COVID-19 bei Älteren: Prävention und Pflegeversorgung
Hintergrund
Ältere Menschen weisen bei neu auftretenden Infektionskrankheiten wie COVID-19 eine besonders hohe Vulnerabilität und Letalität auf. Die WHO-Leitlinie adressiert daher spezifische Schutzmaßnahmen für diese Altersgruppe in verschiedenen Betreuungsszenarien.
Neben dem direkten Infektionsschutz beleuchtet das Dokument auch die indirekten Folgen von Pandemiemaßnahmen. So können soziale Isolation und Bewegungsmangel die kognitiven und physischen Funktionen älterer Personen erheblich beeinträchtigen.
Ziel der Leitlinie ist es, einen sicheren Übergang von der akuten Pandemiereaktion zu einem nachhaltigen Management zu gewährleisten. Dabei liegt der Fokus auf Langzeitpflegeeinrichtungen, der häuslichen Pflege sowie der Förderung der allgemeinen physischen und psychischen Gesundheit.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die Betreuung älterer Menschen:
Infektionsprävention in Pflegeeinrichtungen
Die Leitlinie definiert drei Grundprinzipien für Langzeitpflegeeinrichtungen: Infektionen nicht hineintragen, nicht heraustragen und nicht innerhalb der Einrichtung verbreiten.
Zur Umsetzung wird empfohlen:
-
Etablierung eines multidisziplinären Teams für Infektionsprävention und -kontrolle (IPC)
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Tägliches Monitoring von Bewohnern und Personal auf Symptome wie Fieber oder Atemwegsbeschwerden
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Räumliche Trennung (Kohortierung) von symptomatischen Personen mit einem Mindestabstand von einem Meter
Umgang mit Verdachts- und bestätigten Fällen
Bei der Versorgung von Verdachts- oder bestätigten COVID-19-Fällen wird die strikte Einhaltung von Kontakt- und Tröpfcheninfektionsmaßnahmen angeraten.
Bei aerosolgenerierenden Eingriffen oder in schlecht belüfteten Räumen wird zusätzlich ein luftgetragener Schutz (N95-Masken oder äquivalent) empfohlen.
Symptomatische Personen sollten laut Leitlinie für 10 Tage nach Symptombeginn plus mindestens 3 symptomfreie Tage isoliert werden.
Häusliche Pflege und Betreuung
Für die häusliche Pflege wird geraten, Besuche auf das Notwendigste zu beschränken und eine Risikobewertung vorzunehmen. Besondere Aufmerksamkeit wird der Betreuung von Menschen mit Demenz gewidmet, da diese Schutzmaßnahmen oft schwer nachvollziehen können.
Es wird empfohlen, frühzeitig alternative Pflegepläne zu erstellen, falls die Hauptpflegeperson erkrankt.
Post-COVID-Management
Bei anhaltenden Symptomen nach einer Infektion (Long COVID) empfiehlt die Leitlinie ein strukturiertes Selbstmanagement. Dies umfasst spezifische Atemübungen, eine schrittweise körperliche Aktivierung sowie kognitives Training zur Bewältigung von Konzentrationsschwächen.
Screening der intrinsischen Kapazität
Die Leitlinie stellt ein Screening-Instrument zur Beurteilung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zur Verfügung. Folgende Parameter sollten regelmäßig evaluiert werden:
| Bereich | Screening-Methode | Warnsignal |
|---|---|---|
| Kognition | 3-Wörter-Erinnerungstest & Orientierung | Weniger als 3 Wörter erinnert oder falsche Orientierung |
| Mobilität | Fünfmaliges Aufstehen vom Stuhl ohne Arme | Benötigte Zeit liegt über 14 Sekunden |
| Ernährung | Abfrage von Gewichtsverlust und Appetit | Unbeabsichtigter Verlust von >3 kg in 3 Monaten |
| Gehör | Flüster-Test oder Audiometrie | Audiometrie-Ergebnis ≤ 35 Dezibel |
| Psyche | Abfrage von Niedergeschlagenheit | Symptome bestehen über die letzten zwei Wochen |
Kontraindikationen
Personen mit Anzeichen oder Symptomen einer COVID-19-Infektion dürfen ältere Menschen laut Leitlinie weder zu Hause noch in Pflegeeinrichtungen besuchen.
Zudem wird vor dem Einsatz von Alkohol und Drogen zur Bewältigung von Isolation gewarnt, da dies das Sturzrisiko erhöht, das Immunsystem schwächt und zu Wechselwirkungen mit Medikamenten führen kann.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass Fieber bei Personen über 65 Jahren als Leitsymptom einer Infektion fehlen oder nur schwach ausgeprägt sein kann. Es wird daher geraten, bei der täglichen Überwachung in Pflegeeinrichtungen auch auf subtilere Anzeichen einer klinischen Verschlechterung zu achten.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Isolation für 10 Tage nach Symptombeginn empfohlen. Zusätzlich müssen im Anschluss mindestens 3 Tage völlige Symptomfreiheit, inklusive Fieberfreiheit, bestehen.
Die Leitlinie empfiehlt bei solchen Eingriffen zwingend luftgetragene Vorsichtsmaßnahmen. Dies umfasst das Tragen von N95-Masken oder gleichwertigem Atemschutz, Handschuhen, Kitteln sowie einem Augenschutz wie Schutzbrillen oder Gesichtsschilden.
Es wird der verstärkte Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wie Videoanrufen empfohlen. Zudem rät die Leitlinie zur Etablierung eines Buddy-Systems, bei dem Gemeindemitglieder regelmäßig nach isolierten älteren Menschen sehen.
Bei Post-COVID-Zuständen wird ein schrittweises Selbstmanagement angeraten. Die Leitlinie empfiehlt spezifische Atemtechniken und eine langsame, angepasste Steigerung der körperlichen Aktivität zur Linderung der Atemnot.
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Quelle: Guidance on COVID-19 for the care of older people and people living in long-term care facilities, other non-acute care facilities and home care (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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