Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: DDG-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter erfordert eine spezialisierte, altersgerechte Betreuung. Die S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) aus dem Jahr 2023 fasst die Evidenz zu Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle zusammen.

Neben dem dominierenden Typ-1-Diabetes gewinnen auch der Typ-2-Diabetes sowie monogene Formen wie MODY oder der neonatale Diabetes zunehmend an Bedeutung. Eine präzise Differenzierung ist für die Therapieplanung essenziell.

Moderne Technologien wie die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) und automatisierte Insulin-Dosierungssysteme haben das Management revolutioniert. Dennoch bleiben akute Komplikationen wie die diabetische Ketoazidose (DKA) und schwere Hypoglykämien zentrale klinische Herausforderungen.

Empfehlungen

Die DDG-Leitlinie formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernempfehlungen für die pädiatrische Praxis:

Diagnostik und Zielwerte

Als allgemeiner HbA1c-Zielwert wird bei Kindern und Jugendlichen < 7,0 % empfohlen. Ein aufgeweichter Zielwert von < 7,5 % kann laut Leitlinie erwogen werden, wenn eine gestörte Hypoglykämie-Wahrnehmung vorliegt oder moderne Verabreichungssysteme fehlen.

Für die Auswertung der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) werden standardisierte Parameter herangezogen. Es wird eine aktive CGM-Nutzung von mindestens 70 % der Zeit über eine 14-Tage-Periode empfohlen.

Die Leitlinie definiert folgende CGM-Zielbereiche:

  • Zeit im Zielbereich (TIR, 70-180 mg/dl): > 70 %

  • Zeit unter dem Zielbereich (TBR, < 70 mg/dl): < 4 %

  • Zeit über dem Zielbereich (TAR, > 180 mg/dl): < 25 %

Therapie des Typ-1-Diabetes

Die intensivierte Insulintherapie mittels Pumpe (CSII) oder multiplen täglichen Injektionen (MDI) stellt den Standard dar. Die Nutzung von Insulinpumpen und CGM-Systemen wird empfohlen, da sie die Zeit im Zielbereich (TIR) signifikant erhöhen.

Der Einsatz von Metformin als Zusatztherapie bei Typ-1-Diabetes und Übergewicht wird nicht empfohlen, da es die Glykämiekontrolle nicht nachhaltig verbessert.

Es wird empfohlen, bei sportlicher Aktivität die Insulindosis vorab zu reduzieren und bei Bedarf zusätzliche Kohlenhydrate zuzuführen. Bei moderater Intensität über 30 Minuten sind dies 0,2 bis 0,5 g/kg/h.

Diabetische Ketoazidose (DKA)

Bei einer DKA wird eine sofortige Rehydrierung empfohlen, bevor mit der Insulintherapie begonnen wird. Das Flüssigkeitsdefizit sollte innerhalb von 24 bis 48 Stunden ausgeglichen werden.

Die intravenöse Insulingabe darf gemäß Leitlinie frühestens 1 Stunde nach Start der Rehydrierung beginnen. Die empfohlene Dosierung liegt bei 0,05 bis 0,1 IE/kg/h.

Typ-2-Diabetes und monogene Formen

Bei Typ-2-Diabetes im Jugendalter wird Metformin als Mittel der Wahl empfohlen. Bei unzureichender Kontrolle oder initialen Blutzuckerwerten > 250 mg/dl ist eine Insulintherapie zu initiieren.

Für Patienten mit neonatalem Diabetes, der in den ersten 6 Lebensmonaten auftritt, wird eine sofortige genetische Testung empfohlen. Bei Nachweis einer KCNJ11- oder ABCC8-Mutation ist eine Umstellung von Insulin auf Sulfonylharnstoffe indiziert.

Dosierung

Die Leitlinie und die zugrundeliegenden Evidenztabellen nennen folgende Dosierungsrichtlinien für akute Komplikationen und spezifische Therapieansätze:

IndikationWirkstoff / MaßnahmeDosierung laut Evidenz
Diabetische Ketoazidose (DKA)Insulin (intravenös)0,05 - 0,1 IE/kg/h (Start erst 1h nach Rehydrierung)
Leichte/moderate HypoglykämieSchnell resorbierbare Kohlenhydrate0,3 g/kg Körpergewicht
Schwere HypoglykämieGlukagon0,5 - 1,0 mg (oder 10 - 30 µg/kg)
Schwere HypoglykämieGlukose / Dextrose (langsame Injektion)200 - 500 mg/kg
Typ-2-Diabetes (Erstlinientherapie)MetforminTitration bis 2000 mg/Tag (laut Studienprotokollen)
Typ-2-Diabetes (Zweitlinie bei Adipositas)Liraglutid3,0 mg 1x täglich s.c. (laut Studienprotokollen)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Bikarbonat bei DKA: Wird nicht routinemäßig empfohlen. Eine Ausnahme besteht nur bei lebensbedrohlicher Hyperkaliämie oder schwerster Azidose mit einem pH-Wert < 6,9.

  • Sport bei Hyperglykämie: Hochintensiver Sport ist bei einer Glykämie über 14 mmol/l (ca. 250 mg/dl) in Kombination mit einer Ketonämie kontraindiziert.

  • Metformin bei Typ-1-Diabetes: Wird als Zusatztherapie zur Gewichtsreduktion oder Blutzuckersenkung bei Typ-1-Diabetes ausdrücklich nicht empfohlen.

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💡Praxis-Tipp

Ein kritisches Risiko bei der Behandlung der diabetischen Ketoazidose (DKA) im Kindesalter ist die Entwicklung eines Hirnödems. Die Leitlinie warnt davor, die Insulintherapie zu früh zu beginnen; sie darf frühestens eine Stunde nach Beginn der intravenösen Rehydrierung gestartet werden. Zudem wird empfohlen, bei Warnzeichen wie Kopfschmerzen, Bradykardie oder Bewusstseinsstörungen sofort Mannitol oder hypertonische Kochsalzlösung bereitzustellen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt grundsätzlich einen HbA1c-Zielwert von unter 7,0 %. Ein aufgeweichter Zielwert von unter 7,5 % kann akzeptiert werden, wenn ein hohes Risiko für schwere Hypoglykämien besteht oder die Hypoglykämie-Wahrnehmung gestört ist.

Ein Risikoscreening wird nach Eintritt der Pubertät oder ab einem Alter von 10 Jahren empfohlen. Dies gilt insbesondere bei Vorliegen von Übergewicht in Kombination mit Risikofaktoren wie einer positiven Familienanamnese oder klinischen Zeichen einer Insulinresistenz.

Laut Leitlinie erfolgt die Behandlung einer schweren Hypoglykämie durch die Gabe von Glukagon (0,5 bis 1,0 mg) oder durch eine langsame intravenöse Injektion von Glukose (200 bis 500 mg/kg). Bei leichten Hypoglykämien wird die orale Gabe von 0,3 g/kg Kohlenhydraten empfohlen.

Bei Patienten mit zystischer Fibrose wird ein jährliches Screening mittels 2-Stunden-OGTT ab dem 10. Lebensjahr empfohlen. Die alleinige Bestimmung des HbA1c-Wertes ist laut Leitlinie für die Diagnose eines CF-DM nicht ausreichend empfindlich.

Eine genetische Untersuchung wird bei allen Kindern empfohlen, bei denen ein Diabetes in den ersten 6 Lebensmonaten diagnostiziert wird. Zudem ist sie bei fehlenden Autoantikörpern und einer starken familiären Häufung, was auf einen MODY hindeutet, indiziert.

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Quelle: DDG: Evidenztabellen pdf (DDG, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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