Codein bei Kindern: BfArM-Sicherheitswarnung
Hintergrund
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat basierend auf einer PRAC-Bewertung aus dem Jahr 2013 Sicherheitswarnungen zur Anwendung von Codein bei Kindern herausgegeben. Hintergrund waren mehrere tödliche oder lebensbedrohliche Fälle einer Morphinintoxikation bei Kindern nach einer Operation zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe.
Codein ist ein Prodrug, das über das Enzym CYP2D6 zum aktiven Metaboliten Morphin umgewandelt wird. Aufgrund genetischer Unterschiede in der CYP2D6-Aktivität variiert die Metabolisierungsrate stark.
Sogenannte ultra-schnelle Metabolisierer wandeln Codein beschleunigt oder in größeren Mengen in Morphin um. Dies führt zu einem stark erhöhten Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen bis hin zur tödlichen Intoxikation.
Empfehlungen
Die Sicherheitswarnung formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Einsatz:
Indikationsstellung
Laut BfArM ist Codein ausschließlich bei Kindern über 12 Jahren zur Behandlung von akuten, moderaten Schmerzen indiziert. Voraussetzung ist, dass davon ausgegangen wird, dass andere Analgetika wie Paracetamol oder Ibuprofen keine ausreichende Linderung erzielen.
Warnhinweise bei Komorbiditäten
Es wird empfohlen, Codein nicht bei Kindern anzuwenden, deren Atmung beeinträchtigt sein könnte. Unter diesen Umständen können sich die Symptome einer Morphinintoxikation verstärken.
Zu den genannten Risikofaktoren zählen:
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Neuromuskuläre Störungen
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Schwere Herz- oder Atemwegserkrankungen
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Infektionen der oberen Atemwege oder der Lunge
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Multiple Traumata oder ausgedehnte chirurgische Eingriffe
Überwachung und Intoxikation
Das BfArM weist darauf hin, dass Betreuungspersonen angewiesen werden sollten, bei Anzeichen einer Intoxikation umgehend ärztlichen Rat einzuholen.
Folgende Symptome können laut Warnhinweis auf eine Codeinintoxikation hindeuten:
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Bewusstseinsstörungen und Schläfrigkeit
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Atemdepression
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„Stecknadelkopf“-Pupillen (Miosis)
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Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
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Verstopfung
Dosierung
Die Anwendung sollte laut BfArM in der niedrigsten wirksamen Dosierung und für die kürzest mögliche Behandlungsdauer erfolgen.
| Patientengruppe | Frequenz | Maximale Tagesdosis | Maximale Behandlungsdauer |
|---|---|---|---|
| Kinder > 12 Jahre | Bis zu 4x täglich (mind. 6h Abstand) | 240 mg | 3 Tage |
Wenn nach 3 Tagen keine wirksame Schmerzlinderung erreicht wird, wird ein ärztliches Re-Assessment empfohlen.
Kontraindikationen
Das BfArM nennt folgende absolute Kontraindikationen für die Anwendung von Codein:
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Kinder und Jugendliche (0 bis 18 Jahre), die sich einer Tonsillektomie und/oder Adenoidektomie zur Behandlung eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms unterziehen.
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Patienten mit bekanntem ultra-schnellen CYP2D6-Metabolismus (extrem hohes Risiko einer Morphinintoxikation).
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Stillende Frauen (erhöhtes Risiko für den Säugling, falls die Mutter eine ultra-schnelle Metabolisiererin ist).
💡Praxis-Tipp
Da im klinischen Alltag keine Schnelltests zur Überprüfung der CYP2D6-Genetik verfügbar sind, ist die Konversionsrate von Codein zu Morphin bei Kindern nicht vorhersehbar. Es wird daher eine strenge Indikationsstellung empfohlen, bei der Codein erst nach Versagen von Paracetamol oder Ibuprofen und für maximal drei Tage eingesetzt wird.
Häufig gestellte Fragen
Das BfArM warnt vor dem Einsatz bei Kindern, die wegen obstruktiver Schlafapnoe operiert wurden, da es hier zu tödlichen Morphinintoxikationen kam. Bei diesen Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Atemstillstände.
Laut Sicherheitswarnung ist Codein erst bei Kindern ab 12 Jahren indiziert. Es darf zudem nur bei akuten, moderaten Schmerzen eingesetzt werden, wenn Ibuprofen oder Paracetamol nicht ausreichen.
Typische Symptome einer Intoxikation umfassen Atemdepression, stark verengte Pupillen („Stecknadelkopf“-Pupillen) und Bewusstseinsstörungen. Zudem können Schläfrigkeit, Übelkeit und Erbrechen auftreten.
Nein, die Anwendung von Codein ist in der Stillzeit kontraindiziert. Wenn die Mutter eine ultra-schnelle Metabolisiererin ist, besteht ein stark erhöhtes Intoxikationsrisiko für den Säugling.
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Quelle: Codeinhaltige Arzneimittel zur Schmerzbehandlung bei Kindern: Kernpunkte des PRAC zur Berücksichtigung (BfArM, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.