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Nicht sichtbare Hämaturie (NSH): Leitlinie (DEGAM)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine NSH liegt vor, wenn mindestens 2 von 2 oder 3 Urin-Schnelltests positiv auf Blut reagieren und Störfaktoren ausgeschlossen sind.
  • Ein generelles Screening auf NSH wird aufgrund einer negativen Nutzen-Schaden-Bilanz international abgelehnt.
  • Auf eine mikroskopische Bestätigung, Tumormarker und Zytologie kann im primärärztlichen Niedrigprävalenzbereich verzichtet werden.
  • Antikoagulation ist keine eigenständige Ursache für eine Hämaturie, sondern demaskiert lediglich eine bestehende Blutungsquelle.
  • Bei bestätigter NSH erfolgt ein Shared Decision Making: Urologische Abklärung oder modifiziertes abwartendes Offenhalten.
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Hintergrund

Eine persistente isolierte nicht sichtbare Hämaturie (NSH) liegt vor, wenn mindestens zwei von zwei oder drei Proben eines Urin-Schnelltests positiv auf Blut reagieren. Dabei müssen Störfaktoren ausgeschlossen sein und es dürfen keine zusätzlichen Hinweise auf nephrologische, urologische oder gynäkologische Erkrankungen bestehen. Die Leitlinie gilt für Erwachsene ab 19 Jahren.

Ein generelles Screening auf NSH wird aufgrund einer negativen Nutzen-Schaden-Bilanz international abgelehnt. Die Ätiologie bleibt bei über zwei Dritteln der positiven Befunde unbekannt.

UrsacheHäufigkeit
Unbekannt> 66,0 %
Steinleiden16,3 %
Prostatablutung4,0 %
Maligne Erkrankungenca. 3,0 %
Infektionen2,3 %
Glomeruläre Nierenkrankheit0,9 %

Diagnostik

Der Nachweis erfolgt über einen standardisiert gewonnenen morgendlichen Mittelstrahlurin, der innerhalb von zwei Stunden nach dem Auffangen getestet wird.

  • Ein Test gilt als positiv bei mindestens 1-fach positivem Nachweis von Blut (Erythrozyten oder Hämoglobin).
  • Auf eine mikroskopische Bestätigung, Tumormarker und zytologische Untersuchungen kann im Niedrigprävalenzbereich verzichtet werden.

Störfaktoren des Urin-Schnelltests

Vor der Diagnose einer NSH müssen Faktoren ausgeschlossen werden, die das Testergebnis verfälschen können:

  • Falsch-positiv: Menstruation, rektale Blutung, Infekte, abdominelles Trauma, starke körperliche Anstrengung, sexuelle Aktivität, urologische Prozeduren.
  • Falsch-negativ: Ein hoher Vitamin-C-Spiegel.
  • Wichtig: Antikoagulation und Thrombozytenaggregationshemmung sind kein alleiniger Grund für eine Hämaturie, sondern lediglich begünstigende Faktoren.

Risikofaktoren für urologische Malignome

Das Risiko für eine maligne Erkrankung nach einem positiven Befund liegt durchschnittlich bei 2,6 % bis 3,3 %. Es steigt bei Vorliegen folgender Eigenschaften:

  • Höheres Lebensalter (unter 35 Jahre sehr unwahrscheinlich)
  • Männliches Geschlecht
  • (Ex-)Konsum von Nikotin
  • Beruflicher Kontakt zu aromatischen Aminen/Anilin-Derivaten
  • Therapie mit Cyclophosphamid
  • Blasenkrebs in der Familienanamnese
  • Aufenthalt in einem Bilharziosegebiet

Management und Therapie

Wird eine NSH erstmalig festgestellt (zwei positive Tests im Abstand von ca. einer Woche), erfolgt ein Shared Decision Making (SDM) mit dem Patienten unter Berücksichtigung der individuellen Risikokonstellation. Es stehen zwei Optionen zur Wahl:

OptionMaßnahmenBemerkung
A: Urologische ÜberweisungSonographie, Zystoskopie, (Computer-)UrographieZum Ausschluss maligner Ursachen
B: Modifiziertes abwartendes OffenhaltenJährlicher klinischer Status, Blutdruck, eGFR, Proteinurie-TestSolange die Hämaturie persistiert

Medikamenten-induzierte Hämaturie

Zahlreiche Medikamente können den Urin verändern. Es muss zwischen einer echten Hämaturie und einer Pseudohämaturie (z. B. durch Rotfärbung, Hämoglobinurie) unterschieden werden:

Echte Hämaturie (Auswahl)Pseudohämaturie (Auswahl)
AminoglykosideChloroquin
CephalosporineLevodopa
CyclophosphamidMethyldopa
FurosemidMetronidazol
Orale KontrazeptivaNitrofurantoin
PenicillineRifampicin
ThiazideVitamin B12

💡Praxis-Tipp

Schieben Sie eine Hämaturie bei Patienten unter Antikoagulation niemals pauschal auf das Medikament. Blutverdünner verursachen keine Hämaturie, sie demaskieren sie nur – eine reguläre Abklärung ist zwingend erforderlich.

Häufig gestellte Fragen

Wenn mindestens zwei von zwei oder drei Proben eines Urin-Schnelltests positiv auf Blut reagieren und Störfaktoren ausgeschlossen wurden.
Nein, laut DEGAM-Leitlinie kann im primärärztlichen Niedrigprävalenzbereich auf eine mikroskopische Bestätigung verzichtet werden.
Ja. Ein hoher Vitamin-C-Spiegel kann zu falsch-negativen Ergebnissen führen. Zudem gibt es Medikamente (z. B. Rifampicin, Nitrofurantoin), die eine Pseudohämaturie durch Urinverfärbung auslösen.
Das durchschnittliche Risiko liegt zwischen 2,6 % und 3,3 %. Bei Patienten unter 35 Jahren ist ein Malignom sehr unwahrscheinlich, das Risiko steigt jedoch mit dem Alter und bei Vorliegen von Risikofaktoren wie Nikotinkonsum.
Nein, ein Screening wird aufgrund einer negativen Nutzen-Schaden-Bilanz (viele falsch-positive Befunde, unnötige Diagnostik) international abgelehnt.

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