Lungenreifeinduktion: Cochrane Review zu Kortikosteroiden
Hintergrund
Die pränatale Gabe von Kortikosteroiden ist eine etablierte Maßnahme, um bei drohender Frühgeburt das Atemnotsyndrom (RDS) des Neugeborenen zu verhindern. Trotz der weiten Verbreitung dieser Therapie besteht in der klinischen Praxis oft Unklarheit darüber, welches Präparat, welche Dosis und welches Schema am besten geeignet sind.
Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2022 untersucht die Effekte verschiedener Kortikosteroide auf die mütterliche und kindliche Morbidität sowie Mortalität. Dabei werden insbesondere die intramuskuläre Gabe von Dexamethason und Betamethason sowie unterschiedliche Dosierungsschemata bei Frauen mit einem Risiko für eine Frühgeburt verglichen.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse vergleicht primär die intramuskuläre Gabe von Dexamethason und Betamethason. Die Gesamtdosis in den untersuchten Studien betrug konsistent 22,8 mg oder 24 mg.
Mütterliche Endpunkte
Laut Review gibt es keine eindeutige Evidenz für einen Unterschied zwischen den Präparaten bezüglich einer Chorioamnionitis (moderate Evidenz). Auch bei den mütterlichen Nebenwirkungen zeigt sich keine abschließende Überlegenheit eines der beiden Medikamente.
Kindliche Endpunkte (kurzfristig)
Für das Neugeborene ergeben sich laut Übersichtsarbeit folgende Erkenntnisse:
-
Atemnotsyndrom (RDS): Es besteht wahrscheinlich kein Unterschied zwischen den Wirkstoffen (hohe Evidenz).
-
Mortalität: Die Wahl des Medikaments hat keinen eindeutigen Einfluss auf das Sterberisiko nach Randomisierung (moderate Evidenz).
-
Chronische Lungenerkrankung: Es zeigt sich kein Evidenznachweis für einen Unterschied (moderate Evidenz).
-
Intraventrikuläre Hämorrhagie (IVH) und Nekrotisierende Enterokolitis (NEC): Die Datenlage ist hierzu unsicher (niedrige Evidenz).
Langzeitfolgen für das Kind
Die Übersichtsarbeit stellt fest, dass es bei der neurologischen Entwicklung im Alter von zwei Jahren wahrscheinlich keinen Unterschied gibt (moderate Evidenz). Dies betrifft auch motorische Verzögerungen sowie intellektuelle oder auditive Einschränkungen.
Bezüglich des Risikos für eine Zerebralparese ist die Evidenz unklar. Die Datenlage lässt sowohl ein erhöhtes Risiko unter Dexamethason als auch keinen Unterschied zwischen den Interventionen zu (niedrige Evidenz).
Vergleich der Wirkstoffe
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden untersuchten Kortikosteroiden zusammen:
| Endpunkt | Vergleich (Dexamethason vs. Betamethason) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Atemnotsyndrom (RDS) | Kein Unterschied | Hoch |
| Mortalität | Unklarer Unterschied | Moderat |
| Neurologische Entwicklung | Wahrscheinlich kein Unterschied | Moderat |
| Zerebralparese | Unklare Datenlage (mögliches Risiko unter Dexa) | Niedrig |
Dosierungsschemata und Präparate
Es wird darauf hingewiesen, dass Vergleiche unterschiedlicher Schemata (z.B. orale vs. intramuskuläre Gabe, 12-stündige vs. 24-stündige Intervalle) auf einer sehr niedrigen Evidenz basieren. Die Autoren schlussfolgern, dass die aktuelle Datenlage die Bevorzugung eines bestimmten Kortikosteroid-Schemas gegenüber einem anderen nicht unterstützt.
💡Praxis-Tipp
Die aktuelle Evidenz rechtfertigt laut Cochrane Review keine strikte Bevorzugung von Dexamethason oder Betamethason zur Lungenreifeinduktion. Es wird darauf hingewiesen, dass bei der Wahl des Präparats lokale Verfügbarkeiten und etablierte Klinikstandards herangezogen werden können, da sich in den meisten klinischen Endpunkten keine signifikanten Unterschiede zeigen.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass es bezüglich der meisten kindlichen und mütterlichen Endpunkte keinen signifikanten Unterschied zwischen Dexamethason und Betamethason gibt. Die aktuelle Evidenz unterstützt die Bevorzugung eines bestimmten Präparats nicht.
Laut Übersichtsarbeit macht die Wahl zwischen Dexamethason und Betamethason wahrscheinlich keinen Unterschied für das Risiko eines Atemnotsyndroms. Dies wird durch eine hohe Evidenz gestützt.
Es gibt wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den beiden Medikamenten bezüglich neurologischer Entwicklungsstörungen im Alter von zwei Jahren. Bei der Zerebralparese ist die Datenlage jedoch unklar und schließt ein potenziell erhöhtes Risiko unter Dexamethason nicht völlig aus.
Die Meta-Analyse liefert keine ausreichende Evidenz, um ein spezifisches Dosierungsintervall oder einen bestimmten Verabreichungsweg zu empfehlen. Vergleiche zwischen verschiedenen Schemata basieren auf einer sehr niedrigen Evidenzqualität.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Different corticosteroids and regimens for accelerating fetal lung maturation for babies at risk of preterm birth (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.