Diabetes bei Kindern: DDG S3-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Die Inzidenz steigt weltweit kontinuierlich an, wobei sich auch andere Diabetesformen wie der Typ-2-Diabetes, MODY oder der Mukoviszidose-assoziierte Diabetes (CFRD) zunehmend manifestieren.

Die DDG S3-Leitlinie fokussiert sich auf die altersspezifischen Besonderheiten in der pädiatrischen Diabetologie. Ein zentrales Ziel ist die Vermeidung akuter Stoffwechselentgleisungen wie der diabetischen Ketoazidose (DKA) bei Manifestation.

Zudem wird die Bedeutung moderner Diabetestechnologien wie der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und automatisierter Insulinabgabesysteme (AID) für eine verbesserte Lebensqualität und Stoffwechselkontrolle hervorgehoben.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die klinische Praxis:

Diagnostik und Klassifikation

Für die Diagnosestellung eines Diabetes mellitus gelten Nüchternglukosewerte ab 126 mg/dl, ein HbA1c ab 6,5 % oder ein Gelegenheitsblutzucker ab 200 mg/dl mit typischer Symptomatik.

  • Bei klinischem Verdacht auf Typ-1-Diabetes wird die Bestimmung diabetesassoziierter Autoantikörper (ICA, IAA, GAD65A, IA-2a, ZnT8) empfohlen (starke Empfehlung).

  • Bei fehlendem Antikörpernachweis sollen differentialdiagnostisch andere Diabetesformen evaluiert werden.

  • Zur Früherkennung eines Typ-2-Diabetes wird ab dem 10. Lebensjahr bei Übergewicht und Vorliegen von mindestens zwei Risikofaktoren ein oraler Glukosetoleranztest empfohlen.

Therapieziele und Insulintherapie

Als Behandlungsstandard für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes wird die intensivierte Insulintherapie empfohlen (starke Empfehlung).

  • Der angestrebte HbA1c-Zielwert liegt bei unter 7,0 %, sofern keine schweren Hypoglykämien auftreten.

  • Ergänzend wird eine Zeit im Zielbereich (Time in Range, 70-180 mg/dl) von über 70 % angestrebt.

  • Allen Kindern und Jugendlichen mit Insulinpumpentherapie sollte ein AID-System angeboten werden, sofern eine sichere Anwendung gewährleistet ist.

Management der diabetischen Ketoazidose (DKA)

Die DKA ist eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation, die umgehend in einer spezialisierten Einrichtung behandelt werden soll.

  • Es wird eine initiale Kreislaufstabilisierung mit isotoner Kochsalzlösung empfohlen.

  • Die intravenöse Insulintherapie soll erst 1 bis 2 Stunden nach Beginn der Volumengabe gestartet werden.

  • Von einer routinemäßigen Bikarbonatgabe zum Azidoseausgleich wird abgeraten, da dies das Risiko für ein Hirnödem erhöht.

Screening auf Folgeerkrankungen

Zur Prävention von Langzeitkomplikationen wird ein regelmäßiges Screening empfohlen.

  • Ab dem 11. Lebensjahr oder nach 5 Jahren Diabetesdauer soll ein jährliches Screening auf Albuminurie erfolgen.

  • Eine augenärztliche Funduskopie wird in denselben Intervallen alle 1 bis 2 Jahre empfohlen.

  • Der Blutdruck soll bei jeder Vorstellung, mindestens jedoch jährlich, gemessen werden.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen für Akutsituationen und Begleiterkrankungen:

Diabetische Ketoazidose (DKA)

Medikament / LösungDosisIndikation / Bemerkung
NaCl 0,9 %10-20 ml/kg i.v.Initiale Kreislaufstabilisierung über 1-2 Stunden
Normalinsulin0,05-0,1 IE/kg/h i.v.Glukosesenkung, Start 1-2h nach Volumengabe
Kaliumchlorid (KCl)3-6 mmol/kg/Tag i.v.Kaliumausgleich, max. 0,5 mmol/kg/h

Schwere Hypoglykämie

MedikamentDosisIndikation / Bemerkung
Glukagon (Glucagen Hypokit)1 mg (> 25 kg KG) oder 0,5 mg (< 25 kg KG) s.c./i.m.Bewusstseinsgestörte Kinder
Glukagon (Baqsimi)3 mg intranasalZugelassen ab 4 Jahren
Glukagon (Ogluo)0,5 mg (< 6 Jahre) oder 1 mg (> 6 Jahre) s.c.Fertigpen, zugelassen ab 2 Jahren

Hyperlipidämie bei Typ-1-Diabetes

MedikamentDosisIndikation / Bemerkung
RosuvastatinaltersabhängigAb 6 Jahren bei LDL > 160 mg/dl (oder > 130 mg/dl mit Risikofaktor)
AtorvastatinaltersabhängigAb 10 Jahren bei LDL > 160 mg/dl (oder > 130 mg/dl mit Risikofaktor)

Kontraindikationen

  • Bikarbonat bei DKA: Der Einsatz von Bikarbonat zum Azidoseausgleich wird nicht routinemäßig empfohlen, da er mit dem Auftreten einer paradoxen ZNS-Azidose und einem erhöhten Risiko für ein Hirnödem assoziiert ist.

  • Adjunktive Therapien bei Typ-1-Diabetes: Metformin oder SGLT-2-Inhibitoren werden bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes in der Regel nicht empfohlen.

  • ACE-Hemmer und Statine: Diese Medikamente sind in der Schwangerschaft aufgrund teratogener Effekte kontraindiziert. Weibliche Jugendliche müssen entsprechend aufgeklärt werden.

Frage zu dieser Leitlinie stellen...

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im Management der diabetischen Ketoazidose (DKA) ist der zu frühe Beginn der Insulintherapie. Die Leitlinie betont, dass die intravenöse Insulingabe erst 1 bis 2 Stunden nach dem Start der initialen Volumengabe erfolgen darf, um das Risiko eines lebensbedrohlichen Hirnödems zu minimieren. Zudem wird ausdrücklich vor der routinemäßigen Gabe von Bikarbonat gewarnt.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird das Screening auf Retinopathie und Nephropathie ab dem 11. Lebensjahr oder nach 5 Jahren Diabetesdauer empfohlen. Der Blutdruck sollte hingegen bei jeder Vorstellung gemessen werden.

Es wird ein HbA1c-Wert von unter 7,0 % angestrebt, sofern dieser ohne das Auftreten schwerer Hypoglykämien erreicht werden kann. Ergänzend wird eine Time in Range (TIR) von über 70 % empfohlen.

Die Leitlinie empfiehlt als erste Maßnahme eine Kreislaufstabilisierung mit isotoner Kochsalzlösung (10-20 ml/kg über 1-2 Stunden). Die intravenöse Insulingabe folgt erst im Anschluss an diese Volumengabe.

Ein oGTT wird ab dem 10. Lebensjahr bei Vorliegen von Übergewicht und mindestens zwei weiteren Risikofaktoren empfohlen. Zu diesen Risikofaktoren zählen unter anderem eine familiäre Belastung oder klinische Zeichen einer Insulinresistenz.

Neben injizierbarem Glukagon steht ab 4 Jahren ein intranasales Präparat (Baqsimi, 3 mg) zur Verfügung. Für Kinder ab 2 Jahren ist zudem ein Fertigpen (Ogluo) zugelassen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: DDG: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. Version 4 pdf (DDG, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien