Gliom-Strahlentherapie: Neurokognitive Langzeitfolgen
Hintergrund
Gliome sind Hirntumoren, die von Gliazellen ausgehen, mit einer jährlichen Inzidenz von 4 bis 11 Fällen pro 100.000 Personen. Bei niedriggradigen Gliomen (Low-Grade-Gliome) besteht die Standardbehandlung oft aus einer Operation, der sich eine Strahlentherapie anschließen kann.
Da diese Tumoren kurzfristig ein geringeres Aggressionspotenzial aufweisen, rücken die Langzeitfolgen der Behandlung in den Fokus. Es bestehen insbesondere Bedenken hinsichtlich möglicher negativer Auswirkungen der Bestrahlung auf die neurokognitiven Funktionen der Betroffenen.
Ein systematischer Cochrane Review aus dem Jahr 2019 analysiert diese langfristigen neurokognitiven und weiteren Nebenwirkungen. Dabei werden Zeiträume von mindestens zwei Jahren nach der Diagnose betrachtet.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass bei der Aufklärung über eine Strahlentherapie bei niedriggradigen Gliomen auf das potenziell erhöhte Risiko für kognitive Spätfolgen hingewiesen werden sollte. Es wird empfohlen, strukturierte neurokognitive Testungen in die langfristige Nachsorge zu integrieren, um Defizite frühzeitig zu erfassen.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review zeigt, dass eine Strahlentherapie das Risiko für langfristige kognitive Beeinträchtigungen erhöhen kann. Nach 12 Jahren wurde in einer Studie ein signifikant höheres Risiko beobachtet, die Evidenzqualität hierfür ist jedoch sehr niedrig.
Laut den analysierten Daten gibt es bis zu drei Jahre nach der Behandlung keinen eindeutigen Unterschied in der kognitiven Beeinträchtigung zwischen Strahlentherapie und Chemotherapie. Die Datenlage zu diesem Vergleich wird als niedrig eingestuft.
Der Review fand nach zwei und fünf Jahren keine eindeutigen Unterschiede bezüglich der neurokognitiven Nebenwirkungen zwischen Hochdosis- und Niedrigdosis-Strahlentherapie. Auch hier ist die Sicherheit der Evidenz sehr gering.
Die untersuchten Studien erfassten neurokognitive Endpunkte über Zeiträume von zwei bis zu zwölf Jahren nach der Diagnose. Kognitive Einschränkungen können demnach auch noch viele Jahre nach Abschluss der Therapie manifest werden.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Long-term neurocognitive and other side effects of radiotherapy, with or without chemotherapy, for glioma (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: External beam radiation dose escalation for high grade glioma
Cochrane Review: Interventions for preventing and ameliorating cognitive deficits in adults treated with cranial irradiation
Cochrane Review: Treatment of newly diagnosed glioblastoma in the elderly: a network meta-analysis
Cochrane Review: Early versus delayed postoperative radiotherapy for treatment of low-grade gliomas
Cochrane Review: Interval brain imaging for adults with cerebral glioma
Cochrane Review: Protons versus photons for the treatment of chordoma
Cochrane Review: Post-mastectomy radiotherapy for women with early breast cancer and one to three positive lymph nodes
Cochrane Review: Anti-epidermal growth factor receptor therapy for glioblastoma in adults
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen