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Adipositas und Schwangerschaft: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Adipöse Frauen sollten präkonzeptionell 400 µg Folsäure/Tag einnehmen, nach bariatrischer OP 800 µg/Tag.
  • Ab einem BMI von 35 kg/m² sollte ab 11+0 SSW eine Präeklampsie-Prophylaxe mit 150 mg ASS/Tag erfolgen.
  • Nach bariatrischen Eingriffen sollte in den ersten 12 Monaten eine Schwangerschaft sicher verhütet werden (keine oralen Kontrazeptiva).
  • Bei übergewichtigen Schwangeren mit mindestens zwei weiteren Risikofaktoren ist eine medikamentöse Thromboseprophylaxe indiziert.
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Hintergrund

Adipositas ist ein zunehmendes Problem bei Schwangeren und geht mit erheblichen Komplikationen für Mutter und Kind einher. Die Klassifikation erfolgt nach WHO-Kriterien:

KategorieBMI (kg/m²)Risiko für Begleiterkrankungen
Normalgewicht18,5–24,9Durchschnittlich
Übergewicht (Präadipositas)25,0–29,9Gering erhöht
Adipositas Grad I30,0–34,9Erhöht
Adipositas Grad II35,0–39,9Hoch
Adipositas Grad III≥ 40,0Sehr hoch

Präkonzeptionelle Betreuung

Lebensstil und Ernährung

Adipöse Frauen mit Kinderwunsch sollten zu einer präkonzeptionellen Lebensstilintervention (Bewegung, gesunde Ernährung) motiviert werden (Empfehlungsgrad B), da dies das Risiko für einen späteren Gestationsdiabetes senkt.

Folsäuresupplementierung

Frauen mit Adipositas haben ein erhöhtes Risiko für kindliche Neuralrohrdefekte.

  • Standardempfehlung: Zusätzlich zur folatreichen Ernährung sollen 400 µg Folsäure/Tag supplementiert werden (Empfehlungsgrad A).
  • Nach bariatrischer OP: Es sollten 800 µg Folsäure/Tag substituiert werden (Empfehlungsgrad B).
  • Zeitraum: Die Einnahme soll mindestens 4 Wochen vor Konzeption beginnen und bis zum Ende des 1. Trimenons fortgeführt werden (Empfehlungsgrad A).

Bariatrische Chirurgie

Nach einem adipositaschirurgischen oder metabolischen Eingriff sollte in der Phase des Gewichtsverlustes (erste 12 Monate) eine sichere Empfängnisverhütung durchgeführt werden (Empfehlungsgrad B). Orale Kontrazeptiva gelten insbesondere nach Bypassverfahren als nicht sicher, da eine ausreichende Resorption nicht gewährleistet ist.

Komorbiditäten

Vor einer Schwangerschaft soll eine Abklärung und adäquate Behandlung von Komorbiditäten (z. B. Diabetes mellitus, Hypertonus, PCOS) erfolgen (Empfehlungsgrad A). Eine bestehende Medikation sollte interdisziplinär überprüft und ggf. umgestellt werden (Empfehlungsgrad B).

Besondere Aspekte in der Schwangerenvorsorge

Präeklampsie-Prophylaxe

Adipositas erhöht das Risiko für eine Präeklampsie um den Faktor 3–5.

  • Risikokalkulation: Übergewichtigen Schwangeren (BMI ≥ 25 kg/m²) sollte zwischen 11+0 und 13+6 SSW eine individuelle Risikokalkulation angeboten werden (Empfehlungsgrad B).
  • ASS-Prophylaxe nach Risiko: Bei einem Risiko > 1:100 sollte 150 mg/Tag Acetylsalicylsäure (ASS) zur Reduktion der Präeklampsierate vor der 37. SSW gegeben werden (Empfehlungsgrad B).
  • ASS-Prophylaxe nach BMI: Bei einem BMI > 35 kg/m² sollte generell eine Gabe von ASS 150 mg/Tag ab 11+0 SSW erfolgen (Empfehlungsgrad B).

Vitamin-D-Substitution

Eine generelle höherdosierte Vitamin-D-Gabe bei Adipositas wird nicht empfohlen. Im Einzelfall kann bei fehlender oder verminderter Eigensynthese eine Supplementation (200–600 Einheiten/Tag) indiziert sein (Empfehlungsgrad 0).

Thromboseprophylaxe

Das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) ist bei Adipositas erhöht, insbesondere post partum und nach Sectio.

RisikostufeKriterien in der Schwangerschaft
NiedrigFamiliäre Thromboseanamnese, thrombophile Faktoren ohne Eigenanamnese
MittelThrombose in Eigenanamnese, wiederholte Aborte/schwere Präeklampsie + Thrombophilie, Niedriges Risiko + Zusatzfaktoren (z. B. Adipositas)
HochWiederholte Thrombose in Eigenanamnese, homozygote Faktor-V-Leiden-Mutation + Thrombose in Eigenanamnese

Zusätzliche Risikofaktoren (Auswahl):

  • BMI > 25 kg/m²
  • Alter > 35 Jahre
  • Multiparität (> 4 Geburten)
  • Präeklampsie
  • Sectio caesarea
  • Immobilisation

Übergewichtige Schwangere mit zwei oder mehr zusätzlichen Risikofaktoren sollten neben der nichtmedikamentösen VTE-Prophylaxe eine medikamentöse Prophylaxe erhalten (Empfehlungsgrad B).

💡Praxis-Tipp

Beginnen Sie bei Schwangeren mit einem BMI > 35 kg/m² frühzeitig (ab 11+0 SSW) mit einer ASS-Prophylaxe (150 mg/Tag), um das signifikant erhöhte Präeklampsierisiko zu senken. Achten Sie nach bariatrischen Operationen auf eine sichere, nicht-orale Kontrazeption in den ersten 12 Monaten.

Häufig gestellte Fragen

Die Empfehlung liegt bei 400 µg Folsäure pro Tag, beginnend mindestens 4 Wochen vor der Konzeption. Nach bariatrischen Operationen sollten 800 µg/Tag eingenommen werden.
Bei einem BMI > 35 kg/m² sollte generell ab 11+0 SSW ASS 150 mg/Tag gegeben werden. Bei einem BMI ab 25 kg/m² wird eine individuelle Risikokalkulation empfohlen; bei einem Risiko > 1:100 ist ASS ebenfalls indiziert.
In den ersten 12 Monaten nach der Operation (Phase der Gewichtsreduktion) sollte eine Schwangerschaft vermieden werden. Danach gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Fehlgeburtenrate.
Nein, insbesondere nach Bypassverfahren ist die Resorption oraler Antikonzeptiva nicht sicher gewährleistet. Es sollten andere Verhütungsmethoden empfohlen werden.
Es gibt keine generelle Empfehlung für eine höhere Dosierung bei Adipositas. Im Einzelfall kann bei verminderter Eigensynthese eine Supplementation von 200-600 Einheiten/Tag indiziert sein.

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