COVID-19 Prävention in Pflegeheimen: Cochrane Review
Hintergrund
Dieser Artikel basiert auf einem systematischen Rapid Review der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2021. Untersucht wurde die Wirksamkeit nicht-pharmakologischer Maßnahmen zur Prävention von SARS-CoV-2-Infektionen in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen.
Bewohner von Alten- und Pflegeheimen weisen aufgrund ihres Alters, ihrer Vorerkrankungen und der engen Wohnverhältnisse ein besonders hohes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe auf. Gleichzeitig stellt die enge Interaktion mit dem Pflegepersonal und Besuchern ein hohes Übertragungsrisiko dar.
Der Review schloss 11 Beobachtungs- und 11 Modellierungsstudien ein. Die Autoren betonen, dass die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz für die meisten Maßnahmen überwiegend niedrig bis sehr niedrig ist.
Empfehlungen
Der Cochrane Review bewertet verschiedene Interventionskategorien zum Infektionsschutz in Pflegeeinrichtungen. Aufgrund der niedrigen Evidenzqualität werden die Effekte als mögliche, aber unsichere Tendenzen beschrieben.
Zugangsregulierung
Laut Review kann eine freiwillige Selbstisolation des Personals gemeinsam mit den Bewohnern die Zahl der Infektionen und Todesfälle verringern (niedrige Evidenz). Auch die Quarantäne und Testung von Neuaufnahmen wird als potenziell infektionsreduzierend beschrieben.
Besuchsbeschränkungen können laut den Studiendaten Infektionen und Todesfälle reduzieren. Der Review warnt jedoch vor möglichen negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bewohner.
Kontaktreduktion und Hygiene
Die Evidenz für kontaktregulierende Maßnahmen wird als sehr unsicher eingestuft. Dennoch beschreibt der Review folgende Ansätze als potenziell wirksam:
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Das Tragen von Masken und persönlicher Schutzausrüstung (PSA) zur Reduktion von Infektionen und Todesfällen
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Die Bildung von festen, nach außen abgeschlossenen Kohorten von Bewohnern und Personal
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Intensivierte Reinigungs- und Hygienemaßnahmen
Surveillance und Teststrategien
Die routinemäßige Testung von Bewohnern und Personal, unabhängig vom Symptomstatus, zeigt die verlässlichsten Effekte. Laut Review kann diese Maßnahme die Zahl der Infektionen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle unter den Bewohnern verringern.
Modellierungsstudien deuten darauf hin, dass häufigere Testungen, eine schnellere Verfügbarkeit der Ergebnisse und sensitivere Tests den Schutzeffekt verstärken. Eine rein symptomgeleitete Testung wird ebenfalls als potenziell nützlich, aber weniger gut belegt beschrieben.
Ausbruchskontrolle und kombinierte Maßnahmen
Im Falle eines Ausbruchs wird die räumliche Trennung von infizierten und nicht-infizierten Bewohnern sowie dem betreuenden Personal beschrieben. Dies kann laut Review die Zahl der Folgeinfektionen verringern.
Die Kombination mehrerer Maßnahmen aus verschiedenen Kategorien zeigt in den Studien den stärksten potenziellen Nutzen zur Reduktion von Infektionen und Todesfällen.
Übersicht der Maßnahmen und Evidenz
| Interventionskategorie | Beschriebener Effekt | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|
| Routinetestung (asymptomatisch) | Reduktion von Infektionen und Hospitalisierungen | Niedrig bis Moderat |
| Selbstisolation des Personals | Reduktion von Infektionen und Todesfällen | Niedrig |
| Besuchsbeschränkungen | Reduktion von Todesfällen, Risiko für psychische Folgen | Sehr niedrig bis Niedrig |
| Masken und PSA | Mögliche Reduktion von Infektionen | Sehr niedrig |
| Kohortenbildung | Mögliche Reduktion von Ausbrüchen | Sehr niedrig |
Kontraindikationen
Der Review weist explizit auf mögliche unerwünschte Folgen von strengen Isolationsmaßnahmen hin.
Besuchsbeschränkungen und strikte Kontaktverbote können laut den eingeschlossenen Studien zu einer Zunahme von Depressionen und Verhaltensauffälligkeiten bei den Bewohnern führen.
Zudem wird ein mögliches erhöhtes Risiko für ein Delirium, insbesondere bei Personen mit Demenzerkrankungen, im Zusammenhang mit diesen Maßnahmen beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Der Review betont, dass bei der Umsetzung von strengen Zugangsbeschränkungen in Pflegeheimen stets eine Abwägung zwischen dem Infektionsschutz und den psychischen Folgen für die Bewohner erfolgen sollte. Es wird darauf hingewiesen, dass isolierende Maßnahmen das Risiko für Depressionen und Delirien bei vulnerablen Personen erhöhen können. Daher wird eine Kombination aus weniger restriktiven Maßnahmen, wie etwa einer hochfrequenten Routinetestung des Personals, als potenziell vorteilhaft beschrieben.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review können routinemäßige, symptomunabhängige Testungen von Personal und Bewohnern die Zahl der Infektionen und Hospitalisierungen verringern. Modellierungsstudien zeigen, dass der Effekt bei häufigeren Tests und schnelleren Ergebnissen größer ist.
Die Studiendaten deuten darauf hin, dass Besuchsbeschränkungen Infektionen und Todesfälle reduzieren können. Der Review warnt jedoch gleichzeitig vor den negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Heimbewohner.
Die Bildung von festen, in sich geschlossenen Pflegegruppen (Kohorten) wird im Review als potenziell wirksame Maßnahme zur Reduktion von Ausbrüchen beschrieben. Die Evidenz für diesen Effekt wird jedoch als sehr unsicher eingestuft.
Eine rein symptomgeleitete Testung kann laut Review die Wahrscheinlichkeit von Ausbrüchen verringern. Die Evidenz spricht jedoch dafür, dass anlasslose Routinetestungen einen deutlich verlässlicheren Schutz bieten.
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Quelle: Cochrane Review: Non-pharmacological measures implemented in the setting of long-term care facilities to prevent SARS-CoV-2 infections and their consequences: a rapid review (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.