Magenreste bei Frühgeborenen: Cochrane Review
Hintergrund
Die routinemäßige Kontrolle von Magenresten bei sondenernährten Frühgeborenen ist eine gängige Praxis auf neonatologischen Intensivstationen. Sie dient dazu, den Beginn und den Aufbau der enteralen Ernährung zu steuern.
Es besteht jedoch kein Konsens darüber, ob aspirierte Magenreste wieder zugeführt (Refeeding) oder verworfen werden sollten. Das Refeeding könnte die Verdauung und die gastrointestinale Reifung fördern, da teilweise verdaute Milch, Enzyme und Hormone zurückgegeben werden.
Andererseits besteht die Sorge, dass abnormale Magenreste zu Erbrechen, nekrotisierender Enterokolitis (NEC) oder Sepsis führen könnten. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract eines systematischen Reviews, der die Wirksamkeit und Sicherheit beider Vorgehensweisen vergleicht.
Empfehlungen
Der vorliegende Cochrane Review identifizierte lediglich eine einzige randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 72 Frühgeborenen zu dieser Fragestellung. Die Studie war unverblindet, wies aber ansonsten eine gute methodische Qualität auf.
Klinische Endpunkte
Laut Review hat das Refeeding von Magenresten im Vergleich zum Verwerfen wahrscheinlich wenig bis keinen Einfluss auf wichtige klinische Endpunkte. Die Autoren betonen, dass die Evidenz für alle untersuchten Parameter von niedriger oder sehr niedriger Qualität ist (low-certainty evidence).
| Klinischer Endpunkt | Effekt durch Refeeding (vs. Verwerfen) | Evidenzgrad |
|---|---|---|
| Zeit bis zum Erreichen des Geburtsgewichts | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Risiko für NEC (Stadium >= 2) oder Perforation | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Gesamtmortalität vor Entlassung | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Zeit bis zur vollen enteralen Ernährung | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
| Dauer der parenteralen Ernährung | Kein relevanter Unterschied | Niedrig |
Schlussfolgerung für die Praxis
Aufgrund der stark limitierten Datenlage lässt sich laut Review keine eindeutige Überlegenheit für eines der beiden Verfahren ableiten.
Es wird darauf hingewiesen, dass große, qualitativ hochwertige RCTs erforderlich sind. Nur so können die Sicherheit und Wirksamkeit des Refeedings bei Frühgeborenen abschließend beurteilt und evidenzbasierte Leitlinien erstellt werden.
💡Praxis-Tipp
Da die aktuelle Evidenzlage keine klare Überlegenheit für das Refeeding oder das Verwerfen von Magenresten bei Frühgeborenen zeigt, wird in der Praxis oft eine individuelle Abwägung vorgenommen. Der Review verdeutlicht, dass das Refeeding basierend auf den bisherigen, stark limitierten Daten weder einen signifikanten Nutzen noch einen eindeutigen Schaden (wie ein erhöhtes NEC-Risiko) nachweisen konnte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review gibt es derzeit keine ausreichende Evidenz, um eine der beiden Methoden klar zu bevorzugen. Die einzige eingeschlossene Studie zeigte keine signifikanten Unterschiede bei wichtigen klinischen Endpunkten.
Die Auswertung der verfügbaren Daten ergab keinen Hinweis auf ein signifikant erhöhtes Risiko für eine nekrotisierende Enterokolitis (NEC) durch das Refeeding. Die Evidenzqualität für diese Aussage wird jedoch als niedrig eingestuft.
Der Review fand keinen relevanten Unterschied in der Zeit, die Frühgeborene benötigen, um ihr Geburtsgewicht wieder zu erreichen. Auch das Risiko für eine extrauterine Wachstumsrestriktion bei Entlassung unterschied sich nicht signifikant.
Es wird angenommen, dass die Rückgabe von teilweise verdauter Milch, gastrointestinalen Enzymen und Hormonen die Verdauung unterstützen kann. Zudem könnte dies die gastrointestinale Motilität und Reifung bei Frühgeborenen fördern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Re-feeding versus discarding gastric residuals to improve growth in preterm infants (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.