Kortikosteroide bei BPD: Cochrane Review
Hintergrund
Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) betrifft etwa ein Drittel aller Frühgeborenen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht. Sie entsteht durch die unzureichende Entwicklung der unreifen Lunge in Kombination mit Beatmungsstress und Sauerstofftoxizität nach der Geburt.
Systemische Kortikosteroide wie Dexamethason und Hydrocortison werden aufgrund ihrer stark entzündungshemmenden Wirkung zur Prävention eingesetzt. Der vorliegende Cochrane Review (2023) untersucht mittels Netzwerkmetaanalyse das optimale Verhältnis von Nutzen und Risiken verschiedener Dosierungen und Präparate.
Historisch zeigten Kortikosteroide zwar eine verbesserte Lungenfunktion und erleichterten die Extubation, jedoch traten schwere Nebenwirkungen wie Zerebralparese oder gastrointestinale Perforationen auf. Daher ist die Wahl des Präparats, der kumulativen Dosierung und des Zeitpunkts der Therapieeinleitung von entscheidender klinischer Bedeutung.
Empfehlungen
Der Review unterteilt die Auswertung in eine frühe (vor dem 7. Lebenstag) und eine späte (ab dem 7. Lebenstag) Therapieeinleitung.
Frühe Therapieeinleitung (< 7 Tage)
Laut Meta-Analyse zeigen sich für den frühen Behandlungsbeginn folgende Ergebnisse:
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Eine moderate Dosis Dexamethason senkt das Risiko für BPD sowie den kombinierten Endpunkt aus Tod oder BPD im Vergleich zur Kontrolle (moderate Evidenz).
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Eine niedrige Dosis Dexamethason erhöht das Risiko für eine Zerebralparese signifikant im Vergleich zur Kontrolle (moderate Evidenz).
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Hydrocortison senkt möglicherweise das Risiko für schwere neurosensorische Beeinträchtigungen im Vergleich zu niedrig dosiertem Dexamethason (niedrige Evidenz).
Späte Therapieeinleitung (≥ 7 Tage)
Für den späten Behandlungsbeginn fasst der Review folgende Erkenntnisse zusammen:
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Eine hohe Dosis Dexamethason reduziert das BPD-Risiko sowohl im Vergleich zu Hydrocortison als auch zur Kontrolle.
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Zudem senkt hochdosiertes Dexamethason das Risiko für den kombinierten Endpunkt aus Tod oder BPD im Vergleich zu allen anderen untersuchten Therapien.
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Bei den späten Behandlungsregimen wurde kein Effekt auf schwere neurosensorische Beeinträchtigungen oder Zerebralparesen beobachtet.
Klinische Einordnung
Die Autoren der Analyse betonen, dass die Evidenzqualität insgesamt niedrig ist. Eine Therapie mit systemischen Kortikosteroiden kann zur Verbesserung des Überlebens ohne BPD bei beatmungsabhängigen Frühgeborenen erwogen werden. Aufgrund unzureichender Daten zu langfristigen neurosensorischen Folgen wird jedoch zu einer sehr sorgfältigen Abwägung geraten.
Dosierung
Der Review klassifiziert die untersuchten Dexamethason-Regime anhand der kumulativen Dosis. Für Hydrocortison wurde aufgrund von Umrechnungsunsicherheiten keine solche Unterteilung vorgenommen.
| Wirkstoff | Dosierungsklasse | Kumulative Dosis | Bevorzugter Einsatzzeitpunkt laut Review |
|---|---|---|---|
| Dexamethason | Hochdosis | ≥ 4 mg/kg | Späte Therapie (≥ 7 Tage) |
| Dexamethason | Moderate Dosis | ≥ 2 bis < 4 mg/kg | Frühe Therapie (< 7 Tage) |
| Dexamethason | Niedrigdosis | < 2 mg/kg | Erhöhtes Zerebralparese-Risiko bei früher Gabe |
| Hydrocortison | Nicht unterteilt | Variabel | Ggf. geringeres neurosensorisches Risiko |
Kontraindikationen
Der Review warnt vor erheblichen kurz- und langfristigen Nebenwirkungen der systemischen Kortikosteroidtherapie. Zu den dokumentierten Risiken zählen:
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Gastrointestinale Perforationen und Blutungen
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Nekrotisierende Enterokolitis (NEC)
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Hypertonie und Hyperglykämie
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Wachstumsstörungen (somatisch und zerebral)
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Erhöhtes Infektionsrisiko
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Schwere neurosensorische Spätfolgen (z.B. Zerebralparese, insbesondere bei früher Gabe von niedrig dosiertem Dexamethason)
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass eine frühe Gabe von niedrig dosiertem Dexamethason (< 2 mg/kg) das Risiko für eine Zerebralparese signifikant erhöht. Es wird verdeutlicht, dass bei einer frühen Therapieeinleitung (< 7 Tage) stattdessen eine moderate Dosis (2 bis < 4 mg/kg) das beste Nutzen-Risiko-Profil bezüglich des Überlebens ohne BPD aufweist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es kein eindeutig überlegenes Präparat für alle Situationen. Bei früher Gabe (< 7 Tage) zeigt moderat dosiertes Dexamethason die besten Ergebnisse, bei später Gabe (≥ 7 Tage) hochdosiertes Dexamethason.
Die Meta-Analyse definiert eine Hochdosistherapie als eine kumulative Dosis von mindestens 4 mg/kg Körpergewicht. Eine moderate Dosis liegt zwischen 2 und unter 4 mg/kg.
Der Review zeigt, dass insbesondere die frühe Gabe von niedrig dosiertem Dexamethason das Risiko für eine Zerebralparese erhöht. Hydrocortison weist in diesem Zusammenhang möglicherweise ein geringeres Risiko für schwere neurosensorische Beeinträchtigungen auf.
Die Datenlage erlaubt laut Review keine abschließende Empfehlung, da direkte Vergleichsstudien fehlen. Hochdosiertes Dexamethason zeigte in der späten Therapiephase einen Vorteil gegenüber Hydrocortison bezüglich der BPD-Prävention.
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Quelle: Cochrane Review: Systemic corticosteroids for the prevention of bronchopulmonary dysplasia, a network meta-analysis (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.