Radiotherapie bei neovaskulärer AMD: Cochrane Review
Hintergrund
Die neovaskuläre (feuchte) altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist durch ein pathologisches Gefäßwachstum in der Aderhaut gekennzeichnet. Zur Behandlung dieser Neubildungen wurde in der Vergangenheit die Radiotherapie als Therapieansatz untersucht.
Dieser Artikel basiert auf einem systematischen Cochrane Review aus dem Jahr 2020. Die Meta-Analyse untersucht die Effekte der Strahlentherapie bei Personen mit choroidaler Neovaskularisation infolge einer AMD.
Die eingeschlossenen Studien umfassen sowohl ältere Untersuchungen ohne Anti-VEGF-Therapie als auch neuere Arbeiten, die eine Kombination aus Radiotherapie und Anti-VEGF-Injektionen evaluieren.
Empfehlungen
Der Cochrane Review fasst die Evidenz zur Radiotherapie bei neovaskulärer AMD zusammen. Die Ergebnisse werden nach den untersuchten Therapieansätzen unterschieden.
Radiotherapie als Monotherapie
Bei einem Vergleich von Radiotherapie mit keiner Strahlentherapie (überwiegend vor der Anti-VEGF-Ära) zeigt sich laut Review:
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Es gibt wahrscheinlich keinen relevanten Unterschied beim Verlust von drei oder mehr Visuszeilen nach 12 Monaten (niedrige Evidenz).
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Ein minimaler Vorteil bei der Veränderung der Sehschärfe und der Kontrastsensitivität ist möglich (niedrige Evidenz).
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Die Datenlage zum Wachstum neuer Gefäße und zur Lebensqualität ist unzureichend und lässt keine klaren Schlüsse zu.
Kombinationstherapie (Radiotherapie plus Anti-VEGF)
Der Review vergleicht die Kombination aus Strahlentherapie und Anti-VEGF mit einer alleinigen Anti-VEGF-Therapie. Die wesentlichen Unterschiede stellen sich wie folgt dar:
| Therapieansatz | Visusverlust (≥ 3 Zeilen) | Anzahl Anti-VEGF-Injektionen | Nebenwirkungsrisiko |
|---|---|---|---|
| Radiotherapie + Anti-VEGF | Erhöhtes Risiko | Geringer | Erhöht (besonders bei Brachytherapie) |
| Anti-VEGF-Monotherapie | Geringeres Risiko | Höher | Geringer |
Die epimakuläre Brachytherapie ist dabei mit schlechteren visuellen Ergebnissen assoziiert als die externe perkutane Strahlentherapie (EBM).
Bewertung der Therapieansätze
Die Autoren des Reviews betonen die Unsicherheit der aktuellen Evidenzlage. Es wird darauf hingewiesen, dass die epimakuläre Brachytherapie aufgrund schlechterer Visusergebnisse und erhöhter Komplikationsraten kritisch zu bewerten ist.
Die Rolle der modernen stereotaktischen Radiotherapie in Kombination mit Anti-VEGF bleibt laut Review derzeit ungewiss. Weitere Forschung auf diesem Gebiet wird erst nach Abschluss laufender Studien als gerechtfertigt angesehen.
Kontraindikationen
Der Review beschreibt ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Ereignisse bei bestimmten Bestrahlungstechniken.
Insbesondere bei der epimakulären Brachytherapie wird eine deutlich höhere Rate an okulären Nebenwirkungen (54 % vs. 18 % unter alleiniger Anti-VEGF-Therapie) verzeichnet. Zu den dokumentierten Komplikationen zählen Katarakte sowie strahlenbedingte Retinopathien.
Die Autoren vermuten, dass ein Teil der Komplikationen auf die für die Brachytherapie notwendige Vitrektomie zurückzuführen ist.
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review verdeutlicht, dass eine additive Radiotherapie zur Anti-VEGF-Behandlung bei neovaskulärer AMD keinen sicheren klinischen Nutzen bietet. Das Risiko für einen Visusverlust kann durch die Kombinationstherapie sogar steigen. Insbesondere die epimakuläre Brachytherapie geht mit einer hohen Komplikationsrate einher und führt zu schlechteren visuellen Ergebnissen.
Häufig gestellte Fragen
Nein, laut Cochrane Review führt die Kombination aus Radiotherapie und Anti-VEGF im Vergleich zur alleinigen Anti-VEGF-Therapie wahrscheinlich häufiger zu einem relevanten Visusverlust. Zudem ist das Nebenwirkungsrisiko bei bestimmten Bestrahlungsverfahren erhöht.
Der Review zeigt, dass Personen in der Kombinationsgruppe durchschnittlich weniger Anti-VEGF-Injektionen benötigen. Dieser Vorteil wird jedoch durch schlechtere visuelle Ergebnisse und mehr Nebenwirkungen erkauft.
Zu den beschriebenen unerwünschten Ereignissen zählen Katarakte und strahlenbedingte Retinopathien. Besonders bei der epimakulären Brachytherapie wird eine hohe Rate an okulären Komplikationen verzeichnet, die teilweise auf die begleitende Vitrektomie zurückgeführt werden.
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Quelle: Cochrane Review: Radiotherapy for neovascular age-related macular degeneration (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.