DGIMS32024Innere Medizin

Diagnose und Therapie der Gicht: S3-Leitlinie DGIM

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Gicht hat sich von einer Erkrankung wohlhabender Schichten zu einer echten Volkskrankheit entwickelt. Die S3-Leitlinie der DGIM liefert hierzu aktualisierte, evidenzbasierte Fakten zur Diagnostik und Therapie.

In den vergangenen Jahren haben sich die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten deutlich erweitert. Neue Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung, insbesondere zur Rolle Interleukin-1-abhängiger Stoffwechselwege, tragen zu einem besseren Verständnis der Pathophysiologie bei.

Das übergeordnete Ziel der Leitlinie ist es, die mit der Gicht verbundene Morbidität und Mortalität langfristig zu minimieren. Dies betrifft nicht nur die Vermeidung von Gelenkdestruktionen, sondern auch den Schutz innerer Organe.

Empfehlungen

Diagnostik

Die S3-Leitlinie der DGIM unterscheidet zwischen der primärärztlichen Akutversorgung und der fachärztlichen Betreuung bei rezidivierenden Verläufen. Die Diagnose wird in der Regel klinisch anhand von Schmerzverlauf, Lokalisation und Serumharnsäurewert gestellt.

Zur Unterstützung der klinischen Diagnose wird ein Gichtkalkulator herangezogen. Folgende Parameter fließen in diesen Score ein:

ParameterKlinische Ausprägung
DemographieMännliches Geschlecht
AnamneseFrühere Arthritis, arterielle Hypertonie, kardiovaskuläre Erkrankungen
KlinikAnfall innerhalb von 24 Stunden, Rötung, Beteiligung des Großzehengrundgelenks
LaborHyperurikämie > 5,8 mg/dl

Bei Bedarf wird eine Gelenkpunktion mit Polarisationsmikroskopie in Kombination mit einer Sonographie empfohlen. In schwierigen oder progredienten Fällen kann laut Leitlinie ein Dual Energy CT zum Einsatz kommen.

Akuttherapie

Ein akuter Gichtanfall ist meist innerhalb von ein bis zwei Wochen selbstlimitierend, sollte jedoch zeitnah medikamentös behandelt werden. Die Leitlinie empfiehlt hierfür den Einsatz von Colchicin, Glukokortikoiden oder nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Die Auswahl des Wirkstoffs erfolgt in Abhängigkeit von Komorbiditäten und Kontraindikationen. Ergänzend werden physikalische Maßnahmen wie Ruhigstellung, Hochlagerung und Kühlung empfohlen.

Bei rezidivierenden Anfällen und unzureichender Standardtherapie kann eine Behandlung mit dem Interleukin-1-Hemmer Canakinumab erwogen werden.

Langzeittherapie und Prophylaxe

Als Basis der Langzeitbehandlung wird eine Modifikation des Lebensstils mit purinarmer Ernährung, Gewichtsabnahme und Rauchstopp empfohlen. Harnsäuresteigernde Medikamente wie Diuretika sollten nach Möglichkeit reduziert oder durch harnsäureneutrale Präparate ersetzt werden.

Für die medikamentöse Harnsäuresenkung formuliert die Leitlinie folgende Kernpunkte:

  • Einsatz von Xanthinoxidase-Inhibitoren (Allopurinol oder Febuxostat) als Basistherapie.

  • Indikation vor allem bei rezidivierenden Verläufen (> 1 Anfall/Jahr) und Gelenkdestruktionen.

  • Ein Therapiebeginn ist bereits innerhalb der ersten 14 Tage nach Beginn des Gichtanfalls möglich.

  • Das Therapieziel ist ein Serumharnsäurewert von < 6 mg/dl.

Zur Anfallsprophylaxe kann initial für 3 bis 6 Monate niedrig dosiertes Colchicin oder ein NSAR verabreicht werden. Ein Sondervotum der DEGAM ordnet feste Zielharnsäurewerte im hausärztlichen Bereich aus praktischen Erwägungen nach und fokussiert auf die Reduktion der Gichtlast.

Komorbiditäten

Bei kardiovaskulären Vorerkrankungen wird eine konsequente Therapie mit Allopurinol oder Febuxostat empfohlen, da Interleukin-1 die Arteriosklerose fördert.

Zudem kann bei Vorliegen von Diabetes mellitus, Nieren- oder Herzinsuffizienz der Einsatz eines SGLT2-Inhibitors erwogen werden. Diese Wirkstoffklasse besitzt laut Leitlinie einen zusätzlichen harnsäuresenkenden Effekt.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie stellt klar, dass eine harnsäuresenkende Therapie mit Xanthinoxidasehemmern bereits innerhalb der ersten 14 Tage nach Beginn eines akuten Gichtanfalls gestartet werden kann. Zudem wird hervorgehoben, dass bei Begleiterkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Diabetes der Einsatz von SGLT2-Inhibitoren aufgrund ihrer harnsäuresenkenden Begleitwirkung vorteilhaft ist.

Häufig gestellte Fragen

Zur Akuttherapie empfiehlt die Leitlinie den zeitnahen Einsatz von Colchicin, Glukokortikoiden oder NSAR. Die Auswahl richtet sich nach den individuellen Begleiterkrankungen und Kontraindikationen.

Ein Beginn mit Allopurinol oder Febuxostat wird insbesondere bei mehr als einem Gichtanfall pro Jahr oder bei Gelenkdestruktionen empfohlen. Der Start kann bereits innerhalb der ersten 14 Tage des akuten Anfalls erfolgen.

Die Leitlinie definiert einen Serumharnsäurewert von unter 6 mg/dl als langfristiges Therapieziel. Die DEGAM merkt in einem Sondervotum jedoch an, dass im hausärztlichen Alltag die klinische Reduktion der Gichtlast im Vordergrund stehen kann.

Bei Vorliegen von Komorbiditäten wie Diabetes, Nieren- oder Herzinsuffizienz können SGLT2-Inhibitoren eingesetzt werden. Sie weisen laut Leitlinie einen günstigen, harnsäuresenkenden Nebeneffekt auf.

Der Interleukin-1-Hemmer Canakinumab kann bei rezidivierenden Gichtanfällen erwogen werden. Dies gilt für Fälle, in denen die Standardmedikation nicht ausreichend wirksam ist.

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Quelle: DGIM Keyfacts: S3-LL Gicht (DGIM, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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