IQWiG2019

Dapagliflozin bei Typ-2-Diabetes: Indikation und Nutzen

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der vorliegende Bericht des IQWiG befasst sich mit der frühen Nutzenbewertung des Wirkstoffs Dapagliflozin. Es handelt sich um eine erneute Bewertung aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse für das gesamte zugelassene Anwendungsgebiet bei Erwachsenen mit Diabetes mellitus Typ 2.

Der pharmazeutische Unternehmer reichte für das Dossier Daten der DECLARE-TIMI 58-Studie ein. Diese fokussierte sich auf eine Teilpopulation mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

Laut Bericht weicht das eingereichte Dossier jedoch von den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ab. Es wurde nicht das komplette Anwendungsgebiet abgedeckt und die festgelegte zweckmäßige Vergleichstherapie wurde nicht berücksichtigt.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Nutzenbewertung:

Bewertung des Zusatznutzens

Laut Bewertung ist ein Zusatznutzen von Dapagliflozin nicht belegt. Dies gilt für alle fünf vom G-BA definierten Fragestellungen und Patientengruppen.

Der Grund hierfür ist, dass der pharmazeutische Unternehmer keine Daten im direkten Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie vorgelegt hat. Stattdessen wurde ein Vergleich mit einer allgemeinen Standardtherapie angestrebt.

Kritik an der vorgelegten Studie

Die eingereichte Studie DECLARE-TIMI 58 wird im Bericht als ungeeignet für den Nachweis eines Zusatznutzens eingestuft.

Die Bewertung nennt dafür folgende Hauptgründe:

  • Die im Studienprotokoll definierte Standardtherapie wurde nicht ausreichend umgesetzt.

  • Vorgegebene Zielwerte für den Langzeitblutzucker (HbA1c) und den Blutdruck wurden bei einem Großteil der Teilnehmenden verfehlt.

  • Wirkstoffe, die der G-BA als Teil der Vergleichstherapie definiert hat (wie Empagliflozin oder Liraglutid), kamen kaum zum Einsatz.

Studienergebnisse (DECLARE-TIMI 58)

Unabhängig von der Eignung für die Nutzenbewertung zeigt die Studie laut Bericht statistisch signifikante Vorteile für Dapagliflozin bei bestimmten Endpunkten.

  • Reduktion von Hospitalisierungen aufgrund von Herzinsuffizienz

  • Verringerung von schweren Herzinsuffizienzen

  • Reduktion von Nierenerkrankungen

Gleichzeitig weist der Bericht auf statistisch signifikante Nachteile im Vergleich zu Placebo hin. Dazu zählen vermehrte Therapieabbrüche wegen Harnwegs- und Genitalinfektionen sowie das Auftreten von definitiven diabetischen Ketoazidosen.

Dosierung

Die Fachinformation gibt laut Bericht folgende Dosierungsempfehlungen vor:

Indikation / PatientengruppeEmpfohlene Dosierung
Standarddosierung (Monotherapie oder Add-on)10 mg einmal täglich
Schwere LeberfunktionsstörungAnfangsdosis 5 mg (Erhöhung auf 10 mg bei guter Verträglichkeit möglich)
eGFR < 60 ml/minKeine Therapieinitiierung empfohlen
eGFR dauerhaft < 45 ml/minTherapie absetzen

Kontraindikationen

Laut Bericht bestehen folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für die Anwendung von Dapagliflozin:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile

  • Beginn einer Therapie bei Personen ab 75 Jahren wird nicht empfohlen

  • Besondere Vorsicht bei Nieren- oder Leberfunktionsstörungen

  • Risiko für Volumenmangel, Hypotonie oder Elektrolytstörungen

  • Warnhinweise bezüglich diabetischer Ketoazidose und Fournier-Gangrän

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht weist darauf hin, dass bei der Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko eine konsequente Umsetzung der Begleittherapie essenziell ist. Es wird betont, dass patientenindividuelle Zielwerte für Blutdruck und HbA1c oft verfehlt werden, wenn die medikamentösen Anpassungsmöglichkeiten nicht vollständig ausgeschöpft werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut der aktuellen Bewertung ist ein Zusatznutzen für Dapagliflozin nicht belegt. Der Hersteller hat keine geeigneten Daten vorgelegt, die einen Vergleich mit der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie ermöglichen.

Der Bericht kritisiert, dass die in der Studie durchgeführte Behandlung nicht der geforderten Standardtherapie entsprach. Wichtige Zielwerte für Blutzucker und Blutdruck wurden nicht erreicht und empfohlene Vergleichsmedikamente kamen kaum zum Einsatz.

Die Fachinformation empfiehlt, bei einer eGFR unter 60 ml/min keine neue Therapie mit Dapagliflozin zu beginnen. Fällt die eGFR dauerhaft unter 45 ml/min, sollte das Medikament laut Bericht abgesetzt werden.

Die Auswertung der Studiendaten zeigt signifikant häufigere Therapieabbrüche aufgrund von Genital- und Harnwegsinfektionen. Zudem wurde ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer definitiven diabetischen Ketoazidose beobachtet.

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Quelle: IQWiG A19-53: Dapagliflozin (Diabetes mellitus Typ 2) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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