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Onkopedia/DGHOOnkologie

GI-Komplikationen & Diarrhoe bei Krebs: Leitlinie (Onkopedia)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Onkopedia/DGHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine infektiöse Diarrhoe wird als ≥3 ungeformte Stühle pro 24 Stunden definiert.
  • Bei therapiebedingter, nicht-infektiöser Diarrhoe ist Loperamid das Mittel der Wahl (max. 16 mg/Tag).
  • Vor dem Einsatz von motilitätshemmenden Medikamenten muss eine infektiöse Ursache zwingend ausgeschlossen werden.
  • Bei schwerer Clostridium-difficile-Infektion (CDI) ist orales Vancomycin oder Fidaxomicin indiziert; Metronidazol wird explizit nicht empfohlen.
  • Eine generelle medikamentöse Prophylaxe gegen SSYC-Erreger bei neutropenischen Patienten wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Gastrointestinale Komplikationen, insbesondere Diarrhoe und Kolitis, treten bei Patienten mit hämatologischen und onkologischen Erkrankungen häufig auf. Differenzialdiagnostisch muss stets zwischen Komplikationen der Grunderkrankung, infektiösen Ursachen und Nebenwirkungen der antineoplastischen Therapie unterschieden werden. Eine infektiöse Diarrhoe ist definiert als ≥3 ungeformte Stühle pro 24 Stunden.

Allgemeine Maßnahmen

Unabhängig von der Genese der Diarrhoe gelten folgende Basisempfehlungen:

  • A-III: Patienten sollen einen angemessenen oralen oder intravenösen Ausgleich an Flüssigkeiten und Elektrolyten erhalten.
  • A-III: Auf Zeichen einer Mangelernährung ist zu achten. Bei Bedarf sollen Kohlenhydrate, Lipide, Aminosäuren, Proteine und/oder Vitamine enteral oder parenteral ersetzt werden.

Therapie der nicht-infektiösen Diarrhoe

Vor der symptomatischen Therapie muss eine infektiöse Ursache ausgeschlossen werden. Bei persistierender, schwerer Diarrhoe (>48 Stunden) trotz motilitätshemmender Therapie sollen die Patienten stationär aufgenommen werden (A-III).

WirkstoffDosierungIndikation / BemerkungEvidenz
LoperamidInitial 4 mg, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl (max. 16 mg/Tag)Therapie der Wahl bei Therapie-bedingter DiarrhoeA-IIu
OctreotidInitial 100 µg 3x/Tag s.c. (steigerbar bis 500 µg/Tag)Alternative bei Loperamid-refraktärer DiarrhoeB-IIu / A-III
FlohsamenschalenKeine DosisangabeAlternative bei Loperamid-refraktärer DiarrhoeB-IIt
Budesonid3 mg 3x/Tag p.o.Verzögerte Diarrhoe nach Irinotecan (Zusatz zu Loperamid) oder Idelalisib-induziertB-IIu / B-III
Acetorphan100 mg 3x/Tag p.o. über 48hVerzögerte Diarrhoe nach Irinotecan (Zusatz zu Loperamid)B-IIu

Hinweis zur Prophylaxe: Octreotid und Glutamin werden zur Prophylaxe der Systemtherapie-assoziierten Diarrhoe nicht empfohlen (D-I).

Management der infektiösen Diarrhoe

Hygiene- und Isolationsmaßnahmen

ErregerEinzelzimmerSchutzkleidungDauer der MaßnahmeEvidenz
C. difficileJaHandschuhe/Kittel bei Kontakt mit infektiösem MaterialBis Normalisierung der SymptomeB-III
SSYC*JaHandschuhe/Kittel bei Kontakt mit infektiösem MaterialBis 3 negative Stuhlproben vorliegenB-III
NorovirusJaHandschuhe/Kittel/GesichtsmaskeBis 3 negative Stuhlproben vorliegenB-III

*SSYC = nicht-typhöse Salmonellen, Shigellen, Yersinien, Campylobacter spp.

Clostridium-difficile-Infektion (CDI)

Die Therapie der CDI richtet sich nach dem Schweregrad und der Anzahl der Rezidive.

Klinische SituationTherapieempfehlungEvidenz
Kein schwerer VerlaufVancomycin 125 mg 4x/Tag p.o. (10 Tage) ODER Fidaxomicin 200 mg 2x/Tag p.o. (10 Tage) ODER Metronidazol 400 mg 3x/Tag p.o. (10 Tage)A-I / B-IIt
Schwerer VerlaufVancomycin 125 mg 4x/Tag p.o. (10 Tage) ODER Fidaxomicin 200 mg 2x/Tag p.o. (10 Tage)A-IIt
Schwerer Verlauf (Negativ-Empfehlung)Metronidazol ist bei schwerem Verlauf nicht empfohlenD-I
RefraktärKombination: Vancomycin p.o. + Metronidazol p.o./i.v. ODER Teicoplanin ODER Tigecyclin ODER Stuhltransplantation (FMT)C-IIh / C-IIu
SekundärprophylaxeBezlotoxumab 10 mg/kg KG i.v. (Einzeldosis) bei erster Manifestation/RezidivB-IIt

SSYC-Infektionen

Infektionen durch SSYC machen bei Tumorpatienten nur 0-2,8% der infektiösen Diarrhoen aus. Eine medikamentöse Prophylaxe bei neutropenischen oder immunsupprimierten Patienten wird nicht empfohlen (D-IIt,u).

  • Salmonella spp. (nicht-typhös): Ciprofloxacin (p.o./i.v.) oder Ceftriaxon i.v. (B-III)
  • Shigella spp.: Fluorochinolone (z.B. Ciprofloxacin) oder Azithromycin (B-IIt)
  • Campylobacter spp.: Azithromycin oder Ciprofloxacin (A-IIt / B-IIt)
  • Yersinia spp.: Ciprofloxacin oder Trimethoprim/Sulfamethoxazol (B-III)

Virale und parasitäre Gastroenteritis

Bei viraler Genese kommen spezifische Virostatika zum Einsatz (z.B. Ganciclovir oder Foscarnet bei CMV-Enteritis, A-I / B-IIt). Parasitäre Infektionen werden erregergerecht behandelt, häufig mit Metronidazol (z.B. bei Giardia oder Blastocystis, A-IIt) oder Nitazoxanid (z.B. bei Cryptosporidium, B-IIr,t).

💡Praxis-Tipp

Schließen Sie vor dem Einsatz von Loperamid bei Tumorpatienten mit Diarrhoe zwingend eine infektiöse Ursache aus. Bei Persistenz der Durchfälle >48 Stunden trotz motilitätshemmender Therapie ist eine stationäre Aufnahme indiziert.

Häufig gestellte Fragen

Als infektiöse Diarrhoe gelten 3 oder mehr ungeformte Stühle innerhalb von 24 Stunden.
Nach Ausschluss einer Infektion ist Loperamid das Mittel der Wahl. Die Dosierung beträgt initial 4 mg, gefolgt von 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl (maximal 16 mg pro Tag).
Als Alternative kann Octreotid eingesetzt werden (initial 100 µg 3-mal täglich subkutan, bei fehlendem Ansprechen steigerbar auf bis zu 500 µg/Tag).
Mit oralem Vancomycin (125 mg 4-mal täglich) oder Fidaxomicin (200 mg 2-mal täglich) über 10 Tage. Metronidazol wird bei schweren Verläufen explizit nicht empfohlen.
Bei C. difficile bis zur Normalisierung der Symptome. Bei Norovirus und SSYC-Erregern müssen 3 negative Stuhlproben vorliegen, bevor die Isolationsmaßnahmen aufgehoben werden können.

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