COVID-19-Impfstoff Janssen: TTS und Myokarditis-Risiko
Hintergrund
Der Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der AkdÄ vom Juni 2021 fasst Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach COVID-19-Impfungen zusammen. Der Beobachtungszeitraum erstreckt sich vom Beginn der Impfkampagne im Dezember 2020 bis Ende Mai 2021.
In diesem Zeitraum wurden in Deutschland über 50 Millionen Impfungen mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Moderna sowie den Vektor-Impfstoffen Vaxzevria und Janssen durchgeführt. Die Melderate für schwerwiegende Reaktionen betrug 0,2 pro 1.000 Impfdosen.
Der Bericht fokussiert sich auf seltene, aber schwerwiegende unerwünschte Ereignisse von besonderem Interesse. Dazu zählen insbesondere das Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS), Myokarditiden sowie neurologische Komplikationen.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernpunkte zur Impfsicherheit:
Vergleich der Melderaten
Es werden die Melderaten von Verdachtsfällen nach den verschiedenen Impfstoffen verglichen:
| Impfstoff | Gemeldete Verdachtsfälle | Anteil schwerwiegend | Melderate pro 1.000 Impfungen |
|---|---|---|---|
| Comirnaty | 34.735 | 12,3 % | 0,9 |
| Moderna | 8.319 | 4,6 % | 2,1 |
| Vaxzevria | 34.870 | 9,5 % | 3,8 |
| Janssen | 733 | 1,9 % | 1,6 |
Altersbeschränkungen und Impfschemata
Basierend auf den Sicherheitsdaten empfiehlt die STIKO die Vektor-Impfstoffe Vaxzevria und Janssen primär für Personen ab 60 Jahren (starke Empfehlung). Eine Anwendung bei jüngeren Personen ist nach ärztlichem Ermessen und individueller Risikoaufklärung möglich.
Für Personen unter 60 Jahren, die bereits eine erste Dosis Vaxzevria erhalten haben, wird als zweite Dosis ein mRNA-Impfstoff im Abstand von zwölf Wochen empfohlen.
Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS)
Der Bericht warnt vor TTS als sehr seltene, schwerwiegende Nebenwirkung nach Vektor-Impfstoffen, die meist innerhalb von drei Wochen nach der Impfung auftritt. Geimpfte Personen sollen umgehend ärztlich untersucht werden, wenn folgende Symptome auftreten:
-
Kurzatmigkeit, Brustschmerzen oder Beinschwellungen
-
Anhaltende Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
-
Neurologische Symptome wie starke, anhaltende Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen
-
Blutergüsse (Petechien) außerhalb der Injektionsstelle
Bei einer diagnostizierten Thrombozytopenie innerhalb von drei Wochen nach der Impfung wird eine aktive Untersuchung auf Thrombosen empfohlen. Umgekehrt soll bei einer Thrombose nach der Impfung unverzüglich auf eine Thrombozytopenie getestet werden.
Myokarditis und Perikarditis
Nach der Gabe von mRNA-Impfstoffen wird auf ein mögliches Risiko für Myokarditiden und Perimyokarditiden hingewiesen. Diese treten typischerweise innerhalb weniger Tage nach der Impfung auf, vorwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Eine Myokarditis oder Perikarditis sollte differenzialdiagnostisch in Betracht gezogen werden bei:
-
Akuten Brustschmerzen
-
Kurzatmigkeit
-
Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen
Es wird empfohlen, andere mögliche Ursachen wie infektiologische oder rheumatische Erkrankungen abzuklären.
Neurologische und allergische Reaktionen
Der Bericht verweist auf ein mögliches Risikosignal für das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) nach der Impfung mit Vaxzevria. Bei anaphylaktischen Reaktionen wird ein Vorgehen nach dem Algorithmus der allergologischen Fachgesellschaften empfohlen.
Kontraindikationen
Der Bericht nennt keine absoluten Kontraindikationen, verweist jedoch auf die STIKO-Empfehlung, Vektor-Impfstoffe (Vaxzevria, Janssen) in der Regel nicht bei Personen unter 60 Jahren anzuwenden. Bei einer positiven Allergieanamnese wird ein spezielles Vorgehen gemäß allergologischen Leitlinien angeraten.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont, dass bei Personen mit Thrombose und normalen Thrombozytenzahlen nach einer Impfung ein frühes Stadium eines TTS vorliegen kann. Daher sind in solchen Fällen wiederholte Untersuchungen der Thrombozytenwerte erforderlich. Zudem wird darauf hingewiesen, dass auch bei isolierten Blutungsereignissen kurz nach der Impfung die Thrombozytenzahl kontrolliert werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Sicherheitsbericht treten die meisten Fälle von TTS innerhalb von drei Wochen nach der Impfung mit einem Vektor-Impfstoff auf. Es wurden jedoch auch sehr seltene Fälle mit kürzerer Latenzzeit nach einer Zweitimpfung beobachtet.
Der Bericht zeigt, dass Myokarditiden und Perimyokarditiden überwiegend bei männlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 16 Jahren auftreten. Die Symptome zeigen sich meist innerhalb weniger Tage, häufiger nach der zweiten Impfdosis.
Es wird geraten, auf Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltende Bauchschmerzen zu achten. Auch starke Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen oder Petechien außerhalb der Einstichstelle gelten laut Bericht als Warnzeichen.
Die STIKO empfiehlt für diese Personengruppe eine heterologe Zweitimpfung. Es wird ein mRNA-Impfstoff im Abstand von zwölf Wochen zur Erstimpfung angeraten.
Der Sicherheitsbericht identifiziert ein mögliches Risikosignal für das Guillain-Barré-Syndrom nach der Impfung mit Vaxzevria. Die Erstsymptome traten in den gemeldeten Fällen bis zu 22 Tage nach der Impfung auf.
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Quelle: AkdÄ: Rote-Hand-Brief zu COVID-19 Vaccine Janssen (AkdÄ, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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