Superoxiddismutase bei BPD: Cochrane Review
Hintergrund
Freie Sauerstoffradikale spielen eine wesentliche Rolle in der Pathogenese der bronchopulmonalen Dysplasie (BPD) bei Frühgeborenen. Superoxiddismutase (SOD) ist ein natürlich vorkommendes Enzym, das einen Schutz gegen solche oxidativen Schäden bietet.
In der Vergangenheit wurde die zusätzliche Gabe von SOD in klinischen Studien getestet, um einer BPD bei Frühgeborenen vorzubeugen. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2023 analysiert die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Intervention.
Die Analyse umfasst drei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 380 Frühgeborenen, die ein Risiko für die Entwicklung einer BPD aufwiesen. Es konnten keine Studien zu Frühgeborenen mit bereits beginnender BPD oder früher respiratorischer Insuffizienz identifiziert werden.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Datenlage folgende Kernaussagen zur Anwendung von Superoxiddismutase:
Unsichere Evidenzlage zu klinischen Endpunkten
Laut der Analyse ist die Evidenz hinsichtlich der Wirkung von SOD im Vergleich zu Placebo sehr unsicher (sehr niedrige Evidenzqualität). Dies betrifft insbesondere folgende Parameter:
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BPD-Inzidenz (definiert als Sauerstoffbedarf an Tag 28 oder in der 36. postmenstruellen Woche)
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Neonatale Mortalität und Sterblichkeit vor der Krankenhausentlassung
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Retinopathie bei Frühgeborenen (ROP) in allen Stadien sowie schwere ROP
Fehlende Daten und Forschungslücken
Der Review weist darauf hin, dass zu mehreren wichtigen klinischen Endpunkten keine Daten vorliegen. Es fehlen Studien, die den kombinierten Endpunkt aus BPD oder Tod in der 36. postmenstruellen Woche untersuchen.
Ebenso gibt es keine Daten zu moderaten bis schweren neurologischen Entwicklungsstörungen im Alter von 18 bis 24 Monaten. Die letzten klinischen Studien zu SOD bei Frühgeborenen wurden in den Jahren 1997 und 1998 durchgeführt.
Zukünftiger Forschungsbedarf
Aufgrund der stark limitierten Evidenz wird aktuell die Durchführung neuer RCTs nicht direkt empfohlen. Stattdessen wird gefordert, zunächst neue präklinische und observationelle Daten zu generieren.
Beobachtungsstudien sollten laut den Autoren detailliert erfassen, wie SOD verabreicht wird. Dabei sollten Indikation, Dosierung und die Assoziation mit relevanten Endpunkten wie Mortalität, BPD und Langzeit-Neuroentwicklung im Fokus stehen.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass der routinemäßige Einsatz von Superoxiddismutase zur BPD-Prävention bei Frühgeborenen aufgrund der sehr unsicheren und veralteten Datenlage derzeit nicht durch starke Evidenz gestützt wird. Es wird darauf hingewiesen, dass seit über zwei Jahrzehnten keine neuen klinischen Studien zu diesem Thema publiziert wurden.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist die Evidenz für einen präventiven Effekt von Superoxiddismutase auf die BPD-Entwicklung sehr unsicher. Es lässt sich keine verlässliche Aussage zur Wirksamkeit im Vergleich zu Placebo treffen.
Die Analyse zeigt, dass die Datenlage bezüglich der neonatalen Mortalität und der Sterblichkeit vor der Entlassung sehr unsicher ist. Ein klarer Überlebensvorteil durch die Gabe von SOD konnte nicht nachgewiesen werden.
Der Review stellt fest, dass in den letzten Jahrzehnten keine neuen Studien zu diesem Thema durchgeführt wurden. Die jüngste eingeschlossene Studie stammt aus den Jahren 1997/1998, und es sind derzeit keine laufenden Studien bekannt.
Die Auswirkungen von Superoxiddismutase auf die Entwicklung einer Retinopathia praematurorum (ROP) jeglichen Stadiums oder einer schweren ROP sind laut der Analyse sehr unsicher. Die sehr niedrige Evidenzqualität lässt keine definitiven Schlüsse zu.
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Quelle: Cochrane Review: Superoxide dismutase for bronchopulmonary dysplasia in preterm infants (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.