Ernährung bei Typ-1-Diabetes: DDG-Praxisempfehlung
Hintergrund
Die DDG-Praxisempfehlung (2025/2026) fokussiert sich auf die individualisierte Ernährungstherapie bei Personen mit Typ-1-Diabetes (T1Dm). Da die Evidenz für allgemeingültige Ernährungsregeln begrenzt ist, steht das individuelle Testen der glykämischen Effekte im Vordergrund.
Ein zentrales Werkzeug hierfür ist das kontinuierliche Glukosemonitoring (CGM). Es ermöglicht die Ermittlung von Erfahrungswerten, die als Basis für die Lebensmittelauswahl und die dazu passende Strategie der Insulinapplikation dienen.
Die Leitlinie betont, dass wiederholte strukturierte Schulungen essenziell sind. Nur so kann ein erfolgreiches Diabetes Self-Management und Empowerment der Betroffenen erreicht werden.
Empfehlungen
Kohlenhydrate und glykämischer Index
Die Leitlinie empfiehlt, die aufgenommene Kohlenhydratmenge (KH) auf eine Kohlenhydrateinheit (KE, 10 g) genau pro Mahlzeit abzuschätzen. Dies bildet die Basis für eine algorithmusgeleitete Dosierung des prandialen Insulins.
Es wird keine grundsätzliche Bevorzugung von Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index (GI) empfohlen.
Für einzelne Mahlzeiten mit sehr niedrigem GI (unter 30) wird jedoch geraten:
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Deutlich weniger prandiales Insulin zu applizieren
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Hypoglykämien bei nahezu normoglykämischer Ausgangslage vorzubeugen
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Den Injektionszeitpunkt oder Applikationsmodus (bei CSII) individuell anzupassen
Fette und Proteine
Es besteht keine Evidenz dafür, Mahlzeiten grundsätzlich quantitativ auf Fett- und Eiweißgehalt abzuschätzen, um einen pauschalen Zusatzbolus abzuleiten.
Da fett- und eiweißreiche Mahlzeiten zu einer verzögerten Hyperglykämie führen können, wird ein individuelles Testen per Selbstkontrolle empfohlen.
Die Leitlinie warnt davor, dass eine pauschale Erhöhung der prandialen Insulindosis für eiweißreiche Abendmahlzeiten das Risiko nächtlicher Hypoglykämien erhöht.
Ernährungsmuster und Mahlzeitenfrequenz
Laut Leitlinie gibt es eine Vielzahl geeigneter Ernährungsmuster (z. B. mediterran, vegetarisch, vegan), wobei individuelle Präferenzen entscheidend sind.
Bei bestehendem Übergewicht wird empfohlen:
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Unregelmäßiges Essen und späte Energieaufnahme zu meiden
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Das tägliche Zeitfenster der Nahrungsaufnahme auf unter 12 Stunden zu begrenzen
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Kalorien überwiegend in der ersten Tageshälfte zu konsumieren
Für intermittierendes Fasten oder das Auslassen von Mahlzeiten kann aufgrund fehlender Langzeitdaten keine Empfehlung ausgesprochen werden.
Management der Hypoglykämie
Zur Behandlung einer Hypoglykämie formuliert die Leitlinie klare Zielwerte für die Kohlenhydratzufuhr:
| Schweregrad der Hypoglykämie | Maßnahme | Wiederholung |
|---|---|---|
| Milde Hypoglykämie (Selbsttherapie möglich) | 15–20 g schnell resorbierbare Kohlenhydrate | Nach 15 Minuten, falls Glukose weiterhin bei 50–60 mg/dl liegt |
| Schwere Hypoglykämie (mit Bewusstseinstrübung) | 30 g schnell resorbierbare Kohlenhydrate | Ggf. 15–20 g langsam resorbierbare Kohlenhydrate nachreichen |
Bei Bewusstlosigkeit dürfen keine oralen Kohlenhydrate zugeführt werden. In diesen Fällen ist eine Glukagon-Gabe oder eine intravenöse Glukosegabe indiziert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, dass der Genuss größerer Alkoholmengen das Risiko für schwere, insbesondere nächtliche Hypoglykämien signifikant erhöht. Es wird empfohlen, dieses Risiko durch eine begleitende Nahrungsaufnahme während des Alkoholkonsums und eine Anhebung des Zielblutzuckers zur Nacht zu reduzieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine pauschale Erhöhung des prandialen Insulins bei eiweißreichen Abendmahlzeiten ebenfalls nächtliche Unterzuckerungen provozieren kann.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie gibt keine speziellen Empfehlungen zur Reduktion von zugesetzter Saccharose, die über die Empfehlungen für die Allgemeinbevölkerung hinausgehen. Lebensmittel mit natürlich vorkommenden Zuckern wie Glukose und Fruktose sollten laut Leitlinie nicht eingeschränkt werden.
Süßstoffe können gemäß der Leitlinie als gelegentlicher Zusatz im Rahmen einer diabetesgerechten Ernährung sinnvoll sein. Solange die Höchstmengen eingehalten werden, gelten sie als gesundheitlich unbedenklich und haben keine nachteiligen Auswirkungen auf die Blutglukose.
Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz für die Überlegenheit einer Low-Carb-Diät zur Gewichtsreduktion bei Typ-1-Diabetes. Die Leitlinie warnt, dass stark kohlenhydratreduzierte Diäten das Hypoglykämie-Risiko erhöhen können und eine engmaschige Anpassung des Insulinschemas erfordern.
Eine Routine-Supplementation mit Mikronährstoffen, Vitaminen oder Probiotika wird von der Leitlinie nicht empfohlen. Der Nährstoffbedarf sollte primär durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt werden, es sei denn, es liegt ein nachgewiesener Mangel vor.
Es gibt keine hinreichende Evidenz für eine spezifische, erhöhte Ballaststoffmenge zur Erreichung des glykämischen Therapieziels. Die Leitlinie orientiert sich an der Empfehlung für die Allgemeinbevölkerung, welche bei 30 Gramm pro Tag liegt.
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Quelle: DDG: PE_Ernährungsempfehlung bei Typ-1-Diabetes pdf (DDG, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.