaluiert werden.

Therapie und Medikamentenmanagement

Die Therapie zielt auf die Progressionshemmung und kardiovaskuläre Prävention ab.

  • Blutdruck: Zielwerte individuell festlegen. Bevorzugt ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptorblocker (ARB) einsetzen.
  • SGLT2-Hemmer: Empfohlen bei Albuminurie ≥ 300 mg/g oder eGFR < 45 ml/min/1,73 m². Unterhalb einer eGFR von 20 ml/min/1,73 m² sollte keine Therapie neu begonnen werden.
  • Statine: Patienten ≤ 75 Jahre ohne kardiovaskuläres Ereignis sollen bei hohem Risiko ein Statin zur Primärprävention erhalten.
  • Hyperurikämie: Eine asymptomatische Hyperurikämie soll nicht harnsäuresenkend behandelt werden.
  • Ernährung: Mediterrane Kost, kochsalzarm, Verzicht auf Fertigprodukte (phosphathaltige Zusatzstoffe). Normale Proteinzufuhr (0,8-1,0 g/kg).

Umgang mit Risikomedikamenten

Vor jeder Neuverordnung soll die Nierenfunktion beachtet werden. Mindestens einmal jährlich soll ein Medikamentenreview erfolgen.

MedikamentengruppeAuswirkung bei CKDEmpfehlung / Maßnahme
NSARNephrotoxisch, renale MinderperfusionBei eGFR < 30 kontraindiziert. Bei > 30 so kurz und niedrig dosiert wie möglich.
MetforminLaktatazidose-RisikoBei eGFR < 30 ml/min/1,73 m² pausieren/vermeiden.
ACE-Hemmer / ARBHyperkaliämie, HypotonieNierenwerte nach Einleitung kontrollieren. Kombination beider Wirkstoffe vermeiden.
KontrastmittelAkute NierenschädigungeGFR-Messung vor Gabe, kritische Indikationsstellung, ausreichende Hydrierung.

Überweisung in die Nephrologie

Eine nephrologische Mitbeurteilung sollte empfohlen werden:

  • Generell bei jeder erstmals festgestellten eGFR < 30 ml/min/1,73 m².
  • Bei eGFR 30-60 ml/min/1,73 m² in Kombination mit: persistierender Hämaturie, Albuminurie ≥ A2, refraktärer Hypertonie (≥ 3 Wirkstoffe) oder Auffälligkeiten im Ultraschall.
  • Bei Verdacht auf renale Anämie oder Störungen im Calcium-Phosphat-Haushalt (CKD-MBD).

Impfungen

Abweichend von der Allgemeinbevölkerung sollen CKD-Patienten folgende Impfungen erhalten:

  • Influenza: Jährlich, auch unter 60 Jahren.
  • Herpes Zoster: Ab 50 Jahren.
  • Pneumokokken: PCV20 ohne Altersangabe.
  • RSV: Einmalig ab 60 Jahren.
  • Hepatitis B: Bei Immunsuppression oder drohender Nierenersatztherapie.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie bei Patienten mit CKD mindestens einmal jährlich ein Medikamentenreview durch. Achten Sie dabei besonders auf freiverkäufliche Medikamente (OTC) wie NSAR, da diese bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² kontraindiziert sind.

Häufig gestellte Fragen

Von einer CKD spricht man bei einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m² und/oder einer Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) > 30 mg/g, wenn diese Veränderungen über mindestens 3 Monate bestehen.
Eine Überweisung sollte generell bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² erfolgen. Bei einer eGFR zwischen 30 und 60 ist sie indiziert, wenn zusätzlich eine persistierende Hämaturie, eine Albuminurie ≥ A2, eine refraktäre Hypertonie oder Auffälligkeiten im Ultraschall vorliegen.
NSAR (wie Ibuprofen oder Diclofenac) sind bei einer eGFR < 30 ml/min/1,73 m² absolut kontraindiziert. Bei einer eGFR > 30 sollten sie nur so kurz und niedrig dosiert wie möglich eingesetzt werden.
SGLT2-Hemmer werden bei einer Albuminurie ≥ 300 mg/g oder einer eGFR < 45 ml/min/1,73 m² empfohlen. Bei einer eGFR unter 20 ml/min/1,73 m² sollte jedoch keine neue Therapie damit begonnen werden.
Nein, laut Leitlinie soll bei Patienten mit CKD und asymptomatischer Hyperurikämie keine harnsäuresenkende Therapie empfohlen werden.

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