Diabetes und Psychosoziales: DDG-Praxisempfehlung 2025

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: DDG (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die DDG-Praxisempfehlung 2025 betont die Gleichwertigkeit somatischer und psychosozialer Faktoren für die Prognose von Menschen mit Diabetes mellitus. Betroffene müssen die wesentlichen Therapiemaßnahmen dauerhaft und eigenverantwortlich in ihrem persönlichen Alltag umsetzen.

Ein erfolgreiches Selbstmanagement hängt maßgeblich von der emotionalen Akzeptanz, dem familiären Umfeld und der Bewältigung diabetesspezifischer Belastungen ab. Die Leitlinie fokussiert sich auf erwachsene Patienten und klammert Themen wie Sozialrecht oder Migration bewusst aus.

Psychische Komorbiditäten wie Depressionen, Angststörungen oder kognitive Einschränkungen können die Therapieadhärenz und die Stoffwechseleinstellung erheblich verschlechtern. Daher wird eine frühzeitige psychosomatische Diagnostik sowie eine strukturierte Patientenschulung als unverzichtbares Element der Diabetestherapie angesehen.

Empfehlungen

Die DDG-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur psychosozialen Betreuung:

Patientenschulung

Jeder Mensch mit Diabetes mellitus soll unmittelbar nach der Diagnosestellung eine Basisdiabetesschulung erhalten.

Bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen wird empfohlen, auch die entsprechenden Betreuungspersonen in die Schulung einzubeziehen.

Indikationen für Wiederholungs- oder Ergänzungsschulungen umfassen laut Leitlinie:

  • Bedeutsame Therapieveränderungen (z. B. Umstellung auf Insulin)

  • Nichterreichen der vereinbarten Therapieziele (z. B. dauerhaft erhöhte HbA1c-Werte)

  • Auftreten von Folge- und Begleiterkrankungen

  • Besondere Lebensumstände, die die Therapieumsetzung erschweren

Kognitive Beeinträchtigungen und Demenz

Laut Leitlinie weisen Patienten mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko für vaskuläre Demenz und Alzheimer-Demenz auf.

In der Risikogruppe älterer Menschen (über 65 Jahre) mit längerer Diabetesdauer und kardiovaskulärer Komorbidität sollte jährlich ein Demenzscreening durchgeführt werden.

Bei älteren Personen mit deutlichen kognitiven Einschränkungen wird ein HbA1c-Zielwert um 8 % (64 mmol/mol) angestrebt, um Hypoglykämien sicher zu vermeiden.

Depression

Menschen mit Diabetes sollen mindestens einmal pro Jahr und in kritischen Krankheitsphasen auf das Vorliegen einer klinischen oder subklinischen Depression gescreent werden.

Für das Screening wird der Einsatz von zwei kurzen Leitfragen oder standardisierten Instrumenten wie dem WHO-5 oder dem PHQ-9 empfohlen.

Bei der Behandlung einer mittelgradigen bis schweren Depression wird eine Kombination aus Psychotherapie und Pharmakotherapie empfohlen. Als medikamentöse Therapie der ersten Wahl gelten Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI).

Angststörungen

Die Leitlinie rät zur gezielten Abklärung diabetesbezogener Ängste, wie der Hypoglykämieangst oder der Progredienzangst (Angst vor Folgeerkrankungen).

Für die Behandlung von Angststörungen bei Diabetes wird ein gestuftes Vorgehen empfohlen:

StufeCharakteristikaTherapieoptionen
Stufe 1Geringgradige oder diabetesspezifische ÄngstePsychoedukation, Selbsthilferatgeber, aktives Monitoring
Stufe 2Mittelgradige/schwere Ängste oder fehlende RemissionAmbulante Psychotherapie (bevorzugt Verhaltenstherapie), Entspannungsverfahren
Stufe 3Therapieresistenz auf Stufe 2 oder starke BeeinträchtigungErgänzende Psychopharmakotherapie (bevorzugt SSRI)
Stufe 4Komplexe, behandlungsresistente schwere AngststörungenStationäre oder teilstationäre Behandlung in spezialisierten Kliniken

Abhängigkeitserkrankungen

Der Alkoholkonsum und der Tabakkonsum sollen regelmäßig, mindestens einmal im Jahr, ärztlich erhoben werden.

Bei Verdacht auf einen schädlichen Alkoholkonsum wird der CAGE-G-Fragebogen als Screeninginstrument empfohlen. Für die Bestimmung der Nikotinabhängigkeit empfiehlt sich der Fagerström-Test.

Schizophrenie und Essstörungen

Bei Patienten mit Schizophrenie wird empfohlen, primär Antipsychotika zu erwägen, die mit keiner oder nur geringer Gewichtszunahme verbunden sind.

Die Leitlinie empfiehlt folgende Untersuchungsintervalle bei Patienten mit Schizophrenie zur Überwachung des metabolischen Risikos:

UntersuchungBeginn der TherapieNach 4 und 8 WochenNach 3 MonatenAlle 3 MonateJährlich
AnamneseJaNeinNeinNeinJa
Körpergewicht (BMI)JaJaJaJaNein
TaillenumfangJaNeinNeinNeinJa
BlutdruckJaJaJaNeinJa
NüchternblutglukoseJaJaJaNeinJa
NüchternblutfetteJaNeinJaNeinJa

Bei unzureichender Stoffwechseleinstellung und starken Gewichtsschwankungen, insbesondere bei jungen Frauen, sollte differenzialdiagnostisch an eine Essstörung (z. B. Bulimia nervosa mit Insulin-Purging) gedacht werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie weist auf folgende Warnhinweise und Einschränkungen hin:

  • Bei der Verordnung von Vareniclin (Champix) und Bupropion (Zyban) zur Raucherentwöhnung bei Personen mit Diabetes sind wichtige Anwendungsbeschränkungen und Warnhinweise zu beachten.

  • Antidepressiva sollten nicht generell zur Erstbehandlung bei leichten depressiven Episoden eingesetzt werden.

  • Trizyklische Antidepressiva können zu Gewichtszunahme und Blutglukoseerhöhung führen und sollten nur bei spezifischer Indikation (z. B. diabetische Neuropathie) eingesetzt werden.

  • Benzodiazepine sollten bei Angststörungen nur kurzfristig zur Krisenintervention angeboten werden.

  • Neuroleptika sollten in der Behandlung von Angststörungen in der Regel nicht zum Einsatz kommen.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass Patienten mit einer depressiven Störung häufig wegen unspezifischer körperlicher Beschwerden vorstellig werden und die psychische Symptomatik bagatellisieren. Es wird empfohlen, bei Symptomen wie Schwäche, erhöhter Ermüdbarkeit, Schlafstörungen oder Gewichtsabnahme differenzialdiagnostisch immer auch an eine Depression zu denken. Zudem sollte bei schweren Ketoazidosen oder Hypoglykämien geprüft werden, ob diese Ausdruck eines Suizidversuchs oder selbstschädigenden Verhaltens sind.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie werden bei älteren Personen mit deutlichen kognitiven Einschränkungen HbA1c-Werte um 8 % (64 mmol/mol) angestrebt. Das primäre Ziel ist es, Hypoglykämien sicher zu vermeiden und gleichzeitig Hyperglykämien vorzubeugen, die zu Dehydratation führen könnten.

Die Leitlinie empfiehlt, Menschen mit Diabetes mindestens einmal pro Jahr auf das Vorliegen einer klinischen oder subklinischen Depression zu screenen. Zusätzlich sollte ein Screening in kritischen Krankheitsphasen, wie bei der Diagnose oder der Entwicklung von Folgeerkrankungen, erfolgen.

Wenn eine medikamentöse Therapie indiziert ist, empfiehlt die Leitlinie bevorzugt Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Trizyklische Antidepressiva sollten wegen möglicher Gewichtszunahme und Blutglukoseerhöhung nur bei speziellen Indikationen wie der diabetischen Neuropathie eingesetzt werden.

Als Insulin-Purging wird das absichtliche Weglassen von Insulin als Mittel zur Gewichtsreduktion im Rahmen einer Essstörung bezeichnet. Die Leitlinie warnt, dass dieses Verhalten mit einer schlechteren glykämischen Kontrolle und einem deutlich erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert ist.

Es wird empfohlen, primär Antipsychotika einzusetzen, die mit keiner oder nur geringer Gewichtszunahme verbunden sind. Laut Leitlinie zählen dazu beispielsweise Amisulprid, Aripiprazol und Ziprasidon, während Clozapin und Olanzapin eine ausgeprägte Gewichtszunahme verursachen können.

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Quelle: DDG: PE_Diabetes_und_Psychosoziales_2025.pdf pdf (DDG, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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