Inhalative Kortikosteroide bei BPD: Cochrane Review
Hintergrund
Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) ist eine schwerwiegende Komplikation bei Frühgeborenen. Sie wird als Sauerstoffabhängigkeit in der 36. postmenstruellen Woche definiert, wobei eine pulmonale Inflammation bei der Pathogenese eine zentrale Rolle spielt.
Systemische Kortikosteroide können die Inflammation dämpfen und die BPD-Inzidenz senken. Allerdings gehen sie mit einem erhöhten Risiko für negative neurologische Entwicklungsverläufe einher.
Die lokale Verabreichung von Kortikosteroiden über die Inhalation wird als potenziell sicherere Alternative diskutiert. Der vorliegende Cochrane Review (2022) untersucht den Nutzen und die Risiken einer späten inhalativen Therapie, die zwischen dem siebten Lebenstag und der 36. postmenstruellen Woche begonnen wird.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz aus sieben randomisiert-kontrollierten Studien mit insgesamt 218 Frühgeborenen zusammen. Die Autoren betonen, dass die aktuelle Datenlage keine sicheren Schlüsse zulässt.
Primäre Endpunkte
Die Evidenz bezüglich der primären Endpunkte wird als sehr unsicher (very low-certainty) eingestuft. Es ist unklar, ob späte inhalative Kortikosteroide einen Effekt auf folgende Parameter haben:
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Kombinierter Endpunkt aus Mortalität oder BPD in der 36. Woche
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Mortalität als isolierter Endpunkt
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BPD als isolierter Endpunkt
Sekundäre Endpunkte und Nebenwirkungen
Laut Review reduzieren inhalative Kortikosteroide möglicherweise den Bedarf an systemischen Kortikosteroiden. Auch hier wird die Evidenz jedoch aufgrund geringer Teilnehmerzahlen und klinischer Heterogenität als sehr unsicher bewertet.
Zu kurz- und langfristigen Nebenwirkungen der Inhalationstherapie liegen laut den Autoren kaum Daten vor. Es wird der Bedarf an größeren, placebokontrollierten Studien hervorgehoben, um Nutzen und Risiken abschließend zu klären.
Übersicht der Studienergebnisse
| Endpunkt | Relatives Risiko (RR) | Evidenzgrad (GRADE) | Klinische Relevanz |
|---|---|---|---|
| Mortalität oder BPD (kombiniert) | 1,10 | Sehr niedrig | Effekt unklar |
| Mortalität (isoliert) | 3,00 | Sehr niedrig | Effekt unklar |
| BPD (isoliert) | 1,00 | Sehr niedrig | Effekt unklar |
| Bedarf an systemischen Steroiden | 0,51 | Sehr niedrig | Mögliche Reduktion (NNT = 5) |
💡Praxis-Tipp
Der Review zeigt auf, dass der späte Einsatz inhalativer Kortikosteroide bei Frühgeborenen zur BPD-Prävention derzeit nicht ausreichend durch Evidenz gestützt ist. Es wird darauf hingewiesen, dass trotz einer möglichen Reduktion des systemischen Steroidbedarfs die Datenlage zu kurz- und langfristigen Nebenwirkungen der Inhalationstherapie unzureichend ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review ist die Evidenz hierfür sehr unsicher. Es lässt sich aktuell nicht belegen, dass die späte Inhalationstherapie die Inzidenz der bronchopulmonalen Dysplasie oder die Mortalität senkt.
Die Daten deuten darauf hin, dass inhalative Kortikosteroide den Bedarf an systemischen Steroiden möglicherweise reduzieren. Die Autoren stufen die Evidenz für diesen Effekt jedoch als sehr niedrig ein.
Der Review stellt fest, dass es einen Mangel an Daten zu kurz- und langfristigen Nebenwirkungen gibt. Daher kann das Sicherheitsprofil der späten Inhalationstherapie derzeit nicht abschließend beurteilt werden.
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Quelle: Cochrane Review: Late (≥ 7 days) inhaled corticosteroids to reduce bronchopulmonary dysplasia in preterm infants (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.