ClariMedClariMed

Borderline-Persönlichkeitsstörung: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Psychotherapie (z.B. DBT, MBT) ist die primäre Behandlungsmethode der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
  • Medikamente sollen nicht als Primärtherapie eingesetzt werden und Polypharmazie ist zu vermeiden.
  • Die Diagnose kann und soll bei Erfüllung der Kriterien bereits ab 12 Jahren gestellt werden.
  • Die Behandlung soll primär im ambulanten Setting erfolgen.
  • Die Diagnose soll den Betroffenen und (bei Zustimmung) den Angehörigen transparent mitgeteilt werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) weist in der Allgemeinbevölkerung eine Prävalenz von ca. 0,7 bis 2,7 % auf. In klinischen Settings ist sie deutlich häufiger (ca. 10 % ambulant, 20 % stationär). Die Ätiologie wird durch ein bio-psycho-soziales Modell erklärt, welches genetische Vulnerabilitäten (z.B. Einschränkungen der Emotionsregulation) und soziale Risikofaktoren (z.B. traumatische Kindheitserfahrungen, Missbrauch, Vernachlässigung) umfasst. Entgegen früherer Annahmen remittieren viele BPS-Symptome (insbesondere Impulsivität) im Lauf des Lebens, jedoch bleiben psychosoziale Einschränkungen oft bestehen.

Diagnostik

Die fachgerechte Abklärung einer BPS soll bei wiederholtem suizidalen/selbstverletzenden Verhalten, erheblicher emotionaler Instabilität oder stark beeinträchtigtem Funktionsniveau erfolgen. Wichtig: Die Diagnose soll bei Erfüllung der Kriterien bereits bei Jugendlichen ab 12 Jahren gestellt werden, um frühzeitig spezifische Interventionen einzuleiten.

Screening-Instrumente

Zur ersten Einschätzung können validierte Screening-Fragebögen genutzt werden:

InstrumentDauerFokus
BSL-2310 MinIntrapsychische Belastung, Verlaufskontrolle
ADP-IV20 MinScreening aller DSM-IV Persönlichkeitsstörungen
FGG5-10 MinBPS-spezifische Gedanken und Gefühle

Diagnosestellung

Die endgültige Diagnose soll durch eine sorgfältige klinische Diagnostik, idealerweise unterstützt durch halbstrukturierte Interviews, erfolgen:

InstrumentDauer (BPS-Teil)Bemerkung
SKID-5-PDca. 20 MinNach DSM-5 Kriterien
DIPSbis 30 MinOpen Access verfügbar (DSM-IV/ICD-10)
IPDEca. 20 MinNach ICD-10 Kriterien

Sobald die Diagnose feststeht, soll sie den Betroffenen (und bei Zustimmung den Angehörigen) transparent mitgeteilt und erklärt werden, um Stigmatisierung abzubauen und Behandlungswege aufzuzeigen.

Therapie

Die Behandlung der BPS basiert primär auf strukturierter, störungsspezifischer Psychotherapie.

Psychotherapie

  • Empfohlene Verfahren: Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) oder Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), insbesondere wenn die Reduktion von selbstverletzendem oder suizidalem Verhalten im Fokus steht.
  • Frequenz: Möglichst mindestens eine Sitzung pro Woche.
  • Gruppentherapie: Wenn keine Einzeltherapie verfügbar ist, soll mit einer störungsspezifischen Gruppentherapie (z.B. DBT-Skillstraining) begonnen werden.
  • Psychoedukation: Ist ein essenzieller Bestandteil der Therapie.

Medikation

Medikamente spielen in der BPS-Therapie eine stark untergeordnete Rolle. Es gelten folgende Grundsätze:

PrinzipEmpfehlungBemerkung
PrimärtherapieNicht empfohlenMedikamente sollen Psychotherapie nicht ersetzen
PolypharmazieVermeidenSo wenige Präparate wie möglich einsetzen
KriseninterventionZeitlich begrenztNach Abklingen der Krise sofort absetzen
AbhängigkeitspotenzialVerzichtKeine Medikamente mit Suchtpotenzial
ToxizitätZurückhaltungWegen Suizidrisiko keine bei Überdosierung tödlichen Präparate

Hinweis: Komorbide Störungen (z.B. schwere Depression, ADHS) sollen nach den jeweiligen Leitlinien psychopharmakologisch mitbehandelt werden.

Versorgung und Setting

  • Ambulant vor Stationär: Die Behandlung soll im Allgemeinen ambulant durchgeführt werden.
  • Stationäre Behandlung: Sollte auf kurzzeitige Kriseninterventionen (z.B. akute Eigengefährdung) oder zeitlich definierte, störungsspezifische Programme beschränkt sein.
  • Unspezifische Aufenthalte: Längere stationäre Aufenthalte ohne BPS-spezifisches Konzept sollen vermieden werden.

💡Praxis-Tipp

Kommunizieren Sie die BPS-Diagnose offen und entstigmatisierend mit dem Patienten. Verzichten Sie auf Polypharmazie und setzen Sie Medikamente bei BPS-Patienten nur äußerst restriktiv und zeitlich begrenzt ein.

Häufig gestellte Fragen

Nach aktueller Leitlinie soll die Diagnose bei Erfüllung der Kriterien bereits bei Jugendlichen ab 12 Jahren gestellt werden, um frühzeitige Hilfen zu ermöglichen.
Keine. Medikamente sollen nicht als primäre Therapie eingesetzt werden. Die Basisbehandlung ist immer eine strukturierte, störungsspezifische Psychotherapie.
Besonders empfohlen werden die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) und die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT), vor allem zur Reduktion von selbstverletzendem Verhalten.
Nein. Die Behandlung soll primär ambulant erfolgen. Stationäre Aufenthalte sollten kurz und krisenfokussiert sein oder im Rahmen spezifischer Behandlungsprogramme stattfinden.

Verwandte Leitlinien