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Gastrointestinale Infektionen: S2k-Leitlinie DGIM

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DGIM (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Akute infektiöse Gastroenteritiden (AGE) gehören zu den häufigsten meldepflichtigen Infektionskrankheiten. Sie werden in der überwiegenden Zahl der Fälle durch virale oder bakterielle Erreger ausgelöst.

Klinisch äußert sich die Erkrankung durch eine plötzliche Veränderung der Stuhlfrequenz und -konsistenz, die oft von Fieber oder Erbrechen begleitet wird. Das Krankheitsbild hat eine hohe sozioökonomische Bedeutung, da der Großteil der Fälle im ambulanten Sektor behandelt wird.

Ziel der Leitlinie ist es, bei leichten Verläufen eine Überdiagnostik und Übertherapie zu vermeiden. Gleichzeitig soll sie Behandelnde bei der zielgerichteten Diagnostik und Therapie von schweren Krankheitsfällen unterstützen.

Empfehlungen

Die S2k-Leitlinie "Gastrointestinale Infektionen" formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:

Ambulante Diagnostik

Eine Erregerdiagnostik wird bei ambulant erworbener Gastroenteritis (AGE) nur empfohlen, wenn das Ergebnis therapeutische oder organisatorische Konsequenzen hat. Dies betrifft beispielsweise Ausbruchssituationen in Gemeinschaftseinrichtungen.

Ist eine mikrobiologische Diagnostik indiziert, empfiehlt die Leitlinie folgendes Vorgehen:

  • Die Basisdiagnostik sollte Untersuchungen auf Campylobacter, Salmonellen, Rotaviren und Noroviren umfassen.

  • Ungezielte Nukleinsäure-basierte Nachweisverfahren (Multiplex-Tests) sind kein Bestandteil der Basisdiagnostik, da die klinische Relevanz oft unklar bleibt.

Therapie der akuten Gastroenteritis

Die primäre Behandlung besteht in der Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten. Diese sollte auch im stationären Bereich vorzugsweise oral und nicht parenteral erfolgen.

Eine antibiotische Therapie der AGE soll in der Regel unterbleiben. Auch eine Immundefizienz rechtfertigt laut Leitlinie keine regelhafte empirische Antibiose, sofern sie nicht funktionell relevant ist.

  • Der alleinige Nachweis bakterieller Erreger (z. B. Campylobacter, Salmonellen) stellt keine Indikation für eine Antibiose dar.

  • Ein Antibiotika-Einsatz sollte möglichst erst nach der Probeentnahme für die Erregerdiagnostik begonnen werden.

Medikamentöse Therapie im Vergleich

MedikamentIndikation / Eigenschaft
AzithromycinMittel der 1. Wahl bei zwingend indizierter kalkulierter Antibiose der AGE
FluorchinoloneKeine Erstlinientherapie mehr aufgrund von Resistenzen und Nebenwirkungen
Fidaxomicin (p.o.)Primärtherapie der CDI; Bevorzugt bei erhöhtem Rezidivrisiko
Vancomycin (p.o.)Primärtherapie der CDI

Infektionsschutz und Entlassung

Vor einer stationären Entlassung wird eine ärztliche Einschätzung der Kontagiosität empfohlen. Eine Wiederholung der Stuhldiagnostik zum Ausschluss einer Infektiosität ist meist ungeeignet, da Erreger auch nach klinischer Ausheilung persistieren können.

In der Regel ist 48 Stunden nach Sistieren der klinischen Symptomatik bei Einhaltung der Basishygiene keine relevante Kontagiosität mehr gegeben. Bei selteneren Erregern wie Shigellen oder EHEC können abweichende Vorgaben der Gesundheitsämter gelten.

Nosokomiale Diarrhö und C. difficile

Eine nosokomiale Diarrhö ist definiert durch das Auftreten von Durchfällen mehr als 48 bis 72 Stunden nach stationärer Aufnahme. Die initiale Labordiagnostik sollte zwingend auf Clostridioides difficile (CDI) und Noroviren erfolgen.

Bei einem bestätigten Verdacht auf eine CDI wird eine Elektrolyt- und Volumensubstitution empfohlen. Zudem sollte das mutmaßlich auslösende Antibiotikum möglichst pausiert werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät vom primären Einsatz von Fluorchinolonen bei der akuten infektiösen Gastroenteritis ab. Als Gründe werden zunehmende Resistenzen sowie seltene, teils schwerwiegende Nebenwirkungen genannt.

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💡Praxis-Tipp

Es wird davon abgeraten, vor der Krankenhausentlassung routinemäßig eine Stuhldiagnostik zum Beweis der Keimfreiheit durchzuführen. Da die Ausscheidung von Erregern auch nach klinischer Ausheilung persistieren kann, ist dieser Test meist ungeeignet. Stattdessen gilt die klinische Faustregel, dass 48 Stunden nach Symptomfreiheit bei normaler Basishygiene keine relevante Ansteckungsgefahr mehr besteht.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Erregerdiagnostik nur empfohlen, wenn das Ergebnis therapeutische oder organisatorische Konsequenzen hat. Dies ist zum Beispiel bei einem Verdacht auf Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen der Fall.

Wenn nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eine kalkulierte Antibiose erforderlich ist, gilt Azithromycin als Mittel der ersten Wahl. Fluorchinolone werden in der Erstlinie nicht mehr empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt zur Primärtherapie einer CDI die orale Gabe von Fidaxomicin oder Vancomycin. Fidaxomicin sollte dabei bevorzugt eingesetzt werden, wenn ein erhöhtes Rezidivrisiko besteht.

Eine Entlassung ist in der Regel möglich, wenn die klinische Symptomatik seit 48 Stunden sistiert ist. Eine mikrobiologische Kontrolle des Stuhls auf Keimfreiheit wird vor der Entlassung nicht routinemäßig empfohlen.

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Quelle: DGIM Keyfacts: S2k-LL Gastrointestinale Infektionen (DGIM, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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