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Borderline-Persönlichkeitsstörung: Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Cochrane Review (2020) untersucht die positiven und schädlichen Effekte von psychologischen Therapien bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). Diese Meta-Analyse aktualisiert und ersetzt einen früheren Review aus dem Jahr 2012.

Es wurden 75 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4507 Teilnehmern eingeschlossen. Die untersuchte Population bestand überwiegend aus Frauen mit einem Durchschnittsalter zwischen 14,8 und 45,7 Jahren.

Analysiert wurden mehr als 16 verschiedene Psychotherapieverfahren, wobei die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) am häufigsten vertreten waren. Als Vergleichsgruppen dienten die Standardbehandlung (Treatment-as-usual, TAU), Wartelisten oder keine Behandlung.

Empfehlungen

Der Review zeigt, dass störungsspezifische Psychotherapien im Vergleich zur Standardbehandlung (TAU) bei allen primären Endpunkten vorteilhaft sind. Allerdings erreicht nur die Reduktion der BPS-Symptomschwere eine klinisch relevante Verbesserung (gemäß MIREDIF-Grenzwert).

Psychotherapie im Vergleich zur Standardbehandlung (TAU)

Die Meta-Analyse liefert folgende Ergebnisse für Psychotherapie im Vergleich zu TAU:

  • Reduktion der BPS-Symptomschwere (moderate Evidenzqualität, klinisch relevant)

  • Reduktion von selbstverletzendem Verhalten (niedrige Evidenzqualität, klinisch nicht signifikant)

  • Verbesserung suizidbezogener Endpunkte (niedrige Evidenzqualität, klinisch nicht signifikant)

  • Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus (niedrige Evidenzqualität, klinisch nicht signifikant)

  • Reduktion depressiver Symptome (sehr niedrige Evidenzqualität, klinisch nicht signifikant)

Es wird darauf hingewiesen, dass störungsspezifische Psychotherapien die Abbruchquoten im Vergleich zu TAU nicht reduzieren. Unerwünschte Wirkungen bleiben aufgrund unzureichender Datenlage unklar.

Vergleich mit Warteliste oder keiner Behandlung

Laut den Autoren zeigen sich bei Personen, die eine Psychotherapie erhalten, im Vergleich zu Warteliste oder keiner Behandlung größere Verbesserungen. Dies betrifft die BPS-Symptomschwere, das psychosoziale Funktionsniveau und Depressionen (jeweils niedrige Evidenzqualität).

Für selbstverletzendes Verhalten und suizidbezogene Endpunkte konnte in diesem Vergleich kein Unterschied nachgewiesen werden.

Spezifische Therapieverfahren (DBT und MBT)

Subgruppenanalysen zeigen keine eindeutige Überlegenheit eines bestimmten Therapieverfahrens im Vergleich untereinander. Dennoch lassen sich für die am häufigsten untersuchten Verfahren spezifische Effekte im Vergleich zu TAU beobachten (alle basierend auf niedriger Evidenzqualität):

TherapieverfahrenReduktion BPS-SchwereReduktion SelbstverletzungReduktion SuizidalitätVerbesserung psychosoziales FunktionsniveauReduktion Depression
DBTJaJaKeine EvidenzJaKeine Evidenz
MBTKeine EvidenzJaJaKeine EvidenzJa
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💡Praxis-Tipp

Ein zentrales Ergebnis des Reviews ist, dass BPS-spezifische Psychotherapien zwar statistisch signifikante Verbesserungen bei Selbstverletzung und Suizidalität zeigen, diese Effekte jedoch oft nicht die Schwelle zur klinischen Relevanz erreichen. Zudem wird betont, dass die Evidenzqualität für die meisten Endpunkte niedrig bis sehr niedrig ist. Dies verdeutlicht, dass die Erwartungen an die messbaren Effektstärken im klinischen Alltag realistisch eingeordnet werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine eindeutige Evidenz dafür, dass ein bestimmtes Therapieverfahren den anderen überlegen ist. Am häufigsten wurden jedoch die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT) mit positiven Effekten untersucht.

Der Review zeigt eine statistische Verbesserung suizidbezogener Endpunkte durch Psychotherapie im Vergleich zur Standardbehandlung. Dieser Effekt erreicht jedoch laut den Autoren nicht die Schwelle zur klinischen Relevanz und basiert auf niedriger Evidenzqualität.

Es wird eine klinisch relevante Reduktion der BPS-Symptomschwere durch Psychotherapie im Vergleich zur Standardbehandlung beschrieben. Dies ist der einzige Endpunkt im Review, der eine moderate Evidenzqualität und klinische Signifikanz aufweist.

Die Meta-Analyse zeigt, dass BPS-spezifische Psychotherapien die Abbruchquoten im Vergleich zur Standardbehandlung (TAU) nicht signifikant reduzieren.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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