Deutscher Herzbericht 2024: KHK und Herzinsuffizienz
Hintergrund
Der von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und weiteren Fachgesellschaften herausgegebene Deutsche Herzbericht (Update 2024) fasst die wichtigsten Entwicklungen der kardiovaskulären Versorgung in Deutschland zusammen. Die aktuellen Auswertungen basieren auf dem Datensatz des Erfassungsjahres 2022.
Laut Bericht wird die Liste der häufigsten Todesursachen zu 50 Prozent von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dominiert. Den ersten Platz belegt dabei weiterhin die chronisch ischämische Herzerkrankung, gefolgt vom akuten Herzinfarkt auf Platz vier.
Die Daten spiegeln zudem die zunehmende Alterung der Gesellschaft wider. Der Anteil der über 65-Jährigen ist auf über 22 Prozent gestiegen, was sich direkt auf die Morbidität und Mortalität kardiologischer Krankheitsbilder auswirkt.
Klinischer Kontext
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit und in Deutschland die führende Todesursache. Die Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter, wobei koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen besonders häufig auftreten.
Die zugrundeliegenden Mechanismen umfassen meist endotheliale Dysfunktion, Atherosklerose und strukturelles Remodeling des Myokards. Diese Prozesse führen zu einer verminderten Perfusion, Ischämie und letztlich zu einer eingeschränkten Pumpfunktion oder elektrischen Instabilität.
Für den klinischen Alltag ist die kardiovaskuläre Medizin von zentraler Bedeutung, da akute Ereignisse wie der Myokardinfarkt ein sofortiges Handeln erfordern. Zudem bindet die chronische Betreuung von Herzpatienten erhebliche Ressourcen im Gesundheitssystem.
Die Basisdiagnostik stützt sich auf Anamnese, körperliche Untersuchung, Ruhe-EKG und laborchemische Marker wie Troponin oder NT-proBNP. Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie die Echokardiografie, das Kardio-MRT oder die Koronarangiografie zum Einsatz.
Wissenswertes
Zu den häufigsten kardiologischen Krankheitsbildern zählen die arterielle Hypertonie, die koronare Herzkrankheit (KHK) und die Herzinsuffizienz. Auch Vorhofflimmern tritt als häufigste anhaltende Rhythmusstörung mit hoher Prävalenz auf.
Die klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren umfassen arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Dyslipidämie und Nikotinabusus. Auch eine positive Familienanamnese, Adipositas und Bewegungsmangel tragen maßgeblich zur Entstehung der Atherosklerose bei.
Bei der HFrEF liegt eine primär systolische Pumpfunktionseinschränkung des linken Ventrikels vor. Die HFpEF ist hingegen durch eine diastolische Funktionsstörung bei erhaltener systolischer Pumpkraft und erhöhten Füllungsdrücken gekennzeichnet.
Der wichtigste Biomarker in der Akutdiagnostik ist das hochsensitive kardiale Troponin, welches Myokardschäden zuverlässig anzeigt. Ergänzend können Parameter wie CK und CK-MB bestimmt werden, haben aber an primärer diagnostischer Bedeutung verloren.
Die transthorakale Echokardiografie ist das primäre bildgebende Verfahren zur Beurteilung der kardialen Morphologie und Funktion. Sie ermöglicht die nicht-invasive Evaluation von Klappenvitien, Wandbewegungsstörungen und der linksventrikulären Ejektionsfraktion.
Die Diagnose wird durch die Dokumentation der Rhythmusstörung in einem 12-Kanal-EKG oder einem Langzeit-EKG gesichert. Klinisch steht die Beurteilung des thromboembolischen Risikos mittels CHA2DS2-VASc-Score im Vordergrund, um die Indikation zur Antikoagulation zu stellen.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt als kritischen Punkt hervor, dass bei perkutanen Koronarinterventionen (PCI) die intravaskuläre Bildgebung in Deutschland nur in etwa 10 Prozent der Fälle genutzt wird. Dies geschieht trotz einer klaren wissenschaftlichen Evidenz für den klinischen Nutzen dieser Methode. Die Autoren betonen, dass hier ein erhebliches Potenzial zur Optimierung der prozeduralen Qualität ungenutzt bleibt.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Deutschen Herzbericht ist die chronisch ischämische Herzerkrankung weiterhin die häufigste Todesursache in Deutschland. Der akute Herzinfarkt folgt in dieser Statistik auf dem vierten Platz.
Der Bericht verzeichnet für das Jahr 2022 einen weiteren Anstieg der kathetergestützten Aortenklappenimplantationen (TAVI). Insgesamt wurden in diesem Zeitraum knapp 24.000 TAVI-Eingriffe registriert.
Die Daten zeigen einen Rückgang der stationären Aufnahmen um über 10 Prozent zwischen 2018 und 2022. Die Autoren führen dies maßgeblich auf die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie zurück, da Patienten aus Sorge vor Infektionen Kliniken mieden.
Bei Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler (EMAH) stellt die Herzinsuffizienz die häufigste Todesursache dar. Der Bericht fordert für diese wachsende Patientengruppe dringend mehr Investitionen in Forschung und Nachsorge.
Die Anzahl der Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen zeigt seit Jahren einen kontinuierlichen Aufwärtstrend. Im Jahr 2022 stieg die Zahl auf über 107.000 durchgeführte Eingriffe an.
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Quelle: Der Deutsche Herzbericht – Update 2024 Eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse (DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie)). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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